atmosphürische Eisenbahn, k., frz. chemin de fer atmosphérique, engl. atmospheric (al) rail-way, eine Eisenbahn, bei welcher als Bewegungskraft der Druck der atmosphärischen Luft in Anwendung kommt, was eine von der gewöhnlichen etwas abweichende Konstruktion des Oberbaues erfordert. Man erzeugt in einer gußeisernen Röhre, welche zwischen den Eisenbahnschienen liegt, und in welcher sich ein Kolben luftdicht, aber leicht verschiebbar bewegt, einen luftverdünnten Raum, 93910 auf den am offenen Ende des Rohres befindlichen Kolben die äußere Luft durch den Überdruck wirkt und den Kolben in den luftverdünnten Raum hineindrängt. Mit dem Kolben steht ein Wagen in Verbindung, welcher in diesem Fall als Lokomotive angesehen werden kann. Das Auspumpen der Luft vor dem Kolben erfolgt durch eine mittels Dampfes getriebene Luftpumpe; die Einrichtung könnte auch so getroffen werden, daß mittels dieser Luftpumpe die Luft hinter dem Kolben verdichtet würde; doch hat man, wegen des leichteren luftdichten Verschlusses des Rohres, nur das erstere Prinzip in Anwendung gebracht (Prinzip von Clegg und Samuda, während Piatti das letztere vorschlug). Mit der Kolbenstange ist der zugführende Wagen durch eine starke Eisenplatte in Verbindung gebracht, welche durch einen Schlitz, der die ganze Länge des Rohres durchläuft, aus demselben heraustritt. Um nun im Rohr eine Differenz des Luftdruckes hervorzurufen, ist es nöthig, den erwähnten Schlitz vor dem Kolben luftdicht verschlossen zu halten, jedoch so, daß dieser Verschluß dem vorwärts eilenden Verbindungsstück den Weg frei macht, also sich bei seiner Annäherung öffnet, hinter ihm aber sich sofort wieder schließt. Diese dem Fortschreiten des Wagens entsprechende successive Offnung sowie den nachfolgenden Schluß bewirken besondere, ziemlich komplizirte Vorrichtungen. Hauptvortheil der a. E. ist, daß man die Lokomotiven erspart, deren großes Gewicht viel nutzbare Kraft verzehrt, so daß man, im Gegensatz zu den mit Dampfwagen befahrenen Bahnen, bei der a. E. die Nutzlast bedeutend vergrößern kann. Aber ihre Anlage ist sehr theuer, der Betrieb häufigen Stockungen durch nöthig werdende Reparaturen etc. ausgesetzt. Auch erspart man die Dampfmaschinen keineswegs, nur daß dieselben nicht lokomobil, sondern stationär sind. Die Pumpmaschinen müssen sogar sehr zahlreich vorhanden sein, denn dieselben dürfen nur in Abständen von 3—5 engl. Meilen aufgestellt werden. Die Anwendung der a. E. könnte sich daher nur für Strecken von geringer Länge, aber starker Steigung empfehlen.