FeedInsolation
HimmelskundeBrockhaus 1882

Insolation (lat.) heißt im allgemeinen die Bestrahlung eines Körpers durch die Sonne. Die J. oder Bestrahlung der Erde von der Sonne und andererseits die Ausstrahlung der Wärme der Erde gegen den kalten Weltraum sind die Faktoren, von welchen die Temperaturverhältnisse an der Erdoberfläche und indirekt überhaupt alle meteorolog. Proe abhängen. Die Kenntnis der J. eines Ortes ist daher ein wichtiges Element für das Studium seines Klimas. Die Größe der J. läßt sich mittels b.ohheiben messen, die jetzt allgemein Aktinometer J. d.) heißen, und die in verschiedener Weise zuerst (1838) von Herschel (er nannte sein Instrument Heliometer) und fast gleichzeitig von Pouillet (Pyrheliometer), dann in jüngerer Zeit von Crova, Waterston, Ericsson, Secchi, Violle, Stewart, Hirn, Langley (Bolometer) u. a. m. angeordnet worden sind. Mittels solcher Instrumente gewinnt man die Daten zur Berechnung der gesamten Strahlung der Sonne in einer bestimmten Zeit, ferner zur Ermittelung der Sonnenkonstante, d. i. der Anzahl von Wärmeeinheiten oder Calorien, welche 1 gem Fläche von den senkrecht auffallenden Sonnenstrahlen an der obern Grenze der Atmosphäre der Erde in einer Minute empfängt, und endlich des Betrags der Sonnenstrahlen, die von der Erdatmosphäre absorbiert werden. „Zur Messung der Stärke der J. dienen auch im Sonnenlicht befindliche Maximumthermometer mit schwarzer Kugel im luftleeren Glasballon (s. beistehende Fig. 1). Die Maximumtemperatur eines solchen Instruments abgezogen von der Angabe eines gewöhnlichen, möglichst gleichen Maximumthermometers mit blanker Kugel, welches unter sonst gleichen Umständen im Schatten liegt, gibt den größten Wert der J. für den Tag der Beobachtung. In neuerer Zeit hat man auch von Campbell erfundene und von Stokes verbesserte Sonnenschein-Autographen (Fig. 2) zur Ressung der Dauer der J. Der Apparat besteht m wesentlichen aus einer kugelförmigen Glaslinse nit schalenförmig gebogenem Brett, in welches hermöge kräftiger J. ein Loch gebrannt wird. Je senkrechter die Sonnenstrahlen den Erdboden treffen, desto kräftiger erfolgt die J. Dieselbe ist daher im Sommer und zur Mittagszeit am größten. Nach Violle beträgt die oben definierte Sonnenkonstante 2,5 Calorien, von welchen je nach den Verhältnissen des Sonnenstandes, des Dunstgehaltes u. dgl. m. 25—-50 Proz. in der Atmosphäre absorbiert werden. Die verschiedenen Strahlen des Sonnenspektrums werden nicht in gleichem Maße von der Atmosphäre absorbiert, sondern je höher der Sonnenstand, desto mehr werden von den nach dem violetten Ende hin liegenden Strahlen, verglichen mit den Farben gegen das Rot hin, absorbiert. Es findet also in Bezug auf die verschiedenen farbigen Strahlen eine auswählende oder eselektive Absorptionv statt. Wegen Dünnheit der Luft in den obern Regionen ist daselbst ihre Erwärmung durch Absorption gering, dagegen wird die direkte J. mächtig empfunden. In den untern Luftschichden wächst zwar die Absorption mit der Dichte der Luft, indessen erwärmen sich doch die untern Surah. ten vorzugsweise infolge der dunkeln Wärmestrahlen, welche der Erdboden reflektiert, nachdem er die Sonnenstrahlen absorbiert hat. Hierbei wirkt der Wasserdampf der Luft unterstützend mit, indem er die dunkeln Wärmestrahlen nicht durchläßt, s ondern dieselben teils absorbiert, teils reflektiert. Letzteres auch dann, wenn der Wassergehalt der Luft in Form von Nebel und Wolken vorhanden ist. ö

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 623Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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