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VerkehrBrockhaus 1882

Alpen gestattet die Zugänglichkeit und geringe Höhe der Joche wieder die Entwickelung des Straßennetzes, zugleich aber auch eine so reiche Entfaltung des Bahnnetzes, daß die Fahrstraßen ihre ehemalige Bedeutung großenteils eingebüßt haben. Die wichtigsten Passagen östlich vom Brenner sind die folgenden: von Salzburg führt die Eisenbahn durch das Salzachthal und die Hüttau nach Radstadt, wo der le Murigc Über den Radstädter Tauern (1738 m) ins urthal und über den Katschberg (1641 m) ins Drauthal abzweigt, welches er bei der Station Spittal der Bahnlinie Lienz-Villach erreicht; die südl. Fortsetzung dieser Route wird durch die Poststraße gebildet, die bei Tarvis die Bahn verläßt, um über den Predil (1165 m) durch die Flitscherklause und das Isonzothal Görz zu erreichen. Ein zweiter Straßenzug führt von Steier an der Enns durch das Thal des Steierbachs, gelangt über den Pyrhnpaß (945 m) ins Thal der Enns und über den Hohen oder Rottenmanns-Tauern (1454 m) nach saltel ins im Murthal und über den Obdacherattel ins Lavantthal, wo er bei Wolfsberg die Bahn wieder erreicht; als Fortsetzung dieser Passage mag die Poststraße über den Loibl (1362 m) gelten, die von Klagenfurt über die Karawanken ins Thal der Save führt. Die dritte Passage wird von einer Eisenbahn gebildet, die im Zickzack die Alpen durchschneidend bei St. Valentin östlich von Linz an der Donau südlich ins Ennsthal abzweigt, wo sie das Gesäuse, den wildschönen Durchbruch der Enns zwischen den österr. und den nordsteirischen Kalkalpen, passiert; bei Selzthal wendet sie sich nach SO. und erreicht durch das Palten⸗ und Lisingthal St. Michael an der Mur, durch deren Thal sie ansteigt, um von Scheifling aus über das Schauerfeld (889 m) das Glanthal und sich gabelnd einerseits Villach an der Drau, andererseits Klagenfurt zu erreichen. Von Villach aus führt die Pontebbabahn über Tarvis, wo die Linie durch das Savethal nach Laibach abzweigt, dann über Pontafel und das ital. Pontebba und durch das Fellathal nach Udine, wo sie sich an die Linie Venedig-Triest anschließt. Die vierte Passage ist die Semmeringbahn von Wien nach Graz, Laibach und Triest. Durch die Zweigbahn von Bruck an der Mur nach St. Michael stehen die beiden Bahnsysteme in direkter Verbindung. Als Längslinie ist zu verzeichnen im N. der Hohen Tauernkette die Eisenbahn, welche bei Wörgl von der Linie Rosenheim-Innsbruck abzweigt, über Kitzbüchel und den Griesenpaß (864 m) ins Unter-Pinzgau und Pongau und mit der Salzburger Linie vereinigt Radstadt erreicht, dann das Ennsthal hinabführt und bei Selzthal in die Bahn durch das Gesäuse einmündet. Von N. her Eanchn sich als Zufahrtslinien an die Straße von Salzburg über Reichenhall und den Steinpaß nach Saalfelden an der Saalach und die Eisenbahn Gmunden-Ischl-Aussee-Selzthal; von S. her die Poststraße über den Thurnpaß (1275 m) vom Ober-Pinzgau nach Kitzbüchel. Im S. der Hohen Tauern derih die Pusterthalbahn bei der Franzensfeste von der Brennerlinie ab, überschreitet das Toblacherfeld (1204 m) und zieht sich der Drau und dem Wörthersee nach über Lienz, Spittal, Villach und Klagenfurt nach Marburg an der Drau, wo sie die Semmeringbahn erreicht. Bei Toblach mündet in sie von S. her aus dem Ampezzothal die prächtige Strada d Allamagna. Neben diesen Hauptverkehrswegen der Ostalpen existieren in dem überall zugänglichen, von tiefen Flußthälern durchfurchten Gebiete noch eine Menge von Menlüch von kaum geringerer Bedeutung, und namentlich von der Semmeringbahn aus steigen mehrere Zweigbahnen durch die westlich sich öffnenden Seitenthäler hinauf, während nach O. die Linien Graz-Steinamanger, Pragerhof-Kanizsa und Steinbrücken-Agram das Verkehrsnetz der Ostalpen mit dem ungar. Bahnsystem verknüpfen. Ungleich zahlreicher sind noch die . Dortand⸗ und Eisenbahnen in den nördl. und südl. Vorländern der Alpen, namentlich in der schweiz. und bayr. Hochebene, im niederösterr. Hügellande und in der Po-Ebene, wo fast jedes größere Flußthal eine Poststraße oder einen Schienenweg besitzt, die bis zum Rande der „Alpenvereine oder Alpenklubs heißen Vereine, welche sich die Durchforschung der Alpenwelt der Ziele sche haben. Der