Aschanti (engl. Ashantee), richtiger Assante, ein kriegerisches Negervolk in Guinea, im N. der Goldkuste. Nach O. an reicht ihr gleichnamiges Gebiet über den Voltafluß bis an Dahome, an der Küste mit dem der Eweavo bis nahe an Whydah, nach W. bis zum Assini, also bis zur Zahnküste; der Flächeninhalt wird zu 27 500 akm angegeben. 0 der Mitte durchfließt es von N. nach S. der Busum-Prah oder Heilige Fluß, in welchen von NW. der Ofim mündet. Hinter dem sandigen flachen Küstenstrich, welchen eine gewaltige Brandung begleitet, erhebt sich eine etwa 10 m hohe, rote Stuse. Das Land ist meist bergig, aber ohne bedeutende Erhebungen; erst nördlicher als 8* nördl. Br. zieht von W. nach O. die Kong, d. h. Gebirge, genannte höhere Kette. Das Klima ist sehr ungesund, besonders für Europäer schädlich. Das Innere des Landes ist bis zu 7½ nördl. Br. dicht bewaldet, aber vergleichsweise gesünder. Der Boden ist größtenteils thonig und reich an schwarzer Erde, bei der Fülle von Wasser daher überaus fruchtbar. In der nnaß des Kustenstrichs wachsen der gigantische Baobab, die Mangrove (Rhizophora Mangle), der amerik. Kaktus, Palmen und eine Unzahl dornigen Gebüsches. Ungefähr 20—25 km von der Küste, bei dem ersten 300—600 m hohen Höhenzuge, verschwindet der Baobab, und neben der Olpalme und der Weinhönix erscheint eine andere fremde Vegetation. n etwa 8' nördl. Br. wird das Land offener; dort wächst das Zuckerrohr wild, man baut Yams, Durra, Mais, Hlos eis, Tabak in äußerster Fülle und gewinnt zahllose tropische Früchte. Ebenso groß ist der Reichtum an Pflanzen, welche Gummi und Aromen, Farbe und Lren liefern, und die Blumenpracht (Tuberosen, Lilien, Amaranten, Balsampflanzen) verleihen ganzen Landstrichen den Charakter von Gärten. Auch die Fauna ist aufs reichste vertreten: Elefanten, Nashörner, Giraffen, Büffel, Antilopen, Affen, Zibetkatzen, Stachelschweine sowie Löwen, Tiger, Leoparden, Schakals, Eber, Hippopotamus und Alligatoren; eigentümlich scheinen eine Riesenratte und der aasfressende Arampo. Pferde sind selten. Schlangen aller Art, auch die Rane Skorpione und Tausendfüße, die mannigfaltigsten Eidechsen, zahllose verschiedene Vögel mit prächtigem Gefieder, sowie Bienen und Termiten sind zu erwähnen. Meer und Flüsse sind reich an Fischen. ö Die Zahl der Bewohner wird auf 1 Mill. geschätzt. Die eigentlichen A. sind ein gut gebautes, kräftiges Volk, an welchem die körperlichen Eigentümlichkeiten der Negerrasse gemäßigt auftreten. Die Kleidung der bessern Klassen ist ein großer Mantel aus Seidenstoff, im Kriege ein anliegendes Gewand, mit Metallzieraten und Amuletten in maurischer Sprache beban t, weiten und die Poin und roten Lederstiefeln. Der König und die Prinzen führen ein Schwert mit goldenem Griffe. Die Häuptlinge tragen goldene Brustplatten, und jeder behängt sich mit möglichst vielen Goldzieraten. Die niedern Klassen schlagen nur ein Tuch um die Lenden. Durch den Handel wohlhabend gewordene Sklaven oder Freie bilden die niedere Schicht. Die Vornehmen, aus denen die Häupter der Ortschaften, von den Portugiesen Cabosirs genannt, genommen werden, bilden den Adel, aus welchem der König seine Beamten, Generale und seinen Hofstaat nimmt. olygamie, wenn auch nicht herrschend, ist gestattet. Die Kunst der Schmiede und Goldarbeiter ist sehr Kierz letztere fertigen Ringe, Ketten, Nadeln und ierbilder. Die gewebten Stoffe sind vorzüglich: Färber, Töpfer, Gerber und Zimmerleute leisten nicht Unbedeutendes. Die A., nach ihrer Aussage vom