FeedAerostatik
NaturlehreBrockhaus 1882

Aerostatik Crchr die Lehre vom Gleichgewicht der luftartigen Stoffe oder Gase. Der Hauptrepräsentant der Luftarten ist die atmosphärische Luft, und man spricht daher in der A. gewöhnlich nur von dieser. Die Luft steht ebenso wie die festen und flüssigen Körper unter dem Einflusse der Schwere und übt infolge davon einen Druck auf die Erdoberfläche aus. Diesem Einflusse der Schwere entgegen wirkt das der Luft wie allen Gasen eigene Bestreben, sich so weit als möglich auszudehnen, ihre Expansibilität. Diese Eigenschaft ist der Grund der mit der Höhe immer geringer werdenden Dichte der atmosphärischen Luft, denn in größerer Höhe wird der Expansivkraft nur durch den verhältnismäßig geringen Druck der noch übrigen darauf lastenden Luftschichten das Gleichgewicht gehalten. Eine Folge der leichten Verschiebbarkeit der Luftteilchen ist die, 2* jeder auf eine Luftmasse ausgeübte Druck sich gleichförmig nach Jallen Richtungen Licharotee o werden z. B. in einem Zimmer gleichgroße Stücke des Fußbodens, der Wände und der Decke, abgesehen von dem etwa vorhandenen geringen Höhenunterschiede, ebenliegendes, gleichgroßes Stück der Erdoberfläche. Dies geschieht auch, wenn das Zimmer verschlossen ist, denn die noch übrigbleibenden Ritze, Spalten und Poren genügen, um den Atmosphärendruck nach innen zu vermitteln. Die Größe des Luftdrucks auf die Erdoberfläche und die fortwährenden lokalen Veränderungen desselben lassen sich mit Hülfe des Barometers (s. d.) bestimmen. Man kann im Durchschnitt annehmen, daß die Luft auf irgendein Stück der Erdoberfläche ebenso stark drückt wie eine 760 mm hohe Quecksilbersäule, oder wie eine 10, m hohe Wassersäule drücken würde. Dies gibt im Mittel einen Druck von 1 kg auf den Quadratcentimeter, und diesen letztern Druck braucht man gewöhnlich beim Messen des Drucks von Gasen und Dämpfen unter dem Namen »Atmo95 ärendrucko als Maßeinheit. Die zu diesen Messungen dienenden Apparate nennt man Manometer (s. d.). Man hat durch Versuche gefunden daß das Volumen einer gegebenen Luftmenge sich stets umgekehrt verhält, wie der Druck, dem sie ausgesetzt ist. Unter einem Druck von 2, 3. 10 Utmosphären nimmt die gleiche Luftmenge einen amal, 3mal .. . 10mal kleinern Raum ein als unter dem Druck von 1 Atmosphäre, und wenn der auf der abgeschlossenen Gasmenge lastende Druck auf ½½ ½ 0 Atmosphärendruck vermindert wird, so dehnt sie sich auf das 2fache, Zfache ... 10906 Volumen aus. ieses wichtige Gesetz ist unter dem Namen des Mariotteschen (1676) oder auch unter dem des Boyleschen (1660) bekannt. Es wird mittels des Mariotteschen Apparats (.. 1) nachgewiesen. Das Wesentliche desselben ist eine lange, oben offene, unten umgebogene Glasröhre B, deren kurzer Schenkel bei & geschlossen ist. Man gießt zuerst beim längern Schenkel nur so viel Quecksilber ein, daß das Quecksilber in beiden Schenkeln gleich hoch steht (f. Fig. 2); das im kürzern Schenkel A abgesperrte Tutuolunten steht nun unter dem Drucke einer, d. i. der äußern Atmosphäre. Um das abesperrte Luftvolumen auf ½ (s. Fig. 3) oder auf ½, 4. .. (s. Fig. 1) jenes Volumens zus ammenzudrücken, welches es bei dem Drucke einer Atmosphäre hatte, muß man oben so viel Quecksilber eingießen, daß es im längern Schenkel beziehungsweise um die Höhe von 1 oder 2, 3. . Barometerständen über dem Spieel NN (Fig. 3) der kürzern