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PflanzenreichBrockhaus 1882

Alp, in Tirol und den nördlich angrenzenden Gebieten auch Alm genannt, heißt in den Alpenländern ein mit Gras und Kräutern bewachsener Weideplatz (Matte), welcher wegen seiner Höhe, Abgelegenheit und Unzugänglichkeit während des Winters weder von Menschen noch Vieh bewohnt werden kann. Den Futterbestand der südeurop. Alpen bilden hauptsächlich: Alpenklee (Trifolium alpinum), Alpenwegerich oder falsches Adelgras (Leontodon aureum), Traganth (Astragalus cicer und aristatus), Bergschwingel (Festuca montana), Taumantel (Alchemilla vulgaris), Schafgarbe, Habichtskraut, Hopfenklee, Schneckenklee, Zittergras, Alpenliesch, Seslersgras, Bocksbart, Pfriemengras, Borstgras und die Würzkräuter: Gentian, Nieswurz, Steinklee, Thymian u. s. w. Das beliebteste und berühmteste Alpenfutterkraut ist die Muttern oder Alpenbärwurz (Meum mutellina). An Berghängen gelegen oder Plateaux bildend, sind die Alpen an Größe sehr verschieden; manche können nur fünf, andere hundert und mehr Kühe einen ganzen Sommer hindurch ernähren. Ihrer Lage nach unterscheidet man Voralpen, welche nicht über 1000 m hoch liegen und 171 zur Heugewinnung benutzt werden können, Mittelalpen von 1000 —1750 m und Hochalpen, welche bis 2500 m und darüber hinansteigen. Alpen von größerm Umfang sind in verschiedene Weidestriche geschieden. Hinsichtlich ihrer frühern oder spätern Benutzung sind die Alpen in Staffeln eingeteilt, gewöhnlich in eine untere, mittlere und obere. Die erstern betreibt man zu Ende Mai oder Anfang Juni, sobald der Schnee geschmolzen ist, vier Wochen später die mittlern und Ende Juli oder Anfang August die obern. In gleicher Weise verährt man auch wieder abwärts, sodaß die ganze pzeit 17—21 Wochen beträgt. Die Beziehung der A., die Alpauffahrt oder Alpfahrt genannt, sowie das Verlassen derselben im Herbst, die Absahrt, gibt in den meisten Gegenden Anlaß zu Festlichkeiten. Die Alpen sind teils Eigentum ganzer Gemeinden und werden von ucet oder Gemeindegliedern Toerwahter 0 benutzt oder von der Gemeinde verpachtet (Gemeindealpen), teils gehören sie einzelnen eigentümlich zu (Privatalpen). Die felsigsten und schroffsten Alpen, auf welchen bloß Schafe und Ziegen weiden, heißen Schafalpen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 454Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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