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ErdkundeBrockhaus 1882

Argos, im Altertum die Hauptstadt der peloponnen Landschaft Argolis, lag 4 Kxm vom Meere in einer von den meist wasserlosen Flüssen Inachos und Charadros durchflossenen Ebene und war auf der Westseite von der Akropolis Larissa überragt. Die nach der Sage von Inachos oder von dessen Sohne Phoroneus gegründete, nach Conversations-Lexikon. 13. Aufl. I. Argos, dem Sohne des Zeus und der Niobe, benannte Stadt war der Mittelpunkt eines 99 85 reichs, das sowohl in der achäischen Periode als nach der dorischen Wanderung, seit letzterer unter der Herrschaft eines Zweigs der Herakliden, der Temeniden, eine hervorragende Rolle in der griech. Sage und Geschichte spielte. (S. Argolis.) Die Dynastie der Temeniden erreichte ihr Ende mit Meltas, worauf Könige aus einem andern Geden Per folgten, bis vielleicht erst um die Zeit nach den Perserkriegen das im Laufe der Jahrhunderte immer mehr beschränkte Königtum gänzlich der Demokratie Platz machen mußte. Seit der Zeit des Pheidon (770—745) war es A. nie berd gelungen, eine dauernde Hegemonie auch nur über das gesamte Argolis zu behaupten; aber es hielt mit der größten Zähigkeit an seinem Anspruche und die Führerschaft der peloponnes. Staaten fest und stand daher in fortwährender Feindschaft mit Sparta, die 515 Hast in offenen Krieg ausbrach. Diese Feindchaft, welche den bestimmenden Grundzug der argiv. olitik bildete, war — der Grund, weshalb A. (495 oder 493 durch die Spartaner furchtbar heimgesucht) in den Perserkriegen eine perserfreundliche Neutralität bewahrte. Später sympathisierte das demokratisch gewordene A. meist mit Athen. Durch Aratos wurde A. 229/8 dem Achäischen Bunde zugewandt und fiel 146 zugleich mit letzterm der röm. Herrschaft anheim. A. nimmt durch Männer wie Ageladas, Polyklitos u. a. eine Hüdhauertunft Stelle in der Geschichte der griech. Bildhauerkunst ein; auch wurde die Gymnastik und die Musik daselbst, wie in den meisten dor. Staaten, eifrig gepflegt. Die Stadt, die als Sitz des Landtags der Griechen der Provinz Achaja unter den Römern eine sehr glänzende Stellung behauptete, hat bis auf die Gegenwart ihren alten Namen A. bewahrt. Von den vielen Tempeln, welche die Stadt im Altertum besaß, sowie von den andern Bauwerken und Denkmälern ist nur sehr wenig übrig. Unter den Resten zeichnet sich das in den Fels gehauene Theater mit 67 Sitzstufen aus. Die Stadt, welche von 1212—1388 in französischen, 1388—1463 und wieder 1686—1715 in venetian. Händen sich befand von 1463—1686 und wieder 1715—1821 türkisch war, wurde während der griech. Freiheitskämpfe mehrmals verwüstet (namentlich 1822 und 1831), erholte sich jedoch wieder und ersteht sämtlich zu einem freundlichen Orte, dessen Häuser sämtlich in Gärten liegen. A. zählt (1879) 9861 E. und hat, außer zwei hellen. Schulen, auch ein Gymnasium.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 881Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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