Alpenwirtschaften heißen die reinen Viehwirtschaften in höhern Gebirgsgegenden, wo die Futterverwertung, des kalten und feuchten Klimas und der kurzen Vegetationszeit halber, Hauptsache, der Getreidebau nicht mehr möglich ist. Auf den südeurop. Alpen, Apenninen und Pyrenäen, ebenso in Norwegen und Schweden u. s. w. wird der Futterbestand der Abhänge oder Matten durch den Auftrieb von Rindern, Schafen und Ziegen, seltener von Pferden, ausgenutzt, nebenbei wohl auch Dürrfutter für die Winterzeit gewonnen. Die felsigsten und schroffsten Alpen (s. d.), Schafalpen, werden nur mit Schafen und Ziegen, minder hohe und steile mit Kühen beweidet, während man entlegene Reviere, zu welchen keinerlei Vieh sich versteigt, zur Gewinnung des sog. Wildheues benutzt. Dieses vorzugsweise aromatische Heu wird von verwegenen Steigern oft mit und amn de gemäht, in Tücher oder Netze gestopft und auf dem Kopfe nach Hause getragen oder über die Felsen herab-Mipen ber Das Befahren (Beweiden) der niedern lpen beginnt Ende Mai, das der Hochalpen Ende Juni, sobald der Winterschnee geschmolzen ist. Die Alpenwirtschaft ist das Hauptgewerbe des Hochgebirgs. In neuerer Zeit ist man, namentlich seitens des Alpwirtschaftlichen Vereins, eifrig bestrebt, die bis dahin im allgemeinen sehr vernachlässigte Bewirtschaftung der Alpen besonders durch Düngung zu heben, infolge dessen der Ertrag aus den Alpen bedeutend gesteigert ist. Molkerei, Fabrikation von Käse, Zieger, Milchzucker, Molkenessig, seltener von Butter, nebenbei bisweilen Mästung von Schweinen mit den Molkereirückständen bilden hierbei die Hauptquellen der Einnahme. (S. Sennerei.) gl. Steinmüller, „Beschreibung der schweiz. Alpen⸗ und Landwirtschaft (2 Bde., Winterth. 1802); Emminghaus, „Die schweiz. Volkswirtschafto (Lpz. 1860); Schatzmann, «Schweiz. Alpenwirtschafto (Aarau 1859 —66) und «Alpwirtschaftliche Volksschriften o (1. u. 2. Bdchn., Aarau 1873—74); (Die Alpenwirtschaft in Kärnten» (Klagenf. 1874); Wilckens, „Die Alpenwirtschaft der Schweiz, des Algäus und der westösterr. Alpenländerd (Wien 1874).