erste derselben war er Englische Alpenverein (Alpine Olub), zunächst ein Verein von rni. nr der 1857 zusammentrat und den Domicil zu London hat. Seine Mitglieder haben sich durch eine Reihe der kühnsten Bergfahrten bemerklich gemacht, deren Ergebnisse in mehrern glänzend ausgestatteten Publikationen niedergelegt sind. Unter diesen sind, außer verschiedenen Monographien einzelner Mitglieder, wie z.B. von Tyndall, hervorzuheben: das Prachtwerk „Peaks, passes and glacierso (2 Serien, 4 Bde., Lond. 1860 — 62), der treffliche Alpine Guide (2. Aufl., 3 Bde., 1872—74) von J. Ball und das „Alpine Journals (seit März 1863). Dem Englischen Alpenklub folgte der Osterreichische Alpenverein, der sich im März 1862 bildete und sich nicht bloß die Verbreitung und Erweiterung der Kenntnis der Alpen, besonders der österreichischen, um Zweck stellt, sondern auch das Interesse an der lpenwelt fördern und die Bereisung erleichtern will. Die Resultate seiner Forschungen und Arbeiten sind in den „Mitteilungen» (2 Bde., Wien 1863—64) und dem Wien des Ssterreichischen Alpenvereinso (9 Bde., Wien 1865—73) niedergelegt. Der Schweizer Alpenklub, ue An-April 1863 besteht, stellt sich als seine nächste Aufgabe die Lieferung eines lebendigen Kommentars zu Dufours topogr. Atlas der Schweiz. Es sollen hiernach die Forschungen und Untersuchungen unter einem dreifachen Gesichtspunkte, einem topologisch beschreibenden, einem artistischen und einem naturwissenschaftlichen, ausgeführt werden. Der Verein zerfällt, wie die meisten A., in Sektionen mit wechselndem Vorort. über seine Arbeiten berichtet das Jahrbuch des Schweizer Alpenklubs » (Bern 1864 fg.), welches mit trefflichen Karten ausgestattet ist. Der Italienische Alpenverein (Ciub alpino Italiano), dessen Gründung zuerst im Aug. 1863 angeregt wurde, stellt die naturwissenschaftliche Er51 der Alpen wie auch des Apennin als Hauptzweck seiner Bestrebungen obenan und gibt seit 1865 zu Turin das «Bolletino del Club alpino Italianoo heraus. Außerdem geben die Sektionen der roman. Schweiz noch die Zeitschrift „LEcho des Alpes (Genf 1870 fg.) heraus. Zu diesen Vereinen kommen noch der Deutsche Alpenverein und der Französische Alpenklub Club Alpin Français). Ersterer, im Mai 1869 zu ünchen gegründet, will die gesammten deutschen Alpen durchforschen und deren Bereisung erleichtern. Seit dem 1. Jan. 1874 ist er mit dem Ssterreichischen Alpenverein zum Deutschen und Ssterreichischen Alpenverein verschmolzen. Orane des Vereins sind; „Zeitschrift des Deutschen lpenvereinsv (4 Bde., Münch. 1869—73; seit 1874 unter dem Titel: «Zeitschrift des Deutschen und terreichischen Alpenvereinso erscheinend) und die Mitteilungen des Deutschen und Ssterreichischen Alpenvereinso (seit 1875). Eine Anzahl österr. Mitglieder löste sich 1878 wieder von dem Verbande ab, um sich selbständig als Alpenklub Ssterreich zu konstituieren 1— Alpenzeitungo). Der Französische Alpenklub besteht seit 1874; sein Zweck ist in erster Linie die Erforschung des franz. Alpengebiets, dann aber auch der andern Gebirge Cein Dranr wie der Pyrenäen, der Cevennen u. s. w. ein Organ ist das prächtig ausgestattete, seit 1875 alljährlich erscheinende Annuaire du Club Alpin Francaisb. Neben diesen Hauptvereinen existieren noch mehrere andere, die sich ebenfalls die Erforschung teils der Alpen, teils anderer Gebirge zum Ziel gesetzt haben, so in Deutschland der Rhönklub, der Taunusklub u. s. w., in Osterreich-Ungarn der Tatraklub, der Touristenverein, der Steirische Gebirgsverein, in Frankreich die Société des Touristes du Dau phiné, in Spanien der Catalonische Exkursionsverein u. s. w. Alle diese Verbindungen sind, wie auch die Hauptvereine, bemüht, gleichzeitig mit der Erforschung der Gebirge die Zugänglichkeit derselben durch den Bau von Schirmhütten, die Anlage oder Verbesserung von Wegen, die Errichtung von Wegweisern und die Regulierung des Führerwesens zu fördern, und sie haben denn auch sowohl für diesen Zweck wie für die topogr., naturwissenschaftliche und histor. Kenntnis der Gebirge schon Beträchtliches geleistet. ů

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 478Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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