Arkadien, die mittelste Landschaft des Peloponnes, hat seinen Namen, welchen die Sage von Arkas, dem Sohne des Zeus und der Kallito, herleitet, wahrs mnden 5och den Bären erhalten, die im Altertume in den Hochgebirgen daselbst hausten. Das im N. an Achaja, im W. an Clis, im S. an Messenien und Lakonien, im O. an Argolis anstoßende Land wird von drei Seiten durch mächtige Randgebirge begrenzt, unter denen die Kyllene (jetzt Ziria) im NO., der a Warend (jetzt Olonos) im NW., das Lykäon (getzt Diaforti) im SW. und das Artemision (jetzt Malevo) im O. die bedeutendsten 0 auch das Innere ist fast ganz von meist noch jetzt mit Tannen⸗ und Eichenwaldungen bedeckten Gebirgen eingenommen. Nur im O. des Landes findet man eine größere Ebene, welche das Gebiet der Städte Tegea und Mantineia bildete (ietzt nach der modernen Hauptstadt der ganzen Landschaft die Ebene von Tripolitza genannt), und nördlich davon einige rings von Bergen umschlossene Thalkessel, deren tiefste Stellen von Wasser bedeckt sind, welches nur durch unterirdische Abzugskanäle (die sog. Katabothren) einen Abfluß hat: die Thäler von Orchomenos, Stymphalos und Pheneos. Unter den Flüssen sind der Alpheios und der Ladon, welche sich im westlichsten Teile der Landschaft kurz vor der Grenze von Elis vereinigen, die bedeutendsten. A. ist die einzige Landschaft des Peloponnes welche durch die dor. Einwanderung nicht berührt worden ist; es behielt auch nach derselben seine alten, dem pelasg. Stamme angehörigen Bewohner, die hauptächlich von Viehzucht und Ackerbau lebten, Industrie, Kunst (mit Ausnahme der Musik) und Wissenschaft wenig oder gar nicht pflegten und bei den übrigen Griechen in dem Rufe der Gastlichkeit, Sittenreinheit und Frömmigkeit, aber auch der Beschränktheit und Roheit standen. Dies ist die Veranlassung geworden, daß neuere Dichter, besonders die Verfasser von Schäfergedichten, wie der Italiener J. Sannazaro und seine Nachahmer, A. als ein Land paradiesischer Unschuld, patriarchalischer Sitteneinfalt und friedlichen Glücks ——.— stellt und zum Schauplatze ihrer Dichtungen gewählt haben. In polit. Beziehung zerfiel A. im Altertum in eine beträchtliche Anzahl einzelner Landschaften, die, voneinander unabhängig, zu einem offenbar sehr lockern Bunde vereinigt waren; die bedeutendern darunter waren Tegea, Mantineia Orchomenos, Stymphalos, uagalie Kleitor, P ophis, Heräa, higalia und die ländlichen, eines größern städtischen ittelpunkts entbehrenden Landschaften der Mänalier und 4% Der Mangel an Konzentration war die Ursache, daß A. trotz der großen Zahl und der kriegerischen Tüchtigkeit seiner Bewohner, die vielfach als Söldner in die Dienste auswärtiger Staaten traten, gar keine bedeutende und einflußreiche Rolle in der griech. Geschichte gespielt, sondern sich auf die Verteidigung seiner Unabhängigkeit gegen die Nachbarstaaten beschränkt hat. Einen Versuch, einen Einheitsstaat nach streng centralistischen Prinzipien in A. zu begründen, machte 371 v. Chr. alepols ( durch die Gründung der Stadt Megalepolis (edie große Stadte); allein der Versuch mißglückte, und die neue Hauptstadt selbst kam allmählich infolge der Kämpfe „die sie gegen die anticentralistische Partei in A. selbst sowie gegen die Spartaner zu bestehen hatte, so herab, daß man sie spottend edie große Einöder nannte. Gegenwärtig ist A. noch eine der fünf peloponnes. Nomarchien des Königreichs Griechenland mit einem Flächenräume von 4346 akm und einer Bevölkerung von (1879) 148905 Seelen, welcher die vier Eparchien (Bezirke) Mantinea, Kynuria, Gortynia und Megalopolis umfaßt; die Bewohner treiben außer Viehzucht und Ackerbau 1— Weinbau und Tabaksbau. Vgl. Schwab, «Arkadien⸗ (Stuttg. 1852); Curtius, Peloponnesosy (Bd. 1, Gotha 1851); Bursian, Geographie von Griechenlande (Bd. 2, Lpz. 1872)