Abweichung, f., 1. (Astron.) frz. déclinaison, f.engl. declination, die in Meridiangraden gemessene Entfernung eines Sternes vom Aequator. Bezeichnet in Fig. 51, E ᷣden Standpunkt des Beobachters, also die Erde, AA“ den in der Ebene des Erdäquators liegenden Himmelsäquator, PDP“ den durch die in der verlängerten Erdachse liegenden Himmelspole PP‘ gehenden Himmelsmeridian des Beobachters in E, so hat für Letzteren der in die Ebene dieses Himmels zäquators fallende Stern S eine durch den Winkel DES bestimmte Abweichung oder Deklination; s. übrigens Horizont. — 2.(Phys.) Abweichung der Magnetnadel, frz. déclinaison, f. Wdarternene Paiguille aimantée, engl. variation of the needle. Darunter versteht man den spitzen Winkel, welchen die Ebene des magnetischen Meridians mit der Ebene des astronomischen Meridians einschließt. Denkt man sich nämlich durch die Erdpole und den Drehpunkt der Magnetnadel eine Ebene, Fig. 52, NS, gelegt, so fällt der astronomische Meridian in dieselbe, während eine durch die Richtung der Nadel u. den Erdmittelpunkt gelegte Ebene die Ebene des magnetischen Meridians ist, Fig. 52 N'S“; der Winkel NCN bezeichnet dann die magnetische A. und es sind N, S die Erdpole, hingegen N“, S“ die magnetischen Pole. Diese fallen nur auf wenigen Punkten der Erdoberfläche mit den Erdpolen zusammen; die A. ist auf fast allen Orten der Erde verschieden, ja sogar an einem und demselben Ort der Erde ist sie stetiger Veränderung unterworfen, und es ist die Aufgabe des Physikers und Astronomen, für die verschiedenen Punkte der Erde die mittlere Lage der magnetischen Pole festzustellen, deren genaue Kenntnis besonders für die Schiffahrt von größter Bedeutung ist, aber auch beim Bauen dann nöthig wird, wenn ein Gebäude, z. B. eine Kirche, genau nach der Himmelsgegend angelegt werden soll; s. Orientirung. — 3. (Optik) Abweichung der Lichtstrahlen, auch Abirrung, frz. abérration, f., engl. aberration, die Erscheinung, daß die von einem Punkt ausgehenden gebrochenen oder reflektirten Lichtstrahlen sich nach der Brechung in Linsengläsern oder dem Zurückwerfen von sphärischen Spiegelflächen nicht wieder in einem Punkt vereinigen. Theilweise beruht diese Erscheinung in der verschiedenen Brechbarkeit der Lichtstrahlen, theilweise in der Kugelgestalt der sich brechenden oder reflektirenden Flächen. — 4. Abweichung der scheinbaren von der wahren Horizontallinie; s. Horizont.