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NaturlehreBau-Lexikon 1881

Blei, n., frz. plomb, m., engl. lead, ital. piombo, m., span. plomo, lat. plumbum, n., I. ein unedles Metall, kommt selten gediegen vor, sondern wird größtentheils aus den verschiedenen Bleierzen (s. d.) entweder durch Röstung oder durch Niederschlag gewonnen; es ist sehr weich, so daß es sich mit dem Fingernagel schaben läßt, hat einen eigenthümlichen Geruch, aber keinen Klang, auf frischen Flächen fast silberweiße Farbe mit grünbläulichem Schimmer, lebhaftem Glanz; beim Liegen an feuchter Luft oxydirt es schnell, wird bald grau, fast schwarz und verliert allen Glanz; dieser Ueberzug heißt Bleiasche (s. d.). Das B., ö spez. Gew. 11½45, schmilzt bei 325ꝰ0C.,½ siedet beiWeißglühhitze und verbrennt. endlich zu Bleiglätte. Wärme u. Elek- Fig. 671. Blechzange. trizität leitet es gut. Von besonderer Reinheit sind das spanische, amerikanische, englische u. Villacher B. Sonst sind ihm oft Kupfer u. Antimon in geringer Menge beigemengt. Vorzüglich rein ist das nach dem sogen. Pattinsonschen Krystallisationsverfahren dargestellte B. Trotz seiner geringen Festigkeit und seines hohen Preises wird es sowohl seiner leichten Bildsamkeit als hauptsächlich seiner Dauerhaftigkeit im Wetter halber in der manchfaltigsten Weise verwendet. Schon in dem grauesten Alterthum kannte und benutzte man es vielfach, in der Technik sowohl als zu Statuen; die Römer belegten damit den Boden der Schiffe; auch verwendeten sie es in Verbindung mit Triepel zum Poliren der Marmorstatuen. Im Baufach wird es verwendet: zu Deckung der Dächer, Bekleidung von Rinnen und feuchten Wänden, zu Plattenbeleg der Bleikammern in Schwefelsäurefabriken, zu Herstellung von Röhren, als Draht, zum Befestigen des Eisens in Stein, zum Abgießen und Abdrücken von Reliefs, vom Glaser zu Fensterblei, wozu es sich sowohl seiner Biegsamkeitals auch seiner Ausdauer in der Witterung wegen besonders eignet; außerdem dient es als schwerstes der unedlen Metalle vorzüglich zu Gewichten und als bleiloth (s. d.), sowie auch wegen seiner leichten Schmelzbarkeit zu Erleichterung des Schmelzens anderer Metalle. Im Handel kommt vor: 1. Abstrichblei, frz. plomb d'éecume, d'écumage, engl. skimmed lead, enthält Ammoniak und Arsenik, dient zum Schrotguß und Letternguß; 2. Hartblei, Antimonialblei, frz. plomb aigre, engl. hard lead, enthält 5—20 Proz. Antimon, klingt u. hat weißkörnigen Bruch; 3. Weichblei, frz. Plomb doux, plomb raffiné, engl. refined lead; dies theilt sich in a) Jungfernblei, das reinste, b) Kaufblei, o) Werkblei od. Reinblei (enthält Silber), d) Frischblei, Glättblei, Weichblei, aus Glätte durch Frischen mit Kohle erhalten. Im Baufach kommt das B. besonders in drei Formen vor: 1. als Muldenblei (s.d.) zum Ausgießen, Abdrücken etc., eine Mulde wiegt ca. 1½¼ Centner; 2. als Rollenblei, Bleiblech (s. d.), zur Deckung oder auch als Unterlage in die Fugen der Werkstücke etc., auf 1 qm. Fuge rechnet man 155—315 Pfd.; 3. als Fensterblei(s. d.); hiervon ist das Karniesblei (s.d.) das beste. Verzinntes Blei, frz. Plomb étamé, wurde eine Zeit lang unter dem Titel Albionmetal von England aus zu Verzierungen, Gefäßen rce. vielfach empfohlen u. verwendet, hat sich aber nicht bewährt; s. jedoch d. Art. Bleiröhre zu Ende. II. Das vielfach zum Pausen, Abschnüren etc. gebrauchte Wasserblei wird oft auch kurzweg B. genannt. III. s. v. w. Bleiloth (s. d.).

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 1, S. 407Scan: Getty Research Institute (Internet Archive) · gemeinfrei

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