anlaufen, intr. 3. A. Einen Anlauf bilden, also: 1. frz. s·'enfler, engl. to risé, s. v. w. anschwellen, vom Wasser. — 2. frz. s'adosser, monter en talus, engl. to batter, to slope, von der lothrechten Stellung abweichen, 3. B. eine Mauer läuft auf 3 m. 15 cm. an, d. h. bei einer Höhe von 3 m. steht sie oben gegen unten um 15 em. zurück. — 3. frz. monter, einen geringen Winkel gegen die Horizontale machen. — 4. Ueberhäupt einen geringen Winkel machen, z. B. der Aufschiebling läuft gegen den Sparren an, s. übr. auslaufen. — 5. frz. escaper, engl. to scapèé, to shape, s. v. w. durch einen Anlauf etc. verbunden sein, z. B. die Socke läuft gegen die darüberstehende Mauer an, der Untersaum gegen den Säulenschaft re. — 6. Sich ansetzen, z. B. Kalk an die Kalkkrücke, Gareisen an die Brechstange etc. B. S. v. w. mit einer Farbenschicht, Rostschicht oder dergl. überhaucht werden, frz. se ternir, s'enrouiller, roussir. — 1. Bauholz, welches nicht dem gehörigen Luftzug ausgesetzt ist und etwas feucht war, wird bei Beginn der Stockung zuerst weiß, dann bläulich u. dann schwärzlich anlaufen; so lange es noch im Stadium des blauen Anlaufens ist, kann man es noch retten; darüber s. d. Art. Stockung. — 2. Oelfarbenanstriche laufen unter den Einflüssen mancher Dünste an; Näheres s. unter den die einzelnen Farben betr. Art. — 3. Ebenso laufen Wären aus polirtem Metall, Glasscheiben etc. sehr leicht an, d. h. sie werden blind u. bekommen irgend einen bunten, oft in allen Regenbogenfarben spielenden Schein, theils durch Temperaturwechsel, theils infolge der chemischen Einflüsse besonderer Dämpfe; Ursachen dieses Anlaufens sowie Mittel dagegen s. unter den die betr. Körper behandelnden Artikeln. Oft sind aber solche Farbenüberzüge erwünscht, und kann man sie auf elektrochemischem Weg auf Kupfer, Silber, Platin etc. hervorbringen, wenn man die Metalle mit dem positiven Pol eines galvanischen Apparates verbindet und in eine alkalische Lösung von Bleioxyd taucht, mit dem negativen Pol aber einen Platindraht verbindet dessen Spitze nur eben die Oberfläche der Flüssigkeit berührt und darauf herumbewegt wird. Dabei entstehen Regenbogenfarben, die man durch Weingeistfirniß vor dem Verblassen schützt. Wendet man statt der Bleivxydlösung eine Auflösung von Eisenoxydul in Ammoniak, als Metall polirtes Eisen an, so entsteht ein rother oder brauner Oxydüberzug, je dicker, desto dunkler. Wenn man einen Kupferstreifen in eine bis 600erwärmte Lösung von Platinchlorid taucht, so legt sich das Platin auf dem Kupfer ab; diese Schicht wird bald bräunlich; durch Waschen mit verdünnter Essigsäure und Abreiben mit Englischroth auf Baumwolle kann man diese braune, von Kupferchlorür herrührende Farbe entfernen. Wenn man das platinirte Kupfer in dem Moment, wo es aus der Platinlösung kommt, bei einer Batterie von einigen Elementen als positive Elektrode benutzt, so entstehen Färbungen, die in Blau und dunkles Karmesin übergehen u. bleibend sind, doch darf es dazu nicht vorher mit Essigsäure oder Englischroth behandelt sein. Benutzt man nun einen Kupferstreifen, der mit Bleisuperoxyd überzogen ist, als positive Elektrode zur Zersetzung von Wasser, so ist die Färbung nach einigen Augenblicken fixirt. Läßt man ½ bis ½ Stunde lang wirken, so gehen die violettblauen Färbungen in grüne und gelbe über. — 4. Uber das Anlaufen des Stahles, welches in der Technik eine größere Rolle als das der übrigen Metalle spielt, ist bes. Folgendes zu merken: Der bearbeitete, gehärtete, polirte und fettfreie Stahlgegenstand, welcher anlaufen soll, wird auf glühende Kohlen gelegt; ist er klein, auf einem dünnen Blech, dem Anlaßblech, erhitzt. Durch steigende Hitze giebt man ihm nun die verlangte Farbe, Anlaßfarbe, frz. Couleur f. du récuit, engl. tempering-colour, welche er dann behält, wenn man ihn auf einem kalten Amboß, in trockenem Sand oder auch in Wasser abkühlt. Mit der Farbe unzertrennlich verbunden sind verschiedene Härtegrade in folgender Reihe: Weiß zeigt den größten Härtegrad (Glashärte) an und ist die Farbe, die der Stahl vor dem An-⸗ lassen hat; Wären, die diesen Härtegrad behalten sollen, läßt man also gar nicht an. Strohfarbe tritt bei 220 C. ein und zeigt den Härtegrad für alle starken Schneiden an, für Werkzeuge zu Eisen- und Messingbearbeitung, für Rasirmesser und Bildhauereisen, Steinmeißel etc.; Goldfarbe (bei 245 C.) für Werkzeuge zu Bearbeitung des Holzes, Grabstichel, Bohrer, Schraubenschneidzeuge, Drahtzüge etc.; Purpur (bei 275—285 C.) für gewöhnliche Messer und Ackerwerkzeuge; Violet (bei 290 C) für feine Stahluhrfedern; Blau (320—330° C.) für große Uhrfedern, Degen und Säbelklingen, Sägen etc.; Grau (340% C.) für große stählerne Wagenfedern, für Korkzieher und Rapiere etc. Erhitzt man den Stahl noch mehr, so wird er wieder hellgrau, durchläuft die ganze Farbenskala nochmals, und wird fast so weich wie ausgeglühter Stahl. Sicherer als das Erhitzen über Kohlen ist die Erwärmung durch Metallbäder von der der gewünschten Härte entsprechenden Temperatur. Die betr. Metallbäder bestehen aus erwärmtem Quecksilber oder aus Legirungen (s. d.) von Blei und Zinn, oder Blei, Zinn, Wismuth re., und werden so gewählt, daß ihre Schmelzhitze gleich der gewünschten Temperatur ist; man legt die Stahlartikel auf die in einer eisernen Pfanne befindliche kalte Legirung u. erhitzt dieselbe bis zu Beginn des Schmelzens, worauf man den Stahl sofort wegnimmt und in Wasser abkühlt. Man macht wohl auch eine Eisenstange an einemEnde rothglühend und schiebt den anzulassenden Stahl vom kalten Ende aus so lange vorwärts, bis er die gewünschte Farbe zeigt. Das Anlaufen durch Abbrennen geschieht, indem man das Stahlstück auf der Oberfläche mit Oel oder Fett einreibt u. dann über eine Flamme hält; am Verhalten des Fettüberzugs kann man den erreichten Wärmegrad ersehen. Fängt das Fett (Talg) an zu rauchen, so entspricht der Temperaturgrad der strohgelben Farbe; ist der Rauch dichter, der goldgelben Anlaßfarbe; giebt es schwarzen Rauch: der Purpurfarbe; fängt das Fett an, Feuer zu fangen, wenn man ihm ein Licht nähert: der blauen Anlaßfarbe; geräth die ganze Fettmasse in Brand, so entspricht dies dem geringsten Grad der Rothglühhitze. W C. Bei der Schiffahrt s. v. w. anlanden auf kurze Zeit.