FeedArauco
ErdkundeBrockhaus 1882

Arauco, eine der südl. und der südamerik. Republik Chile, grenzt im N. und W. an den Stillen Ocean, im S. an die Provinz Valdivia, im O. an die Provinzen Concepcion und Angol und an die Argentinische Konföderation und umfaßt einen üste ist ohne Hafen. Das Land, nur erst zu einem kleinen Teile angebaut, ist in den — Wiehlich fruchtbar, aber im allgemeinen mehr zur Viehzucht als zum Ackerbau geeignet. Das Klima ist sehr mild, aber feuchter als in den nördl. Provinzen. Die Bevölkerung belief sich 1878 auf 53413 politisch zählbare E., welche vorzugsweise in de nördlichsten Teile wohnen; außerdem gibt es im Innern der Provinz noch ungefähr 35000 unabhängige Indianer, Araucos (s. 50. Die Provinz A. wurde durch Dekret vom 13. Okt. 1875 gebildet und besteht aus den Departements A., Lebu, Canñete und Imperial. — Die Hauptstadt A., an der gleichnamigen Bai, liegt 480 km südsüdwestlich von Valparaiso und zählt 1181 E. raucos oder Araucanier (vom araucan. Worte auca, Rebelh, ein kriegerischer Indianerstamm in Südamerika, welcher vor der Eroberung von Chile durch die Spanier den größten Teil dieses Landes bewohnte, seitdem aber auf den Süden desselben beschränkt ist, wo er noch gegenwärtig ziemlich unabhängig in dem Landstriche zwischen Biobio und Calleca e, in Araucania, seine Sitze hat. Nach der Expedition Almagros nach Chile gründete Valdivia seit 1537 mehrere Niederlassunen in dem sog. Araucanien, vermochte jedoch das and nicht zu unterwerfen. Freiheitsliebend und tapfer, seit 1585 im Besitz einer regelmäßigen Kavallerie, lebten die A. mit den Spaniern mehr als zwei Jahrhunderte im Kampfe und zerstörten wiederholt (z. B. 1602) deren Niederlassungen in ihrem Lande, bis endlich Spanien 1773 ihre Unabhängigkeit, wenn auch in sehr beschränktem Gebiete, anerkannte. Der Heldenmut und die Tapferkeit der A. in jenen Kämpfen ist in fünf verschiedenen Gedichten, am glänzendsten von Alonzo de Ereilla in dessen Araucanab und in Curen Indomitoo von Alvarez de Toledo gefeiert worden. Das Haupt-Teun. der A. war von jeher in vier, der natürlichen eilung des Landes entsprechende Provinzen (Wuthan-mapus oder Uthal-mapus), an der Küste, in der Ebene, am Fuße des Gebirgs und im Gebirge selbst, geteilt, deren jede einen Toqui oder Oberhäuptling an der Spitze hatte und wiederum in fünf Ailla-rehue zerfiel, die von Apo-Ulmen'en regiert wurden. Jeder dieser Kreise teilte sich weiter in neun Rehues oder Gemeinden, deren jede unter einem Ulmen stand. Die Würden dieser fämtlichen Häuptlinge waren in den Familien nach dem Erstgeburtsrechte erblich. Die vier Toquis bildeten den Großen Rat des araucan. Bundes, in welchem einer der Toquis den Vorsitz führte. Gegenwärtig haben sich diese Dote, welte wie überhaupt das ganze Leben des Volks, vielfach geändert. Die A. sind nicht mehr die tapfern Krieger der frühern Zeit, und ihre Unternehmungen beschränken sich auf gewöhnliche Räubereien und innere Zwiste. Obgleich treu, gastlich und — im Frieden und gegen bie Metsen,l beseelt sie doch der tiefste Haß HeIir die Weißen, insbesondere gegen die Spanier. Sie sind teils Nomaden, teils in Dörfern an den zahlreichen Flüssen des Landes wohnhaft und stehen immer noch untereinander in einem Bundesverhältnisse, dem die Erfahrensten und Altesten des Volks vorstehen. Ihr höchstes Wesen ist der große Toqui des Universums; untergeordnete Götter (Ulmenen) sind der Gott des Kriegs, des Wohlthuns u. a. Huecubu ist der Gott des Bösen. Die A. haben weder Tempel, noch opfern sie den Göttern. Nach dem Tode wandert die Seele ins Paradies, welches auf der östl. Seite der Anden liegt. ie A. sind stark und kraftvoll gebaut, mittelmäßig groß, haben kupferfarbige Haut, ein flaches Gesicht von finsterm, mißtrauischem Ausdruck; ihr Haar ist schwarz, lang, struppig und hängt wild um den Kopf und bis auf die Schultern herab. Während die Männer von Jugend auf im Reiten der Pferde und im Handhaben ihrer langen Lanzen, des Lasso oder der Fangschlinge und der Bolas (Eisenkugeln, die an langen Riemen geschleudert werden) sich üben, müssen die Weiber alle Last und Arbeit tragen. Die Republik Chile betrachtet die A. als Unterworfene und hat aus dem größten Teile ihres Gebiets 1875 die Provinz Arauco (s. d.) errichtet. Ein kleiner Teil des frühern Araucanien Die d zu der 1826 organisierten Provinz Valdivia. ie Zahl der A. wird auf 50000 angegeben. Im J. 1861 ließ sich ein franz. Abenteurer, der frühere Notar Antoine Tonneins aus Perigueux, welcher längere Zeit in Chile gelebt hatte, von einigen Trupps von A. zum König von Araucanien und Patagonien ausrufen und nahm den Namen Orelie Antoine I. an. Schon 4. Jan. 1862 ward jedoch dieser König von den chilenischen Behörden gefangen genommen und nach kurzer Haft 215 Landes bachdem Er kehrte aber nach einigen R ren zurück, nachdem er in Frankreich die gerichtliche Anerkennung der Gültigkeit seines königl. Titels erlangt hatte, und fing 1870 von neuem Krieg mit Chile an. du 7 1871 mußte er, geschlagen, wieder nach Frankreich zurückkehren, veröffentlichte in Marseille ö eine offizielle araucan. Zeitung, . Medaillen und stiftete einen Ritterorden. Sein Stellvertreter, Planchut, den er in Araucanien zurückgelassen hatte, nahm aber bald nach der Abreise Tonneins selbst r den Königstitel an, sodaß es seitdem zwei Kronprätendenten in Araucanien gab. Tonneins starb 19. Sept. 1878 zu Tourtoirac im Depart. Dor-i dogne. Vgl. Orélie Antoine I roi d'Araucanie et de Patagonie, son avènement au trône et sa captivitér (Par. 1863). über die A. handeln: Schmidtmeyer, Travels in Chile over the Andeso (Cond. 1824); Reuel Smith, The Araucanianso (Neuyork 1855); Domeyco, «Araucania i sus habitantesv (Santiago 1846). Die bekannteste araucan. Grammatik wurde 1765 von Febres in Lima veröffentlicht und 1846 in Santiago neu aufgelegt. Vgl. auch Havestadt, «Chilidugu sive res Chilen-

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 829Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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