Volke der Otzi im Lande Inta stammend, sind schlaue und erfahrene Handelsleute. Der Hauptausfuhrartikel ist Gold, außerdem wird auch Elfenbein, Farbestoff und Holz verhandelt und Sklaven, soweit es möglich ist. Eingeführt werden Schießwaffen und Pulver, Metalle, Spirituosen, Tabak und gewebte Waren; der Handel nach Norden in das Innere ist sehr bedeutend. Aus dem weitverbreiteten Goldsande wird viel Waschgold gewonnen; Körner und Klumpen aber gehören stets dem Könige, der auch alles Gold der Unterthanen erbt. mKleinhandel zahlt man auch mit Kaurimuscheln. ie Hauptstadt des Reichs ist nt entn si mit 20000 E., etwa 180 km von der Küste entfernt. In dem 110 km breiten Küstenlande gibt es 31 verschiedene Stämme und 7 Sprachen. Von 4 40 bis jenseit 67 nördl. Br. reicht die gegenwärtige brit. Kolonie Goldküste, an deren Küste die engl. Forts liegen; sie erstreckt sich durch 4½¼½ Längengrade, von 14 30 bis 18 50 östl. L. (von Ferro), enthält 38 850 qkm und zählt (1871) etwa 400000 C. (mit Lagos 39 039 qkm und 460000 E.). Die Forts an der 400 km langen Goldküste sind britisch; die Dänen traten 1850 die ihrigen für 10000 Pfd. St. ab; 1867 trat England alle seine 2 und Anrechte westlich vom Süßwasserflusse an olland gegen die holländ. Forts und Anrechte östlich von demselben Flusse ab, und 1872 übertrug Holland wieder seine sämtlichen Forts und Anrechte auf der Goldküste an England. Diese Forts von O. nach W. sind folgende: Quittah oder Keta, ehemals dänisch; Adda, ebenso; Ningo, Fort Fredensborg, eben H Fort Vernon; Tassy, Fort Augustenborg, ehemals dänisch; Akkra-Christiansborg, ehemals dänisch; Crévecoeur, bis 1867 holländisch; Fort James, Winnebah; Apam bis 1867 holländisch; Cormantin und Mori, Fort Nassau, bis 1867 holländisch; Animaboe, Cape-Coast-Castle; St.⸗George d'El-Mina, früher Residenz des holländ. Gouverneurs, bis 1872 holländisch; Commenda, 1867—72 holländisch; Chama, bis 1872 holländisch; Secundi und Fort Orange lein brit. und ein holländ. Dorf), Tacorady, Boutry, ebenso; Dixcove, 1867 —72 holländif ch; Achowa, —3 Dorothea, bis 1872 rim, Fort 7 ebenso; Apollonia, 1867 —72 holländisch; Assini, Fort Nemours, Groß⸗ und 996 Epuind⸗ bis 1872 französisch. Weder Dänen noch Engländer beanspruchten Territorium außerhalb der Forts; nur bei Axim besaßen die Holländer einen ansehnlichen, vom Ankobra durchflossenen —H von der Größe Hampshires, umgeben von den Reichen Apollonia, Denkera und Westwassaw, deren Herrscher brit. Schutz duen Landtrig und bis 1867 auch genossen. Auf einen Landstrich bei Aktra hatten die Holländer 1867 resigniert. Seit 1872 ist sonach die brit. Kolonie das Gebiet zwi-Eam dem Volta bis in 6· 20 nördl. Br. im O., der ando bis etwa 6˙ 10 nördl. Br. im W. und dem Aschantireiche im N. Mit dieser Nordgrenze fällt zusammen die Nordgrenze der ehemaligen Reiche Denkera, Assin, Akim und Akuamu. Der +*5 halbiert dieses Gebiet. Ostlich vom Prah gehören ur Kolonie: der 24. Nov. 1871 von 31 Häupt⁷⁷• unterzeichnete Fanti-Bund, der durch die Wesleyanischen Missionare civilisierteste Teil der Kolonie, die Reiche Akuapim mit der Hauptstadt Akropong, dem Hauptquartier der Baseler Mission und der Gesundheitsstakion der Goldküste; dann östlich Adangme am Voltaflusse, Anglo, nördlich Krepe, Akuamu, Akim und Assin. Geschichtliches. Um 1700war Bekwa, 100 km südlich von Kumassi, der Hauptort von A. Der damalige Herrscher Osai Tutu, mit etwa 60000 Kriegern, machte sich die andern Staaten tributär; nur Denkera blieb unabhängig