FeedArmbänder
Sitten & ModeBrockhaus 1882

Armbänder (grch. eνν, lat. armilla, mittellat. brachiale, daher frz. bracelet) finden sich als Schmuck bei allen Völkern des Altertums und der neuern Zeit, werden gewöhnlich am Unterarm, seltener am Oberarm getragen und, je nach der Kulturstufe der Völker, aus verschiedenen Stoffen gefertigt. Wilde Völker tragen als A. Schnüre aus bunten bnen 5⸗ aus kleinern Muscheln, aus Knochen und Zähnen von Tieren und Aund Ketten Feinden; höher stehende tragen Ringe und Ketten von unedelm Metall oder Schnüre von Glasperlen, die reichen und gebildeten aber fertigen A. aus Gold und Silber oder aus kostbaren Seidenstoffen und verzieren sie mit Edelsteinen, Perlen und Korallen, auch mit malerischem und anderm Ornament. A. werden nur getragen, wo die Kleidung wenigstens einen Teil des Arms unbedeckt läßt, und verschwinden mit jeder Tracht, die den Arm bis zur Hand verhüllt. Ihre Grundformen sind der Ring, eirund für den Unterarm, kreisrund für den Oberarm, und das Band, gegliedert und ungegliedert; beide Formen bieten hauptsächlich an den Schlußenden Gelegenheit zu künstlerischer Verzierung. Bei den Hebräern trugen Männer und Frauen Armringe; bei den alten Medern und Persern bezeichnete man durch die Art und die Zahl derselben die Unterschiede des Ranges; bei den Arabern und Orientalen waren sie (asäwir genannt) vorzugsweise Schmuck der Frauen, ebenso in Griechenland, wo sie aus verschiedenen Stoffen und in verschiedenen Formen, am liebsten in Gestalt von Schlangen gebildet wurden. Bei den italischen Völkern trugen auch Männer Armringe, die Sabiner z. B. sehr schwere am linken Arm. In Rom trugen die vor-Eenem Halddna goldene Spangen oder Ringe aus feinem Golddraht am Unterarm wie am Oberarm, und verdiente Krieger erhielten Armillä vom Imperator als Ehrengeschenk. Den ersten Rang unter dem Geschmeide behaupteten die A., Bauge (bouc, d. i. Gebogenes), bei den alten Germanen. Obwohl sie hauptfächlich in Frauengräbern gefunden werden, so wurden sie doch bis ins 9. Jahrh. von Männern vielfach und mitunter in großer Anzahl getragen, wie denn auch Karl d. Gr. einen Armring führte. Man schätzte sie als ganz besondere Kostbarkeiten, tauschte sie im Kampfe und beim Mahle als Zeichen der Freundschaft und erhielt sie von Fürsten und Fürstinnen als Ehrengaben und Lohn für besondere Dienste. So erhält in den „Nibelungeno Siegfried, als er der Kriemhild die Ankunft Gunthers und dessen gewonnener Braut meldete, 24 A. als Botenlohn. Im Norden legte man auf den Armring Eidschwüre ab und schätzte nach Baugen Bußen und Brüche. Die meisten der altgermanischen A. sind aus Erz, erst in der Merovingerzeit häufiger aus Silber und Gold. Ihre Conversations-Lexikon. 13. Aufl. I. orm ist im ganzen stets einfach, ein kreis⸗ oder piralförmig zusammengebogener Draht, ein runder oder ovaler Ring, an den Schlußenden verziert, hin und wieder mit Schlangenhäuptern und phantastischen Figuren, am häufigsten mit eingeritten Doppelkreisen oder Kreuzbändern. Später verdrängte die veränderte I1 durch lange Armel die Armringe, und erst mit dem Vorherrschen der span. A. im 16. Jahrh. kamen sie bei Frauen wieder vielfach in Gebrauch. Sogar unbekleidete Statuen, wie die Diana des Juan Goujon (1548), schmückte man mit Ringen über der Hand und über dem Ellbogen. Zu Ende des 16. Jahrh. trugen deutsche Bürgerfrauen A. aus vergoldetem Kupfer, vornehmere aus massivem Gold, einfach und mehrfach übereinander, doch weichen sie bald wieder den Handkrausen und Manschetten. Als durch die Hofdamen Ludwigs XIV. dann Mode wurde, den Arm entblößt zu tragen, schmückte man denselben allgemeiner mit Armringen und Bändern aus Haaren, Samt und Seide, mit Perlen, Edelsteinen und Medaillons besetzt. Auch Männer trugen jetzt A., die sie als Liebespfand erhalten hatten, und Dichter wie Opitz und Rachel besangen sie in elegischen und satirischen Versen. Gegen Ende des 18. Jahrh. trugen die Frauen am Unter⸗ und Oberarm A. von Gold mit Diamanten, von Samt und Atlas mit goldenen Schnallen und Devisen, mit den Porträts geliebter Personen oder ihrer Augen und Hände. Nachdem die griech. Tracht der franz. Kaiserzeit sie verdrängt hatte, erschienen sie seit 1813 wieder, zuerst am Unterarm, aus Leder mit Stahlschnallen oder von Samt mit Rubinen besetzt, dann am Unter⸗ und Oberarm, endlich wiederum nur am Unterarm, an dem sie noch jetzt in vielen schnell mit der Mode wechselnden Formen getragen werden.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 913Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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