FeedBagger
TechnikBrockhaus 1882

Bagger (ein aus dem Niederländischen ins Deutsche übergegangenes Wort) oder Baggert, auch Backert, ist eine Vorrichtung zum zweckmäßigen Lösen und Heben von unter Wasser liegendem „Erdreiche. Durch das Baggern vertieft man Flüsse, Kanäle und Häfen, entfernt man Ablagerungen im Fahrwasser der Schiffe, beseitigt Untiefen, hebt Brunnen aus u. s. w. Man unterscheidet Dagger ir und Maschinenbagger. Der Handagger ist eine breite, aus Holz oder Eisen gefertigte, mit Rück⸗ und Seitenwänden versehene chaufel, die von dem am Ufer auf einem Gerüste oder einem Kahne stehenden Arbeiter mittels eines langen hölzernen Stiels gehandhabt wird (s. Fig. 1). Die Handbaggerung wird erfolgreich nur bei lockerm und leichtem Material, wie z. B. Sand und Schlamm, bei nicht allzu großen Tiefen und kleinen zu hebenden Massen, zur Anwendung gebracht. Bei größern Arbeiten kommen fast ausschließlich 15 Dan eigentkin er in Betracht. Diese bestehen aus dem eigentlichen Schöpfwerke, mit welchem man die Sohle des Flusses, Kanals, Hafens u. s. w. angreift, das Material derselben über Fig. 1. Fig. 2. Wasser hebt und in ein zu diesem Zwecke bereitstehendes Schiff oder in einen am Ufer befindlichen Wagen ausschüttet, in welchem man es sodann nach irgendeiner beliebigen Verwendungsstelle transportiert. Die Maschine selbst wird durch Menschen oder Tiere, in neuerer Zeit meist durch Dampf in Betrieb gesetzt und heißt im 10 der Daag Dampfbagger. ach der Gestaltung der Baggermaschinen unterscheidet man hauptsächlich: 1) Stielbagger. Hier besteht das eigentliche Instrument entweder aus einem eisernen Rechen (Baggerrechen, Kratzer) für festen Boden, oder für leichtere Bodengattungen aus einem eisernen Gpange Löffel (Löffelbagger) oder einem Sack (Sackbagger), welcher mit einem langen Stiele verbunden ist, der bei der Arbeit entsprechend erfaßt und bewegt wird. Hierher gehört 2) Radbagger. Sie bestehen aus einem Rade, an dessen Peripherie unmittelbar die Schöpfeimer oder Schöpfkörbe befestigt sind. 3) Paternosterwer ke (s. d.). Wird ein solches von einem Schiffe getragen, so geht die Baggerleiter mit dem Eimersystem entweder durch einen in der Mitte des Fahrzeugs befindlichen Schlot in das Wasser hinab (einfache Baggermaschinen) oder es liegt auf jeder Seite des Fahrzeugs eine derartige Baggervorrichtung (doppelte Baggermaschinen). Die erstere Art wendet man besonders in Häfen an, wo bis zu größern Tiefen ern Wer wird, während Baggermaschinen der letztern Art vorherrschend auf seichten Flüssen Verwendung finden, da sie die Möglichkeit bieten, flache Hänge seitlich anzugreifen. An der Sulinamündung wurde mit einem großen Paternosterbagger in günstigem Erdreich eine tägliche Leistung von 1500 ebm Erdaushebung erzielt. Der in . 3 dargestellte Ambulante Bagger fand seine Verwendung bei den Hafenbauten von Calais. In großartigem Maße kamen Baggerarbeiten bei der Erbauung des Suezkanals und der wiener Donauregulierung in Verwendung. Man wendete hierbei auch baggerartige Vorrichtungen zu Aushebungen im Trocknen, 4Excavateure, Trockenbagger, an. Die Baggermaschine saß in diesem Falle seitwärts an einer Lokomotive und entleerte das Material in auf einem Parallelgleise allmählich vorrückende Waggons, in denen dasselbe weiter befördert ward. Hi . nach dem Eimersystem, bei denen die Leiter vertikal steht, und welche zum Ausheben tiefer Brunnen für Wasserversorgungs⸗ oder Fundierungszwecke benutzt werden, pflegt man Vertikalbagger zu nennen. 4) Saugbagger. Sie bestehen aus einer Röhre, die in den Boden gesteckt und durch eine Centrifugal⸗- oder Saugpumpe luftleer gemacht wird. Der äußere Druck preßt das lockere Material in die Röhre und hebt es dadurch empor. Hierher gehört die Sandpumpe von Gill, welche beim Versenken von Brunnen und zur Fundierung von Brückenpfeilern mit Erfolg benutzt wurde. Das in Fig. 4 dargestellte Doumvpe au liegt der Roonf en San Bonterd zu Grunde. Es wird durch den einen Schenkel des gebogenen Rohrs Wasser unter Druck geleitet; dieses steigt in dem andern Schenkel empor und reißt den Sand von der Brunnensohle durch eine entsprechende Offnung mit sich. Der große Pumpenbagger für den bremer Hafen besitzt ein Saugrohr von 46 em Durchmesser, durch welches stündlich 450 cbm Schlick, der daselbst ein treffliches Düngmittel für die umliegenden Felder abgibt, gefördert werden. Die Kosten für die Förderung betragen hierbei nur 0,3s Mark für den Kubikmeter. Eine interessante Maschine dieser Art ist der Pneumatische Bagger von Reeves, wobei die Saugröhre mit einem außerhalb der Baugrube auf einem nahen Ufer oder einem Schiffe stehenden Behälter in Verbindung gebracht ist. Indem man in letzterm eine Luftverdünnung erzeugt, wird ein Ahfike r des Materials im 7* und eine allmähliche Füllung des Behälters bewirkt. Ist diese Her en so wird das Rohr geschlossen, in den Behälter Luft eingelassen und das Material aus demselben entfernt. Um einen ununterbrochenen Arbeitsfortgang zu erzielen, sind vier solcher Behälter nebeneinander angeordnet. Dieser Apparat, bei welchem das Material mit keinem Ventil in Berührung kommt, wurde beim Bau der Taybrücke mit Erfolg verwendet. Die älteste Nachricht über Baggermaschinen stammt aus dem Jahre 1591, wo Verantius ein Werk über diesen Gegenstand veröffentlichte. Einen Vorläufer der Paternosterbagger, als holländischen Hafenräumer die Modder Mole genannt, beschreibt 1724 Leupold im Theatrum Machinarum Hydrotechnicarumo; die erste Dampfbaggermaschine wurde 1796 bei der Firma Boulton u. Watt von einem Ingenieur Grimshaw ausgeführt. In Deutschland scheint der erste Dampfeimerbagger —1 für den elbinger Hafen ausgeführt worden zu sein.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 365Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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