Bagger, m., Baggert, m., Backert, m., Baggermaschine, f., Ausräumungsmaschine, f., Vertiefungsmaschine, f., frz. machine f. à curer, m. à creuser, curemôle, m., engl. ballast-heaver, dredger, dredging-engine (Wasserb.), Vorrichtung zu Herstellung größerer Wassertiefen, zu Reinigung des Bettes etc. in Bassins, Häfenflüssen, Kanälen, Schleusen etc. 1. Handbagger, m., Baggerschaufel, f., franz. drague, f. engl. drag; breite, aus Holz oder Eisen gefertigte, mit Rück- und Seitenwänden versehene Schaufel, die von dem am Ufer, auf einem Gerüst oder Kahn stehenden Arbeiter mittels eines langen hölzernenStieles gehandhabt wird. Der Handb. ist mit Erfolg nur da anzuwenden, wo es sich um Aushebung lockeren, leichten Materiales, z. B. Sand und Schlamm, aus nicht allzu großen Tiefen handelt, u. wo die aus dem Wasser zu erhebenden Massen nicht bedeutend sind; denn ein fleißiger und geschickter Arbeiter vermag in 12stündiger Arbeitszeit nicht mehr als ca. 3Kbm. locker gelagerten Sand aus einer Tiefe von ca. 2 bis 3 m. zu fördern, daher man bei Herstellung von größeren Tiefen in Häfen u. im Fahrwasser der Flüsse von der Verwendung der Handb. heutzutage ganz absieht, weil entweder die zu gewinnende Bodenmasse zu fest gelagert ist, als daß man ihr mit der gewöhnlichen Baggerschaufel beizukommen vermöchte, od. weil die Erfolge mit den Kosten in keinem Verhältnis stehen, während auf Flüssen häufig durch Handbaggerung aus mäßigen Tiefen Sand gewonnen wird als ein vorzügliches Material zur Mörtelbereitung ;s.auch Art. Baggerbiegel, Baggerhaken und Baggernetz. — 2. Maschinenbagger, Baggermaschine, f., frz. Jrague mécanique, dragueur, m., engl. dredgingengine; dem Wesen nach ein Paternoster-od. Schöpfwerk (s. d.), mit welchem man die Sohle des Flusses, Kanals, Hafens etc. angreift, das Material derselben über Wasser hebt u. in ein bereit stehendes Schiffsgefäß ausschüttet, in welchem man es dann nach beliebiger Verwendungsstelle transportirt. Dieses Schöpfwerk wird durch Menschen, Thiere (Pferde), meist aber durch Dampfkraft in Betrieb gesetzt (dann heißt es Dampfbagger, m., franz. curemole à vapeur) und ist auf einem eigens dazu konstruirten Schiff, dem Baggerboot (s. d.), angebracht. Nach der Gestaltung der eigentlichen Baggermaschine unterscheidet man a. Ketteubagger, frz. Gragueur m.àchaine. Das Schöpf werk besteht aus einer Kette ohne Ende, deren Glieder eine Länge von ca. 50—60 em. haben u. an welchen die Baggereimer (. d.) befestigt sind. Die Baggerkette läuft überzwei zwischen Scheiben gespannte Prismen, die sogen. Turraßscheiben oder Baggertrommeln, franz. tambours, engl. dreédgingtumblers, deren eine oben an der Maschinen-od. Betriebswelle sitzt, die andere aber, à in Fig. 335, unter Wasser dicht über dem Grund sich befindet. Die obere Turraßscheibe, frz. tambour du haut, engl. top-tumbler, enthält ein Prisma von quadratischem Querschnitt, die untere, frz. tambour du bas, engl. bottom-tumbler, ein dergl. von fünf gleichen Seiten, u. ist es nur durch solche Anordnung möglich, daß die Baggerkette nicht ruckweise, sondern in gleichmäßigem Gang von der Maschine vorwärts bewegt wird. Der aufsteigende Theil der Kette, d. i. der Theil, welcher die gefüllten Körbe befördert, ruht auf eisernen Wellen. Diese sowohl wie die genannten Turraßscheiben sind an der Baggerleiter