und wurdefreunds chaftlich Ehrger bis infolge einer Beleidigung ein zweijähriger Krieg entstand. Die Holländer und Akim unterstützten 1720 Denkera, das aber nach einem Verluste von 130000 Mann besiegt ward. Die folgenden Herrscher vergrößerten und verstärkten das Reich, aber 1752 siegte der angegriffene König von Dahome mit seinen Amazonen über A. Mit dem 1799 zur Regierung kommenden Osai Tutu Quamina beginnen die Beziehungen zu Großbritannien; ihm folgte 1824 sein Bruder O ai Ockoto, diesem 1838 Osai Quaco Duah und diesem 1868 Koffi Kalkalli, der Enkel von Osai Tutu Quamina. Die Europäer haben sich schon früh an der Goldküste festgeseßt Der Portugiese Diego d'Asambuja landete 1481 mit 700 Mann bei El-Mina und baute dort das are St. Georg unter dem Widerstande der Eingeborenen. Die Holländer setzten sich in Muri und anderwärts fest und vertrieben 1637 die Portugiesen aus El-Mina. Engl. Abenteurer siedelten sich ebenfalls an; aber ihre Forts, außer Cape-Coast-Castle, wurden ihnen 1667 von den Holländern genommen. Darauf bildete sich 1672 die Königlich Afrikanische Kompagnie von England und baute oder verstärkte Dixcove, Secundi, Commenda, Animaboe, Winnebah, Altra und Cape-Coast-Castle, ganz nahe bei den holländ. Forts und den seitdem errichteten dänischen. Die Streitigkeiten dauerten fort; 1752 bildete sich die neue Afrikanische Kompagnie von Kaufleuten; 1782 nahmen die Briten alle holländ. Forts, außer El-Mina, gaben dieselben aber 1785 zurück. Währenddessen erstarkten die Fanti und nahmen das Land des Herrschers von Fetu, auf dessen Grunde Cape-Coast-Castle stand; so wurden sie Nachbarn und Verbündete der Briten; die Holländer dagegen, Nebenbuhler und Feinde der Briten, wurden Verbündete der A. Briten und Holländer, auch die Dänen, beländer den Herrschern einen Grundzins, die Holänder für El-Mina an Denkera, und als A. dies besiegte, an A. Von den wiederholt besiegten Fanti hatte der Aschantiherrscher die Zinsverpflichtung der Engländer in Händen und verlangte Grundzins, wie er ihn von El-Mina empfängt. Im Sept. 1817 einigte man sich; die Fantis blieben den A. tribntär, standen aber unter brit. Schutze, und die Afrikanische Kompagnie sendete Geschenke an den König von A., welche unter andern auch Bowdich begleitete. Barauf wurde 1821 die Afrikanische Kompagnie durch Parlamentsbeschluß aufgehoben und die Goldküste eine Dependenz von Sierra Leone unter dem Gouverneur Charles Mac Carthy; dieser unterstützte die beßee und wünschte sie von dem Aschantijoche zu befreien. Aber er unterschätzte die Macht der A., wurde von den Negertruppen im Stiche gelassen und fiel 21. Jan. 1824 bei Assama. Sein Nachfolger, Oberst Pourdon, schlug 26. Aug. 1826 die 2 i hinm gänzlich bei Dodowah, doch kam es nicht zum Frieden. Erst 1831 schloß Gouverneur Maclean einen Vertrag mit den A., wonach 12 der kleinen Reiche als unabhängige betrachtet und unter brit. Schutz gestellt wurden, ebenso wie Denkera. Danach währte der Friede lange Jahre. Erst 1867 erfolgte der Austausch brit. und holländ. Forts; fast 200000 Menschen, bisher britisch, sollten ungefragt holländisch werden, was sie verweigerten, wie z. B. die Einwohner von Commenda; dafür bombardierten es die Holländer 1869. Unnterdessen hatte 1868 Koffi Kalkalli als König von A. den Thron bestiegen. Die Engländer hatten aus Sparsamkeitsrücksichten die Garnison auf der Goldküste vermindert, sodaß 1873 zur Verteidigung ihres Gebietes nur 160 Soldaten vorhanden waren. Die holländisch gesinnten