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Handwerk & GewerbeBau-Lexikon 1881

Amphitheanter, nu., großes Schauhaus, welches ringsum Sitze für die Zuschauer, die Bühne also in der Mitte hat. Daher der Name hασεανανοονi Die Griechen kannten wahrscheinlich die A. nicht; die Etrusker hatten welche, theils in den Felsen gegraben, theils von Holz erbaut; die Römer bauten die ersten A. ebenfalls von Holz, und zwar mit Hülfe etruskischer Arbeiter; erst sehr spät wurden steinerne aufgeführt, deren eine große Anzahl in mehr oder weniger guterhaltenen Ruinen auf uns gekommen sind und uns eine ziemlich vollständige Idee von der Einrichtung dieser Gebäude geben; nur selten waren sie ganz kreisförmig, in der Regel elliptisch im Grundriß; s. Fig. 158 und 160. Die in der Mitte liegende Bühne &, Fig. 158, welche mit Sand bestreut war und daher Arena hieß, war bei vielen unterwölbt mit einem System von Schleusen und Behältnissen, die theils als Versenkungen, theils dazu dienten, die ganze Arena schnell unter Wasser setzen zu können, um Seegefechte, Naumachien, darauf auszuführen, und dann eben so schnell das Wasser ablassen zu lönnen; umgeben war die Arena zunächst von einem wassergefüllten Graben aa, euripus, und einer 12—15 Fuß hohen Futtermauer, pos dium genannt, in welcher sich die Eingänge b für die Kämpfer, die Einfahrten für Schiffe, Thüren zu den Käfigen oder Stallungen, carceres, caveae, ce, der bei den Thierkämpfen gebrauchten Thiere befanden; auf dem Podium d hinter einer Brüstung u. Eisengittern standen „oder saßen auf den subsellia oder einzelnen tragbaren Sesseln die Vornehmen, Beamten etc., bei 1, auf dem pulvinar, suggestus, unter einem Baldachin, papilio, der Kaiser oder Präfekt; hinter denselben nun, abermals getrennt durch eine reich verzierte niedrige Mauer, balteus, efrz. baudrier, zogen sich Stufenreihen, gradationes, gradus spéctatorum, in die Höhe, so daß also der innere Raum des Amphitheaters, das visorium, die cavea, sich nach oben erweiterte. Diese Stufenreihen zerfielen in Ab— 5theilungen e, f, 2, moeniana, getrennt durch Podeste mit größeren Stufen oder niederen Brüstungsmauern h, praécinctiones. Die unteren moèniana, e, waren für Grundriß des Amphitheaters des Flavius. die Priester, Ritter und Tribunen, die nächsten, k, für die reicheren Bürger, die oberen, popularia, g, für das gemeine Volk bestimmt, zu dem Alle gezählt wurden, die unter 400,000 Sesterzien im Vermögen hatten. Bei großen Arn war für letztere od. auch für Sklaven über ieine besondere Galerie zum Stehen hinter der letzten Stufenreihe aufgebaut; bei dem für 87,000 Zuschauer eingerichteten Colosseum, Fig. 159—161, sogar zwei hinter und über einander. An der Rückwand dieser Galerien waren dann (ob bei allen Aen, wissen wir nicht) Vorrichtungen, meist steinerne Oesen oder Krampen angebracht, um Mastbäume hineinzustecken, von denen aus starke Seile nach einem über dem Mittelpunkt der Arena schwebonrden Ring von Tauen liefen; zwischen diesen Seilen Waren Segeltücher, véelaria, ausgespannt, welche beliebig beiseite gezogen werden konnten; dieses Zeltdach war meist von braunem od. gelbem Wollenstoff, doch auch von Seide, ja Nero ließ sogar eins von Purpur mit goldenen Sternen ertigen. nere Stufen unterbrochen, scalae, scalaria, k, welche auf der Oberfläche der Cavea hinliefen und auf denen man also von der praecinctio aus abwärts auf die ugehrigen Sitzreihen gelangen konnte, welche aber auch zugleich die Sitzreihen in keilförmige Abschnitte, gunei, theilten, von denen einige für die Frauen, andere für die Mädchen, andere für die Ehemänneretc. bestimmt waren. Ueber die Beobachtung dieser Eintheilung wachten die gunearü, Iocarii, die an den Thüren, vomitoria, postirt waren, durch welche man auf die praecinctiones von den Treppen aus gelangte, die im Innern des Unterbaues nach den Korridoren, Umgängen, fornices, concamerationesee., hinabführten. So hatte jeder Rang, jedes