Quecksilbersäule steht. ddiert man nun zu diesen Barometerständen den Barometerstand des Luftdrucks, so ergibt sich das obige 3. Rohr Gesetz. Taucht man ein beiderseiti offenes Rohr in eine Flüssigkeit und entfernt dur Saugen die Luft Dem Teil aus demselben, so steigt die Flüssigkeit in dem Rohre, infolge des nun überwiegenden äußern Luftdrucks, empor. Hieraus erklärt sich die Wirkungsweise des Hebers (s. d.), sowie der auch zur Hebung von (S. Pump dienenden Saug⸗ und Druckpumpen. (S. Pump e.) Diesen ganz ähnliche Vorrichtungen braucht man, um in geschlossenen Räumen eine Luftverdünnung oder Verdi m. Dilakaftons-n und nennt die Vorrichtungen dann Dilatations⸗ oder Kompressionspumpen, gemeinhin Luftpumpen (s. d.). Andere Apparate, deren Wirkungsweise ebenfalls auf den Prinzipien der A. beruht, sind die Ärostatische Presse, die Atmosphärische Srgnshar die Feuerspritze, der Heronsball, der Heronsbrunnen, die Taucherglocke und die Windbüchse. (S. diese einzelnen Artikel, sowie den Art. Atmosphäre.) Aärostatische Presse oder Luftpresse wird eine von Romershausen angegebene Vorrichtung Laborabö welche hier und da in pharmaceutischen aboratorien zum Extrahieren benutzt wird. In dem mittlern Teile eines metallenen, oben offenen Cylinders befindet sich ein doppelter Siebboden, zwischen welchem die zu extrahierende Substanz im gepulverten oder sonst zerkleinerten Zustande fest zufammengedrückt wird. In den über dem Siebboden befindlichen Teil des Cylinders gießt man Wasser, Weingeist oder sonst eine geeignete lüssigkeit und pumpt dann den unter dem Siebboden befindlichen Teil des Cylinders durch eine damit in Verbindung stehende Luftpumpe möglichst luftleer. Infolge dieser Luftverdünnung unterhalb wird die oberhalb befindliche Flüssigkeit vom Luftdruck durch die Siebboden und die dazwischen einepreßte Substanz chnell bewükt und auf diese eise die Extraktion schnell bewirkt. Arostiers, d. i. Luftschiffer. Unter Wre. Namen wurden 1794 in attehen bei der Sambre- und Maas-Armee zu militärischen Rekognoszierunen mittels Luftballons zwei Compagnien organisert, deren Kommando als Oberst der Chemiker Coutelle erhielt. Jede republikanische Armee sollte zwei Compagnien solcher Luftschiffer haben, und es wurde zugleich auch ein Direktor der Aêrostaten oder Luftschiffe ernannt. Bei Maubeuge, vor Charleroi und endlich neun Stunden lang in der Schlacht von Fleurus (26. Juni 1794) fanden Luftballons ihre militärische Anwendung. Die Ballons waren durch Seile am Boden oder an Fahrzeugen befestigt und in der Regel mit zwei Offizieren besetzt, deren Mitteilungen entweder durch Flaggensignale oder schriftlich auf Kartenpapier, mit Blei beschwert, an einer herabhängenden Schnur geschahen. Die für die Beobachtung günstigste Höhe fand man bei 250 — 270 m; man war jedoch bis 800 m gestiegen. Die Einrichtung erwies sich indes nicht praktisch, und ihre fernere Anwendung unterblieb. Spätere Versuche in Algier 1830 und in den ital. Kriegen haben zu keinem bessern Resultat geführt. Die Osterreicher wandten 1849 vor Venedig Luftballons mit 60 Pfd. schweren Bomben (Aérobomben) an, deren Perkussionstraft und Zündstoff in der Stadt Schaden, wenigstens moralischen Eindruck bewirken t. Auch diese Bomben haben Eons Zweck verfehlt. über die Anwendung des Ballons im amerik. Bürgerkrieg sowie im Deutsch-Französischen Krieg von 1870 — 71, namentlich während