Angöla, portug. Kolonie an der Westküste von Südafrika (Niederguinea), südlich von Congo. Das Generalgouvernement der Kolonie umfaßt 809 400 qlem mit 2 Mill. E. und zerfällt in drei Gouvernements: A. oder Loanda, Benguela und Mossamedes, welche wieder in Presidios oder befestigte Lanserdentwea und Distrikte eingeteilt werden; außerdem beanspruchen die Portugiesen noch die Kimbundaländer und Dschimbandi. Das Gouvernement A., zwischen den Flüssen Dande und Quanza gelegen und von der Küste landeinwärts bis Cassange im Quangothale sich erstreckend, hat ungefähr 66000 akm mit 600000 E., fast sämtlich Neger, die meist zur großen Familie der Bundavölker gehören und auf verhältnismäßig hoher Kulturstufe stehen. Viele können sogar lesen und schreiben, eine Fieson der Jesuitenmissionen, die im 16. Jahrh. in diesen Ländern lehrten. Seiner natürlichen Iachen Kun nach zerfällt das Land: 1) in einen flachen Küstenstrich, der, dürr und wenig bewaldet, r aber Cine nur längs der Flüsse angebaut ist, dort aber eine Fülle tropischer Produkte, wie Zuckerrohr, Kaffee, Baumwolle, Olpalmen, Maniok, Bananen u. s. w. hervorbringt; 2) in einen mittlern, etwa 800 m über dem Meere gelegenen gebirgigen Teil, welcher die Distrikte Golungo-Alto, Cazengo, Dembos und zum Teil Ambaca umfaßt und sich durch großartige, von den mächtigsten Schlingpflanzen durchwachsene Urwälder auszeichnet; 3) in einen östlichen, etwa 1000 m hoch gelegenen Teil mit Pungo-Andongo (1370 m), der gegen O. mit der 960 m hohen Terrasse des Talla-Mogongo gegen das Quangothal abfällt, und wo zwischen den zahlreichen, nach N. strömenden Flüssen die lichtern und seltenern Wälder aus niedrigen Bäumen bestehen, welche eine größere Menge kleinerer Pflanzen auf dem minder beschatteten Boden aufkommen lassen, im nn aber Steppenvegetation und 2 m hohes ras aufweisen. Das breite Quangothal (650 m uber dem Meere) ist sehr fruchtbar, liegt aber fast ganz brach, da die Portugiesen und deren gemischte Abkömmlinge sich ausschließlich dem Handel mit Wachs und Elfenbein zuwenden. Man findet große Massen stark magnetischen Eisenerzes, aus dem im Distrikt Cazengo monatlich 500 Barren gutes Eisen gewonnen werden. Das am untern Quanza gewonnene Salz dient als Tauschmittel. Außer den Grenzflüssen Dande, Quanza und Quango sind noch der Bengo und Calucala, die sich unmittelbar ins Meer ergießen, und die dem Quanza zufallenden Lucalla und Lombe zu nennen. Nur der Quanza, der etwa 180 km von der Mündung aufwärts bis zu den Katarakten von Cambambe mit großen Kähnen befahren wird, ist für den Verkehr von einiger Bedeutung. Straßen fehlen im ganzen Lande, und überhaupt geschieht von der portug. Regierung wenig, um die reichen Hilfsmittel der Kolonie auszubeuten. Die Ausfuhr besteht in Elfenbein, Palmöl, Kaffee, Häuten, Kopalgummi, Wachs und Orseille; der Sklaveuhandel hat zwar nicht ganz aufgehört, ist aber doch sehr vermindert. Ein Ioni großes Hindernis für die Entwickelung der Kolonie ist das für Europäer ungesunde Klima an der Küste, wo in den Regenzeiten (vom November bis Januar und vom April bis Juli) die Malaria viele Opfer fordert, während die höhern Geenden des Innern für gesund gelten. Die mittere Jahrestemperatur ist 27,5 C., für die Hochebene 20* C. Im Innern sind bis zu 1200 km Entfernung von der Küste Handelsstationen oder Warendepots angelegt, sog. Faierias, zwischen denen die Pombeiros »oder Händler und Warenträger (denn alle Waren müssen von Menschen getragen werden) die Verbindung mit der West⸗ und mit den nach der Ostküste Afrikas Rat gelegenen Stationen unterhalten. Die Hauptstadt des Gouvernements und zugleich die wichtigste europ. Niederlassung an dihsen Küsten ist Loanda (s. d.). Der ortug. Seefahrer Diego Cam entdeckte 1488 diees Küstenland und nahm es für die Krone Portugal in Besitz, welche es bisher auch behauptet hat, ausgenommen von 1641—48, wo die Holländer Herren der Hauptstadt und eines Teils der Kolonie waren. Das Budget der Kolonie für das Finanzjahr 1879 — 80 belief sich auf 472 362 Milreis (à 4 Mark 45 Pf.) Einnahme und 588 038 Ausgabe. Vgl. Lopes de Lima, «Ensaios sobre a statistica das possessões portuguezas na Africa occidental e oriental etc. (Lissab. 1844); Tams, „Die portug. Besitzungen in Westafrikar (Hamb. 1845); Magyar, «Reisen in Südafrika (Bd. 1, Pest 1859); Valdez, «Six years of a traveller's life in Western Africao (2 Bde., Lond. 1861); Oberländer, «Westafrika vom Senegal bis Benguela » (3. Aufl., Lpz. 1878); Lux, (Von Loanda nach Kimbundu» (Wien 1880).