Eingeborenen von El-Mina u. s. w. verlangten von den A. Hilfe, weil sie von den Briten nichts wissen wollten, und der König von A. hielt den Augenblick für gekommen, die Macht seines Reichs wiederherzustellen. Im Febr. 1873 überschritten drei Aschantiarmeen den Prah und der El-Mina-König schloß sich den A. an. Im Juni 1873 rieben die A. die Fantiarmee auf und griffen Commenda an. Gegen 12000 Feinde hatten die Briten nur eine kleine Macht aufzustellen. England sendete 2. Okt. 1873 als Generalgouverneur Sir Garnet Wolseley, welcher mit 117 brit. Offizieren und 550 Soldaten eine Armee von Eingeborenen organisieren sollte. Dies mißlang gänzlich, und der Krieg mußte mit nur wenigen Truppen geführt werden, die selbst, als im Dezember Verstärkungen ankamen, nur bis zu einigen Regimentern stieg. Das kleine Heer beschränkte sich zunächst auf die Verteidigung von Cape-Coast-Castle und El-Mina, drang sodann durch den Urwald unter unsäglichen Schwierigkeiten in nördl. Richtung bis zum Prah vor, lieferte glückliche Gefechte bei Essaman, Abrakrampa, Amoaful, Bekwa, Ordahsu, und 4. Febr. 1874 zogen die Briten in Kumassi ein, das der König und die meisten Bewohner verlassen hatten. Die Stadt wurde niedergebrannt, worauf das brit. Heer, dessen Vorräte gänzlich erschöpft waren, 6. Febr. den Rückzug nach Agimamu antreten mußte. Doch sandte der Aschantikönig dem Heere 9. Febr. einen Boten nach und erbot sich, beunruhigt durch das Vordringen eines aus Negertruppen unter Kapitän Glower bestehenden Heeres, welches den Prah weiter oberhalb überschritten hatte, zur Zahlung von 50000 Unzen Gold und zum Verzicht auf die Lehnspflicht der Könige von Denkera, Assin, Akim und anderer Bundesgenossen der Engländer, sowie auf alle Ansprüche der Oberhoheit über El-Mina und andere Stämme, die früher mit der niederländ. Regierung in Verbindung standen. Er verpflichtete sich ferner zur Herstellung einer 4 m breiten Straße von Kumassi bis zum Prah, zur Einstellung der Menschenopfer und zum Schutze des Handels, zahlte auch bereits 13. Febr. 1000 Unzen Gold zu Fomana an den brit. Oberbefehlshaber. Die seit 1869 gefangen gehaltenen Missionare waren schon im Januar freigelassen worden. Die bisher den A. anhängenden Stämme der Eingeborenen wendeten sich darauf sämtlich den Briten zu. Bereits 1875 hoben die Briten das Protektorat auf, verpflichteten die eingeborenen Herrscher zum Gehorsam und schlugen das ganze Gebiet, einschließlich Lagos, zur Kolonie Goldküste. Im Febr. 1881 entstanden abermals kriegerische Verwickelungen zwischen den A. und der brit. Kolonie. Litteratur. Bowdich, XMission from Cape Coast Castle to Ashantees (Lond. 1819; deutsch, Weim. 1820); Dupuis, Journal of a residence in Ashantees (Lond. 1824); Beecham, Account of Ashantee and the Gold Coaste (Lond. 1843); Cruidshank, Eighteen years on the Gold Coast of Afri cas (Lond. 1853; deutsch, Lpz. 1855); Horton, Physical and medical climate and meteorology of the West Coast of Africas (Lond. 1867); W. Reade, African sketchbooks (Lond. 1873); Hay, Ashantee and the Gold Coasto (Lond. 1874, deutsch, Berl. 1874); Reade, «The story of the Ashantee Campaigns (Lond. 1874); Henty, The march to Coomassies (Lond. 1874); Boyle, «Through Fanteeland to Coomassies (Lond. 1874); Stanley, „Coomassie and Magdalas (Lond. 1874); Brackenbury, The Ashantee Wars (2 Bde., Lond. 1874); Rogers, «Campaigning in Western Africa and the Ashantee invasion (Lond. 1874); (Die A. und der Aschantikriego in Unsere Zeite (Lpz. 1874).