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AllerleiBau-Lexikon 1881

Blau, n., frz. bleu, m., engl. blue, span. blao, 1. eine der drei Grundfarben (s. d. Art. Farbe), u. zwar die nächste in Beziehung zum Schatten, wie Gelb zum Licht, und die einzige absolut kalte Farbe, welche Eigenschaft es allen Farben mittheilt, mit denen es sich verbindet; seine kontrastirende Farbe ist das sekundäre Orangegelb u. die mit ihm harmonirende Farbe Purpurroth, weniger Grün; unter den Metallen harmoniren Silber und Kupfer besser mit B. als Gold. Das B. macht auf das Gefühl den entgegengesetzten Eindruck als Roth, gefällt, ohne lebhaft anzuregen, hat den Charakter des Negativen, aber Dauernden, u. stimmt zu Ernst u. Sehnsucht. Weiteres s. u. Farbe. In der Farbensymbolik des Mittelalters bedeutet B.: a) als eine der mit den kirchlichen Jahreszeiten abwechselnden Farben der Meßgewänder: Demuth u. Buße; b) als Gewandfarbe der Engel: Glaube und Treue; c) als Gewandfarbe Maria's: Bescheidenheit; d) als Grundfarbe der Gewölbdecke der Dome: den Azur des Himmelsgewölbes, des Sternenfirmaments. In Wappen wird das B. durch wägrechte Schraffirung bezeichnet; s. Farbe. 2. Die blanen Farben oder Farbstoffe in Bezug auf ihre Verwendung in der Technik. a) Wasserfarben. Als Saftfarben finden namentlich Indigo, Lackmus, blauer Karmin etc. Anwendung; s. d. Art. Saftfarben. Unter den Mineralfarben nehmen Ultramarin u. Berliner Blau (s. d.) den ersten Rang ein. Weniger häufig finden die blauen Kobaltfarben, Kobaltultramarin, Smalte, Safflor, Zaffer, Eschel oder Aescher, Königsblau etc. (s. d. betr. Art.), dann die hellblauen basischen Verbindungen des Kupferoxyds mit Kohlensäure, wie Bergblau, Mineral- u. Bremer Blau (s. d. betr. Art.), endlich Blauerz u. Blaueisenerde (s. d.) Anwendung. S. auch d. Art. armenischer Stein 1. b) Oelfarben; dazu eignen sich besonders: Indigo, Ultramarin, Oelblau und Berliner Blau. c) Schmelzfarben für Glas, Porzellan und Thonwären: als solche dienen die Kobaltfarben (s. d.). d) Blaue Farben zur Färberei und Druckerei sind: Blauholz, Indigo, Berliner Blau. e) Zum Tapetendruck u. Färben des Papiers lassen sich alle blauen Mineralfarben anwenden. ) Zu Miniaturmalerei: wässeriger Aufguß von Kampescheholz. g) Dieblauen Farben für Glasmalerei sind zumeist Kobaltfarben. Bes. häufig verwendet wird Kobaltoxyd, Borax u. gestoßenes Glas, oder Thonerdehydrat, Kobaltoxyd u. Fluß, od. auch aufgelöster verdünnter Alaun, vermengt mit salpetersaurem Kobaltoxyd, durch Ammoniak niedergeschlagen und mit gestoßenem Glas vermengt. S. auch d. Art. Kobaltfarben. h) Blaue Gla sur (Töpf.) wird bereitet aus 10 Th. Smalte, 1 Th. Mennige, 1 Th. Kochsalz u. Sand, welche Mengung fein gestoßen und gemahlen wird; zugesetzter Braunstein macht sie dunkler; man verwendet sie mit Wasser angemengt theils als Glasur, theils zum Malen der Töpferwären. Weiteres über Eigenschaften und Verwendung der verschiedenen blauen Farben sehe man bei den angezogenen Artikeln sowie in den Art. Indigkarmin, Lackmus, Molybdänblau, Kohlenblau, Mühlhausener Blau (s. d. Art. Anilinfarben d), Ceruleum, Blaupurpur, Chinolinblauetc.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 1, S. 400Scan: Getty Research Institute (Internet Archive) · gemeinfrei

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