Armbrnst (lein Wort nicht deutschen Ursprungs, sondern eine seltsame, zuerst im 12. Jahrh. erscheinende Assimilation des lat. arcubalista, arbalista, woraus auch das frz. arbaleste, arbalète entstanden) ist die uralte Fernwaffe, welche als eine Vervollkommnung des einfachen Pfeilbogens zu betrachten ist und im wesentlichen aus dem Schaft (Säule, Rüstung) mit dem Kolben, dem Schneller oder Drücker und aus dem Bügel oder Bogen mit der Sehne besteht. Je nach ihrer Bestimmung gibt es Armbrüste von verschiedener Größe und Stärke. Die größten hießen in Deutschland Rüstung en oder, da man zu den Armbrustsäulen gern Eiben- und Taxusholz verwendete, Eiben. Der Bogen bei denselben ist aus Stahl, 6—8 Pfd. schwer, die Sehne aus Hanffäden gedreht und mit einem sog. Schlagfaden der Länge nach dicht umwunden. Die Spannung der Sehne wird durch eine eiserne Armbrustwinde bewerkstelligt. Eine kleinere Art von A. ist der Schnepper, dessen Schaft und Bügel viel kürzer als die entsprechenden Stücke bei der (Rüstungy sind, mit denen sie übrigens gleiches Material haben. Die Spannung des Schneppers erfolgt durch die Wippe, eine Art Hebel, der mit der Hand dirigiert wird. Die Pfeile oder Bolzen waren in der Regel vorn mit 3 beschlagen, bald rund, bald eckig oder spitz. In späterer Zeit schoß man auch hartgebrannte Lehm⸗ und Thonkugeln, Marmor⸗- und selbst Bleikugeln aus Armbrüsten, die zu diesem Behufe statt des gewöhnlichen Bolzenstegs einen verdeckten Lauf hatten. Schon die Kriegs⸗ — des Altertums hat einen sehr ausgedehnten Gebrauch von der A. gemacht. Die Katapulten 914 Arme der Mutter Gottes zu den (. d.) der Griechen und Römer waren in der Hauptsache nach demselben Prinzip konstruiert. Daneben besaßen sie kleinere Armbrüste für die Leichtbewaffneten, die zum Unterschiede von jenen schwerern Wursmaschinen Arkuballisten (d. i. bogenähnliche Ballisten) hießen. Im westl. Europa scheint der Gebrauch von Armbrüsten als Kriegswaffe na Beginn der Kreuzzüge aufgekommen zu sein. Zu Rom ward 1139 der Bann über den Gebrauch der A. als eines mörderischen Gewehrs ausgesprochen und 50 Jahre später durch Papst Innocenz III. erneuert, jedoch beidemal ohne Erfolg. Vorzugsweise waren Armbrüste unter Richard Shranth. und Philipp August von Frankreich in Gebrauch. Unter anderm leisteten die franz. Armbrustschützen oder Arbalétriers 1214 in der Schlacht bei Bouvines vorzügliche Dienste. In Frankreich stand die Truppe unter einem Grandmaitre des arbalétriers, der im Range unmittelbar nach dem Marschall kam und die Aufsicht über die ganze Artillerie hatte. Der letzte dieser Grandmaitres war Aymard de Prie, der 1534 starb. Nach den Zeiten des Königs Franz I. werden keine Armbrustschützen im franz. Heere mehr erwähnt. In England war die A. als Kriegswaffe besonders im 13. Jahrh. beliebt, doch mußten im 14. die Armbrustschützen den Archers (s. d.) oder Bogenschützen weichen. In Deutschland geschieht der A. seit dem 12. Jahrh. Erwähnung, und die Armbruster bilden hier, wie anderwärts, eine besondere Abteilung des Fußvolks. Im 14. und 15. Jahrh. waren besonders die genues. und venet. Armbrustschützen berühmt, weshalb sie häufig in fremden Sold genommen wurden. Schon frühzeitig traten in den deutschen Städten Vereine zusammen zur gememschertlichen wöhßun im Gebrauch der A., welche die damals gewöhn hr Form der Gilden annahmen und auf den während des 15. und 16. bis ins 17. Jahrh. hinein abgehaltenen, oft glänzenden Schützenfesten Proben ihrer Fertigkeit ablegten. Als nach der allgemeinen Einführung der Handfeuerwaffen bei den europ. Armeen (um 1530) die Armbrustschützen überflüssig wurden, bildeten sich in den Städten auch Bürgervereine für Schießübungen mit der Büchse, die sog. Schützengesellschaften.