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NaturlehreBau-Lexikon 1881

Antimon, Antimonium, n., Spießglanzmetall, Stibium (chem. Zeichen, Sb.), frz. antimoine, m., engl. antimony, Rame von dννν und moine, weil, der Sage nach, in einem frz. Kloster die Mönche durch zu häufigen Genuß desselben, um fett zu werden, ausstarben, wird selten, in Deutschland zu Andreasberg am Harz, gediegen gefunden. Es ist sehr spröde, schmilzt bei mäßiger Rothglühhitze und verdampft bald bei höherer Temperatur; spez. Gew.S65. Das wichtigste Antimonerz, der Antimonglanz, Grauspießglanzerz, Schwefelantimon, frz. antimoine m. sulfuré, engl. grey antimone-orée, sulphuret of antimony, kommt nur selten krystallisirt vor und dann als gerade rhombische Säule; derbe Massen u. eingesprengt; Gefüge blättrig ins Strahlige; Bruch uneben, körnig, ritzt Talk, ritzbar d xs 4,6; stahl- und bleigrau, metallisch glänzend, zuweilen bunt angelaufen, schmilzt leicht, verflüchtigt sich leicht, ist in erhitzter Salzsäure lösbar, besteht aus 72,85 Antimon u. 27,1 Schwefel; aus ihm bilden sich Antimonblüte, auch Weißspießglanzerz gen., frz. antimoine m. oXydé, engl. white antimony, antimony-bloom, weiß, perlmutter glänzend, und Antimonblende, Roth⸗ Spießglanzerz, kirschroth, diamantglänzend, und Antimonocher, erdig, gelb ins Grüne und Braune, matt. Zu Gewinnung des Antimonmetalls wird bes. das in der Natur sich findende Grauspießglanzerz (dreifach Schwefelantimon) benutzt. Die Scheidung dieses Erzes aus anderen Erzen u. die T Trennung von der Gangart u. anderen Beimengungen geschieht im großen durch Saigerungim Saigerofen (s. Fig. 218). Das Grauspießglanzerz schmilzt leicht und kann infolge dessen bequem durch Aussck üueteunn rein gewonnen werden. Das rohe Erz mit all seinen Beimengungen kommt in die aus Thon gebrannten Röhren RK, wovon vier in einem Ofen befindlich sind, deren obere Theile sich etwas konisch erweitern. Diese Röhren stehen zwischen drei Rosten 8S auf Reinn T, welche durch die Mauern M unterstützt werden. Die Thonplatten besitzen in der Mitte eine Offnung zum Abfluß des geschmolzenen Schwefelantimons. Zwischen den Mauern Msind unter den Offnungen der Thonplatten die Gefäße G aufgestellt, in welchen sich das absaigernde Schwefelantimon sammeln läßt; diese Gefäße lassen sich auf einem Schlitten in den Ofen fahren. Dem Gewölbe des Ofens giebt man oben vier Offnungen, durch welche die Mündungen der Röhren gehen. Bei ist an den Seiten der Zugang zu den Röhren ermöglicht. Indem das Feuer die Röhren bis zum obersten Rand der Mündungen, welche während des Prozesses mit Thonplatten P. verschlossen sind, so weit erhitzt, daß alles Schwefelantimon schmilzt, gewinnt man nach ca. 3 Stunden alles Geschmolzene in den Gefäßen Glund füllt nach Entfernung des Rückstandes die Röhren frisch. Aus dem so erhaltenen Schwefelantimon, Rohspießglanz, antimonium erudum des Handels, gewinnt man das A entweder durch Rösten des Rohspießglanzes und Reduktion des erhaltenen Antimonoxyds mit Kohle, oder durch Zerlegung des Schwefelantimons mit feinzertheiltem metallischen Eisen, unter Zusatz von schwefelsaurem Natron (Glaubersalz) u. Kohle in der Rothglühhitze. MV. Der rohe Antimonglanz (antimonium crudum, dreifach Schwefelantimon) dient zu Reinigung des Goldes und wird in der Feuerwerkskunst gebraucht. Andere Antimonerze sind das Antimonfahlerz oder Schwarzgültigerz, frz. cuivre gris antimonifère, engl. antimonial grey copper, der Antimonnickelglanz, frz. antimoine sulfuré nickélifére, engl. nickel-stibine. Das Antimonmetall dient, mit Zinn, Blei u. dgl. versetzt, zu Gußwären, z. B. Löffeln, Bechern, sog. Britanniametall (90 Zinn u. 10 Antimon), Lettern, Lagern an Lokomotiven und Eisenbahnwagen etc. Glasflüsse lassen sich durch einen Zusatz v. A. hochgelb färben, auch dient es in der Porzellanmalerei u. bei Glasuren.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 1, S. 133Scan: Getty Research Institute (Internet Archive) · gemeinfrei

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