FeedAntiphönie
ReligionBrockhaus 1882

Antiphönie (grch.) nannte man in der griech. Kirche den Wechselgesang, welcher von dem Vorsänger des einen Chors angestimmt und von dem andern Chore, oder auch von beiden, beantwortet und geendigt wurde. Die Einrichtung vieler Psalmen beweist, daß solche Wechselgesänge schon beim jüd. Kultus gebräuchlich waren. Ihre Einführung in die christl. Kirche wird dem Bischof von Antiochia, Ignatius, zugeschrieben; in die endländische soll sie Ambrosius (s. d.) eingeführt haben. Die Abteilung der A. in Verse und ein bestimmtes Regulativ über dieselben soll vom Papst Cölestin I. (422 — 432) herrühren. Der Wechselgesang trat dann in der röm. Kirche zu Gunsten des kunstmäßig ausgebildeten Solo⸗ und Chorgesangs mehr und mehr zurück; Antiphonarium oder Antiphonale, wie ein solches Papst Gregor I. (590—604) zuerst veranstaltete, bedeutet nicht mehr eine Sammlung von Wechselgesängen, sondern umfaßt den ganzen kirchlichen Gesang. Vgl. Durandi, (Rationale divinorum officiorumo (Mainz 1459; Hagenau 1509). Schon hch. w wurde es gewöhnlich und seit dem 13. Jahrh. immer allgemeinerer Gebrauch, durch die Anfangsworte der A. (introitus) in Urkunden das Datum und zugleich den Wochentag zu bezeichnen. Vgl. Wedekind, Die Eingänge der Messeny (Braunschw. 1815). In der deutschen 9—ã—ꝓ R— Kirche kennt man zwei Arten der A. Entweder bestehen sie aus ganzen Liedern wie die Litanei, oder nur aus wenigen biblischen Worten. Diese letztere Art faßt teils eine Intonation durch den Prediger, teils ein Responsorium des Chors und der Gemeinde in sich. (S. Anthem.)

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 727Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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