od. dem Baggerschlitten b in Fig. 335 angebracht; eist der aufsteigende, dder niedergehendeTheil der Baggerkette, e ist das zu bearbeitende Wasserbett, kdie Hebevorrichtung, mittels welcher man das untere Ende der Baggerleiter beliebig heben und senken kann. Die gefüllten Eimer entleeren sich in eine hölzerne, am Baggerschiff angebrachte Rinne, die sogen. Schlammklappe, von wo das Baggermaterial in ein besonderes Fahrzeug, den Kies- oder Schlammprahm, geleitet wird. Die Inbetriebsetzung der Baggermaschinen geschieht vorwiegend durch Dampfkraft, da menschliche wie thierische Kräfte meistzu theuer sind. Die zur Verwendung kommenden Dampfmaschinen sind meist Hochdruckmaschinen mit stehendem Cylinder, deren Kolbenstange mittels Kurbel die Getriebewelle in Umdrehung versetzt. Das Getriebe greift in ein großes Kammrad, an dessen Welle die obere Turraßscheibe aufgesteckt ist, u. bringt auf diese Weise die ganze Baggervorrichtung in Gang. Ein auf der Getriebewelle angebrachtes Schwungrad bewirkt möglichst gleichförmigen Gang der Maschine, eine amGetriebe angebrachte Friktionsvorrichtung verhütet, daß — im Fall des Auftreffens der Baggerrinne auf ein im Grunde liegendes, nicht zu bewältigendes Hindernis — die Baggerkette zerod. sonstein Bruch an den laufenden Maschinentheilen herbeigeführt wird. Man hat einfache und doppelte Baggermaschinen. Bei ersteren geht die Baggerleiter mit dem Eimersystem durch einen in der Mitte des Fahrzeugs befindlichen Schlot in das Wasser hinab, bei der zweiten Art liegt auf jeder Seite des Fahrzeugs eine Baggervorrichtung. Die erstere Art wendet man besein Häfen an, wo bis zu größeren Tiefen gebaggert wird, Bagger der letzten Art vorherrschend auf seichten Flüssen, da sie die Möglichkeit bieten, sehr seicht u. flach liegende Häger seitlich anzugreifen, was bei der ersteren Art selbstverständlich nicht möglich ist. Auch hat das doppelte Baggersystem den Vorzug, daß bei vorkommenden Brüchen u. sonstigen Beschädigungen des einen Systems die Arbeiten nicht eingestellt zu werden brauchen, da man meist ziemlich schnell das andere in Betrieb zu setzen vermag. Soll ein Bagger seine Thätigkeit beginnen, so ist zunächst nöthig, das Feld der letzteren genau zu bezeichnen, und geschieht dies durch sogen. Mäler (besser Male), biegsame und etwa 6 em. dicke Stäbe, welche mit Hülfe des sogenannten Maleisens in den Grund eingeschlagen werden, so aber, daß sie noch ungefähr 1m. über Wasser herausragen u. deutlich gesehen werden können. Das Baggerschiff wird nun nach dem abgesteckten Feld gebracht, auf Flüssen immer an den unteren Theil desselben, so daß der Bagger stromaufwärts zu arbeiten hat. Es wird meist nur nach vorwärts verankert, nächstdem aber noch durch sog. Schricken od. Bundstaken, welche mit ihrer unteren eisernenSpitze — Schrick-od.Stakeneisen — in die Flußsohle eingebohrt, mit ihrem oberen Theil — der sog. Hamme — aber an den Schiffspollern befestigt sind, seitlich abgestellt. Arbeitet der Bagger über großen Tiefen, so tritt an Stelle der Bundstaken od. Schriken eine seitliche Verankerung; Rückverankerung nur bei stark anstehendem Sturm. Auf diese Weise wird das Baggerschiff genau in der Lage erhalten, die zu exakter Ausführung der Baggerarbeiten nöthig ist, und hat die Schiffsmannschaft bei dem langsamen Vorwärtsschreiten