FeedAnghiera oder Angera
ErdkundeBrockhaus 1882

Anghiera oder Angera, Flecken in der ital. Provinz Como, an der Ostküste des Lago-Maggiore, Arona gegenüber, hat 1922 E. und war einst Hauptort einer Grafschaft, welche sich zu beiden Seiten des Sees erstreckte. Am berühmtesten unter den Grafen dieses Geschlechts wurde Pietro Martire d'A., latinisiert gewöhnlich Petrus Martyr Anglerius, geb. 1455 zu Arona. Derselbe lebte seit etwa 1477 zu Rom im Verkehr mit den berühmtesten Dichtern und Gelehrten seiner Rar und ging 1488 an den Hof Ferdinands des Katholischen und der Isabella. Hier nahm er Kriegsdienste gegen die Mauren, trat aber 1494 in den geistlichen Stand, wurde zum Lehrer der Pagen ernannt und 1501 an den Sultan von Agypten nach Kairo 330ld da doch blieb seine Mission e Erfolg. Bald darauf vom Papst zum apostolischen Protonotar ernannt, erhielt er 1505 die Stellung eines Priors an der Kathedrale von Granada, wo er 1526 starb. Sein wichtigstes histor. Werk ist „De rebus oceanicis et orbe novo decadeso, von welchem die drei ersten Dekaden zuerst 1516 erschienen, während das ganze Werk in acht Dekaden erst nach seinem Tode (Alcala 1530; Par. 1536) herauskam. Es behandelt die Entdeckung Amerikas von der ersten Reise des Columbus bis 1525. Sein 4Opus epistolarum (Alcala 1530; Amsterd. 1670) enthält vieles Interessante zur Geschichte seiner Zeit von 1488—1525, besonders des Calm Hofs, sowie auch über die Entdeckungen des olumbus. Die Zustände Agyptens schilderte A. in den «Legationis Babylonicae libri tres o, welche zuerst in seinen Operay (Alcala 1511), dann mehrmals mit den Dekadeno gedruckt wurden. Angilbert, Abt von Centula (später St.⸗Riquier) in der Picardie, geb. um 740, gest. 18. Febr. 81⁴4, . Alcuins und Karls d. Gr., der ihn wiederholt mit diplomatischen Sendungen betraute und dessen schola palatina er als hervorragendes Mitglied angehörte. Als solches führte er den Namen Homer. Unter seinen lat. Gedichten (gesammelt von Migne, im 99. Bande der „Patrologieo) befindet sich das Fragment eines Epos von Karl d. Gr., worin namentlich eine Begegnung Karls mit Papst Leo III. Suelines Lepen in einem andern schildert er 11 1 h Ka Leben, in einem dritten die Heimkehr von Karls zweitem Sohne Pipin aus der Schlacht. A. ist Vater des Geschichtschreibers Nithard (s. d.), der als seine Mutter Karls d. Gr. Tochter Bertha nennt. Das Verhältnis A.s zu Bertha scheint Grundlage der Sage von Eginhard und Emma zu sein.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 647Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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