Hemdförmige Oberkleider kommen bereits bei den vornehmen Agyptern des Altertums vor, und zwar sowohl bei den Männern wie Frauen; bei den vorderasiat. Völkern, namentlich den Chaldäern und Assyrern, waren sie schon früh das eigentliche Nationalkleid. Auch die Perser, Hebräer, Kleinasiaten etc. trugen ähnliche Gewänder. Desgleichen erscheinen die Unterkleider der Griechen, Etrusker und Römer hemdartig. Im 11. Jahrh. war bei den Kulturvölkern des mittlern Europa das H. wie die Hose bei dem vornehmern Manne vom Anstand durchaus geboten; das niedere Volk trug nur einen kurzen Rock 200 H., mit oder ohne Beinbekleidung. Im 12. Jahrh. erscheint es als vornehmstes Unterkleid (Nider-wat oder Nider-Kleid, Hemede), gewöhnlich von Leinwand, nach Art der Tunika vorn geschlossen und kurzärmelig. Aus der sittenlosern Zeit des 13. Jahrh. wird erzählt, der Stoff sei so dünn gewesen, daß man die Weiße der Haut habe hindurchscheinen sehen. Indessen übernimmt es auch die Rolle des Rocks und es wird auch dieser durch den Ausdruck bezeichnet. Im 16. Jahrh. wächst das H. gegen den Hals herauf und umgibt ihn mit einem kleinen Kragen. Der obere Rand wurde durch einen breiten, in Gold, Silber und Seide gestickten Saum gebildet; Damen schenkten solche kostbare Arbeiten an Freunde und Verwandte. In den Luxusgesetzen jener Zeit wird der damit getriebene Aufwand wiederholt eingeschränkt. Später kommt vielfach der Spitzenbesatz in Aufnahme, der eine gleiche Entfaltung üppiger Mode gestattet.