der Belagerung von Paris, s. Luftschiffahrt. Aötius, der letzte Held und Hort des zusammenbrechenden weström. Reichs, geb. 395 oder 396 n. Chr. zu Durostorum (zetzt Silistria) in Niedermösien, Sohn des Reitergenerals Gaudentius, kam frühzeitig in die kaiserl. Garde, mußte aber seit 409 einige Jahre erst bei dem Gotenkönig Alarich,‚ dann bei den Hunnen als Geisel zubringen. Nach seiner Rückkehr stieg er rasch von Stufe zu Stufe. Nach dem Tode des Kaisers Honorius (423) nahm er für den Usurpator Johannes berr und warb 424 für denselben ein hunn. Hilfsheer, verglich sich jedoch 425 mit Placidia, der Mutter und Vormünderin des legitimen Thronfolgers Valentinian III., und wurde zum Oberfeldherrn des Reichs erhoben. A. entwickelte in dieser Stellung eine große und erfolgreiche Thätigkeit. Er wehrte 426 und 430 Angriffe der Westgoten auf Arelate glänzend ab, bekämpfte 428 und 431 die Franken am Niederrhein und schützte 430 und 431 die Alpenprovinzen gegen die Juthungen. Um seinen Einfluß zu wahren, hatte A. seinen Rivalen Bonifacius, den verdienten Statthalter von Afrika, 427 als Empörer bei Placidia verdächtigt, während er ihn zugleich durch falsche Vorspiegelungen zur Empörung aufstachelte. Bonifacius wurde endlich dahin getrieben, die Vandalen aus Spanien nach Afrika zur Hilfe zu rufen (429), sah aber bald seinen Irrtum ein und bekämpfte dieselben nun zwar tapfer, aber ohne Erfolg. Er versöhnte sich mit der Kaiserin und wurde, während A. sich 432 in Gallien schlug, an dessen Stelle zum Oberfeldherrn ernannt. Die Folge davon war ein Krieg zwischen beiden Heerführern, der mit dem Tode des Bonifacius und 433 mit dem vollständigen Siege des A. endete. A. trat 434, nachdem er seine Ernennung zum Patricius und Konsul erzwungen hatte, wieder in seine frühere Stellung ein und leitete seitdem mit starker Hand fast 20 Jahre hindurch die Angelegenheiten des Reichs. Ebenso tüchtig als Diplomat wie als Feldherr, wußte er die deutschen Völker in Gallien nicht bloß im Zaume zu halten, sondern sie auch im Interesse Roms zu benutzen. So besiegte er die Burgunder in zwei Feldzügen (435 und 436) und die Kelten in Armorica (436), warf 435 — 437 den (Bauern-⸗) Bagauden-Aufstand in Gallien nieder, brachte 439 die Westgoten zur Ruhe und Nit 445 den Frankenkönig Clodio an der Somme. Mit den Hunnen hatte A. den Frieden aufrecht erhalten. Als aber deren König Attila endlich einen Sturm gegen den Westen vorbereitete, wußte er zur rechten Zeit einen großen Bund mit den Westgoten, Alanen, Franken und andern Völkerschaften herzustellen, mit deren Hülfe er 451 auf den Catalaunischen Feldern den welthistor. Sieg über Attila errang. Attila erneuerte indes 452, von Pannonien aus einfallend, den Krieg, verheerte ganz Oberitalien, und A., jetzt ohne Bundesgenossen, suchte wenigstens die ital. Halbinsel zu halten, bis er die Hilfe der Byzantiner erhalten konnte. Sein Plan war bereits dem Gelingen nahe, als der röm. Hof eine Gesandtschaft, den Papst Leo I. an der Spitze, ins hunn. Lager bei Mantua sandte, um den Frieden zu erflehen. Der Kaiser aber ließ nach Attilas jähem Tode 453 den A., dessen Macht seine Eifersucht erregt hatte, 454 während einer Unterredung im kaiserl. Palast ermorden.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 168Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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