desselben immer darauf zu achten, daß die seitliche Abstellung od. Verankerung entsprechend regulirt wird. Die Vorwärtsbewegung des Schiffs wird in der Regel durch die Maschine bewirkt, welche mittels eines Getriebes die Ankerwinde in Bewegung setzt. Zu Bedienung eines Dampfbaggers mittlerer Größe, d. h. mit Maschine von 10—12 Pferdekraft, gehören 1 Bootsmeister, 1 Maschinist u. 3 Bootsleute. Das Arbeitsquantum eines solchen mittelgroßen Baggers kann durchschnittlich täglich, bei 12stündiger Betriebszeit, zu 250 Kbm. Kiesmaterial angenommen werden. Ist das letztere locker gelagert und treten in der Abfuhr des gebaggerten Materiales keine Stockungen ein, so kann die Leistung bis auf 500 Kbm. gesteigert werden. Die zur Abfuhr dienenden Kiesprahmen, Schlammprahmen, engl. ballast-lighters, Modderprahmen, niedrige, flachbodige Fahrzeuge, werden in der Regel v.3—4 Mann bedient u. können 10—15 Kbm. desselben Materiales fassen. Das letztere wird entweder am Ufer mit regelrechter Böschung abgelagert, oder zu Damm- oder anderen Wasserbauten verwendet, bes wenn es aus schwerem, festlagerndem Kies besteht. Bei Hafeneinfahrten pflegt man es häufig nach einer tieferen Stelle der offenen See zu fahren, wo es unmittelbar wieder dem Wasser übergeben wird. — Die Zeit, wo man die Baggerung für ein radikales Mittel zu Herstellung u. Erhaltung fahrbarer Tiefen in freien Flußbetten hielt, ist längst vorüber u. man wendet sie jetzt lediglich als sekundäres Hülfsmittel bes. da an, wo es sich um rasche Beseitigung einer untiefen Stelle handelt od. wo die durch die Natur des Stromes gebotenen Kräfte nicht ausreichen, um die gewünschte Tiefe zu schaffen. In Verbindung mit geeigneten Korrektionsbauten ist die Baggerung ein sehr wirksames Mittel zu Verbesserung der Fahrwasserverhältnisse eines Stromes. — b) Pumpbagger. Bei diesen zuerst in Frankreich u. England zur Anwendung gekommenen Schlammbaggern besteht d. Schöpfwerk saus einem bügelförmigen Saugerohr, welches, über dem Hintertheil des Schiffes durch Krahnvorrichtung bis auf den Boden hinabgelassen, den Schlamm durch zahlreiche Löcher aufsaugt, wenn zwei zugehörige Pumpen in Bewegung gesetzt werden. Die geschehene Beseitigung des Schlammes an einer Stelle kündigt sich dadurch an, daß die Pumpen reines Wasser geben, worauf das Schiff weiter verlegt wird. Diese Art von Bagger ist bis jetzt bes. zu Reinigung von Häfen angewendet worden und ist man mit ihnen im Stande, bis zu 7 m. Wassertiefe zu arbeiten. — c) Radbagger, d. i als Schöpfrad (s. d.), an dessen Peripherie unmittelbar die Schöpfeimer oder Schöpfkörbe befestigt sind. — d) Belidors Bagger besteht aus 2 Laufrädern u. 2 eisernen, durch jene Räder getriebenen Schaufeln, an der Rückwand mit einer sich von selbst öffnenden Klappe versehen, die den Schlamm ausheben und in ein nebenliegendes Boot werfen. — e) Balancierbagger; die Schaufeln werden durch eine Schraubenspindel mit Balancier in Bewegung gesetzt. Letztere Arten kommen nur selten in Anwendung. Sch½h½e.] — f) Centrifugalbaggermaschinen, seit mehreren Jahren in England u. Hollandzur Anwendung gekommen, hat z. B. die Firma Gwynne & Co. in London, nach dem Prinzip der Centrifugalpumpen (s.d.) konstruirt, nachdem man bemerkt hatte, daß solche Pumpen gelegentlich große Massen von Sand u. Schlamm mit beförderten. Sπεο.