FeedBergbohrer
TechnikBau-Lexikon 1881

Bergbohrer, m., Sprengbohrer, 1. frz. fer de mine, tarière, f., engl. borer, drill (Bergb.), zum Bohren von Sprenglöchern in hartes Gestein. Man unterscheidet: a) Anfangsbohrer, frz. pistolét, m., engl. pitching-borer. Wie im Art. Anfangsbohrer bereits erwähnt, haben die Anfangsbohrer gewöhnlich die Form eines Meißelbohrers oder Bohrmeißels, franz. pistolet en ciseau, perçoir à biseau, engl. chisel-borer, s. Fig. 514; seltener ist für den Anbohrer die Form des Kronenbohrers, frz. perçoir à couronne, engl. square-bit, square boring-bit, s. Fig. 513, auch Kreuzbohrer genannt; b) Satzbohrer od. eigentlicher Sprengbohrer, frz. fleuret, m., engl. séecond-borer, ähnlich gestaltet, nur etwas länger, 30—60 em. lang; c) Abbohrer, Endbohrer, m., frz. barre à mine, engl. finishing-jumper, 60 90 em. lang, fast ähnlich dem vorigen, zu Vollendung des Bohrlochs; d) über Räumnadel, Fig. 515, und Krätzer, Fig. 516, s. d. betr. Art.; s. auch d. Art. Steinsprengen u. Sprengbohrer. — 2. frz. sonde, trépan, engl. ground-anger, earth-borer, auch Erdhohrer genannt, dient, um die Erd- und Steinarten in der Tiefe zu erforschen. Es giebt natürlich verschiedene Arten: a) Der einfachste B.besteht aus einem 2, mlangen, dem. starken runden Eisen, am untern Ende mit einem Schnekkengewinde mit hohler Kapsel oder Röhre versehen; am obern Ende befindet sich eine Oese, durch welche ein Stab gesteckt wird, mittels dessen man den Bohrer dreht; durch angeschraubte Verlängerungsstangen kann man beliebig tief bohren; will man die erbohrte Erdschicht prüfen, so öffnet man durch entgegengesetztes Umdrehen des Bohrers einen an der Röhre befestigten Schieber, worauf sich die Röhre mit Erde oder Bohrmehl füllt und beim gewöhnlichen Umdrehen des Bohrers wieder schließt, worauf man den Bohrer herauszieht. b) Die in dem Art. Artesischer Brunnen beschriebene Bohrerart. 6) Bei tieferen Bohrversuchen, die durch mehrere Gesteinarten führen, bedient man sich eines Bohrgestänges, frz. tiges de sonde, engl. boringrod, bestehend aus verschieden geformten Bohrern, welche an 1—1, m. lange, 1,.—3 em. starke Eisenstäbe geschweißt oder genietet sind und durch Zwischenstücke von derselben Fig. 525. Durchschnitt. Stärke mit dem obern oder Kopfstück, frz. tige première, engl. boring-head, head-rod, an welchem der zum Umdrehen des Bohrers erforderliche Hebelarm angebracht ist, verbunden werden. Fig. 517 stellt das obere od. Kopfstück, 518, ein Zwischenstück, 519 einen Löffelbohrer und 520 einen Hohlbohrer dar. An dem Kopfstück befindet sich an dem oberen Theil das Ohr oder die Oehre a mit der Oeffnung d, durch welche der zum Umdrehen erforderliche Hebelarm, frz. manivelle, engl. cross-handle, gesteckt wird, und an dem untern Theil ein verstärkter Ansatz e mit der Oeffnung bzu Aufnahme des Zapfens mam Bohrer oder am Zwischenstück (Mittelstück), frz. verge, engl. intermediate piece, welcher in jene Oeffnung paßt u. zum Durchstecken eines Bolzens, wie der verstärkte Ansatz e, ein Loch hat. Diese Verbindung wiederholt sich bei allen Zusammensetzungen des durch Zwischenstücke verlängerten Gestänges bis herab zum eigentlichen Bohransatz. Der Löffelbohrer 519 eignet sich zum Durchbohren von Sand- u. lockerem Boden, während der Hohlbohrer 520 zum Durchbohren von Thon und Lehm angewendet wird. d) Da nun weder mit dem Löffelbohrer noch mit dem Hohlbohrer das durchbrochene Erdreich beim Herausziehen zusammengehalten werden kann, wenn das Bohrloch mit Wasser angefüllt ist, die Beschaffenheit und die Mächtigkeit der durchbohrten Erdschichten aber nur aus der Tiefe des Bohrlochs und aus dem mit dem Bohrer für jede betr. Tiefe herausgebrachten Bohrmehl beurtheilt werden kann, so hat man dazu zweckentsprechende Bohrer konstruirt. Ein solcher ist bei dem Art. Artesischer Brunnen abgebildet. Jenem schließt sich der