moenianum, andere Treppen und andere Vorplätze im Parterre, und somit andere Eingänge von der Straße her, m, so daß gleich von der Straße aus das Publikum, je nach den Plätzen, zu denen es Billets gelöst, in verschiedene Thüren vertheilt wurde, was die Kontrolle bedeutend erleichterte. Bei dem Colosseum sowie bei mehreren größeren Ann führten nach dem Podium, also nach den Sitzen der Vornehmen, diejenigen Eingänge, die den vier Enden der beiden Achsen der Ellipse entsprachen, n; die anderen waren (gewöhnlich am Schlußstein) durch Buchstaben u. Nummern bezeichnet, damit das Publikum gleich wisse, wohin es durch jede einzelne gelange. Die Außenarchitektur der A. war natürlich in mehrere Stockwerke getheilt und zeigte eben so viele Arkadenreihen, deren Pfeiler mit Säulen od. Pilastern besetzt, oder auch blos miteinem Kämpfergesims versehen waren; hierin herrschte viele Willkür und große Mannigfaltigkeit; s. Fig. 159 und 161. Je nach den in denselben vorgesührten Schauspielen hieß das A. bei den Römern theatrum venatorium, naumachia c. Da während der grausamen Christenverfolgung die Anhänger der neuen Lehre vielfältig verurtheilt wurden, in den Ain im Kampf mit wilden Thieren zu sterben, so faßten die Christen tiefen Widerwillen gegen diese Kampfspiele, die A. standen lange leer u. verfielen endlich. Nur in Spanien hat sich in den Stiergefechten noch ein Rest jener Kampfspiele erhalten; die zu Abhaltung derselben dienenden A. sind selten elliptisch, meist kreisrund; die sandbestreute Arena umgiebt eine Planke von etwa 11/¾0 mn. Höhe mit nach außen schlagenden Thüren, welche, geöffnet, gerade hinreichen, um den hinter dieser Planke ringsum laufenden Umgang von eirea 1½% bis 1,½ un. t Breite zu sperren. Hinter diesem, etwa dem Euripus entsprechenden Umgang erhebt sich eine zweite Schranke von 1ca. 2 m. Höhe, welche man Podium nennen könnte, denn hinter ihr ziehen sich die Sperrsitze herum, unter denen die „Ställe für die Pferde, Stiere oder andere zum Kampf befstimmte Thiere, die Ankleidezimmer für die Kämpfer etc. liegen. Hinter den Sperrsitzen laufen nun Sitzreihen herum, welche immer höher aufsteigen; bei einigen zieht sich, ähnlich wie bei den antiken Arn die Galerie, eine Reihe von Logen, in Gestalt einer Arkade, blos hinter den letzten „dieser Stufenreihen herum, auf ihrem flachen Dach ebenfalls noch Zuschauer bergend; bei anderen, namentlich bei den von Holz gebauten Arn sind die Logen vorgerückt und bilden gewissermaßen ein Geschoß über den unteren Stufen. Wenn sich, wie bei einigen allerdings der Fall ist, die Logengeschosse mehrfach wiederholen, so gewinnt das Ganze mehr Ahnlichkeit mit dem Innern unserer modernen Theater. Diese Stiergefechts-Amphitheater führen in Spanien den Namen plaza de toros oder de corrida, und es giebt deren, die 30,000 Zuschauer fassen. Dem Eingang für den Stier gegenüber ist, ganz ähnlich wie beim lavius (Colosseum). Oberkante gepolstert ist und hinter der sogleich die stufenartig aufsteigenden Sitze anfangen, welche nur bei einigen bis an die Umfassungswände gehen, bei anderen hinter sich Logen, bei noch anderen solche über sich haben. Noch sind zu erwähnen die Schauplätze für die Hahnengefechte, Amphitheater mit einer sehr kleinen, von hoher ů Schranke eingefaßten Arena und diesem Umstand entsprechenden sehr steilen Stufenreihen. Die Benennung Amphitheater hat aber diese modernen Gebäude verlassen und wird jetzt für den vornehmsten Platz in dem Zuschauerraum der Theater gebraucht, und zwar hier und da für den (sonst Parket genannten) vorderen, dem Orchester zunächst liegenden Theil des Parterres, anderwärts für die hintere, der Bühne gerade gegenüberliegende Parterreloge, deren Brüstung dann gewöhnlich bedeutend in das Parterre hineingeschoben ist. AIs.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 1, S. 91Scan: Getty Research Institute (Internet Archive) · gemeinfrei

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