Ventilbohrer, Fig. 521, an. An einer Gabel der Bohrstange befindet sich die im Durchschnitt gezeichnete Hülse, als Hohlbohrer geformt. Zunächst der am untern Theil der Hülse angebrachten Bohrwindung befindet sich in der Hülse ein vortretender Rand, auf den sich eine mit Charnier versehene Klappe auflegt. Wird nun der Bohrer in Thätigkeit gesetzt, so wird die Klappe von der aufgebohrten Erde gehoben u. die Hülse füllt sich an; beim Herausziehen des Bohrers aber wird durch den Druck der in der Hülse befindlichen Erde die Klappe geschlossen, u. der Inhalt der Hülse wird, selbst bei einem mit Wasser angefüllten Bohrloch, zu Tage gefördert. Zum Durchstoßen von Geröllschichten dient der Stoßod. Keilbohrer, Fig. 522, welcher wie ein Pfahleisen geformt ist und auch wie dieses angewendet wird. Von den zum Durchbohren von festem Gestein geeigneten Bohrern geben wir in Fig. 523 den vierschneidigen Kronbohrer u. in Fig. 524 den Kronbohrer mit fünf Spitzen, welche, wie der Stoß- und Keilbohrer, durch Niederfallen wirken und + loch eine solche Tiefe st. Fig. 526. Längenansi zohrgerüstes von 38 Holz (s. Fig. 525 und 526), welches mit Leichtigkeit aufgestellt und' wieder aus einander genommen werden kann. Der zweiarmige Hebel a b, mit dem kurzen Lastarm a nach der zu hebenden Bohrstange gerichtet, bewegt sich auf einer Achse, welche zwei an die senkrechten Pfosten e befestigte Lager hat. Jeder Stützpfosten e sitzt auf einer Schwelle d, ist mit dieser durch einen schwalbenschwanzförmigen Blattzapfen mit eingesetztem Keil verbunden und durch einen Bug e in seiner senkrechten Stellung erhalten. Die beiden Schwellen d ruhen auf Querschwellen gu. sind durch zwei Querriegel fmit durchgehenden Blattzapfen u. außen durchgetriebenen Keilen unter sich verbunden und aus einander gehalten. Die Länge des Hebellastarmes a richtet sich nach der Länge der Glieder des zu hebenden Gestänges, indem die Hubhöhe des Hebelarmes gleich sein muß der Länge eines Gliedes, damit nach jedem Hub die Stange an dem Verbindungsansatz festgehalten werden kann. Hierzu ist an dem Hebel ein Haken angehängt, welcher die Stange unter dem Ansatz umschließt. Ist die Stange so weit gehoben, daß der nächste untere Verbindungsansatz über die Schwelle vorsteht, so wird von der Schwelle aus die Gabel hunter dem Ansatz durchgesteckt und dadurch die Stange so lange festgehalten, bis der Haken des Hebelarmes oberhalb ausgelöst und zu einem weitern Hub an den über der der des Gestänges von der Hebelvorrichtung abhängig ist, oder die Hebelvorrichtung nach der Länge der Glieder eingerichtet werden muß. Bei zu geringer Hubhöhe der Hebel— Fig. 527. gegossen wird, in das Innere des Cylinders eindringen wird, der dann, samt dem Bohrer, von Zeit zu Zeit emporgezogen und geleert wird. (87. Neuerdings sind in Amerika Bohrmaschinen zum Abteufen von Schächten in solchen Dimensionen zur Anwendung gebracht worden, daß dieselben den nöthigen Raum zu Fahrung, Förderung und Aufnahme der zur Wasserhaltung erforderlichen Kunstsätze bieten. Diese von Hugo Sontag, einem Deutschen zu St. Louis, erfundene Bohrmaschine beruht auf dem Prinzip des Freifallbohrers, und zwar wird dabei stets ein engeres Bohrloch von etwa 0,% m. Durchmesser auf 20—30 m. Tiefe vorgebohrt und der Schachtsohle eine trichterförmige Gestalt gegeben, so daß das Bohrmehl dem engen Bohrloch zugeführt wird, also der Schachtbohrer stets auf das freie Gestein auffällt. Der ausgebohrte Schacht wird stets gehörig verkleidet. Betreffs der sehr häufig auftretenden neueren Erfindungen müssen wir auf die Fachliteratur verweisen; vgl. auch d. Art. Bohrer, Bohrmaschine, Steinbohrer etc.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 1, S. 341Scan: Getty Research Institute (Internet Archive) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 11

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Technik 6