FeedAstigmatismus
AllerleiBrockhaus 1882

Astigmatismus (abzuleiten von rrua, Punkt) ist seiner Wortbedeutung nach der Zustand, in welchem Strahlen, die von einem Punkte man 10msich nicht wieder in einem Punkte vereinigen können. Wenn infolge asymmetrischer Bildung der brechenden Flächen des Auges die Refraktion in den verschiedenen Meridianen eines und desselben Auges nicht dieselbe ist, dabei aber doch für jede einzelne Meridianrichtung dur Beren e sphärischer Linsen eine punktuelle ereinigung der Strahlen auf der Stäbchenschicht der Retina erzielt werden kann, so entspricht dieser Zustand der Be griffsbestimmung des regelmäßigen A. Ist 310. die Aberration der Strahlen in einem und demselben Meridian eine so Euelle Berez daß durch sphärische Gläser eine punktuelle Vereinigung derselben auf der Retina nicht bewirkt werden kann, so ist unregelmäßiger A. vorhanden. Ein gewisser Grad von regelmäßigem A. beeinträchtigt den Grad der Sehschärfe, den man als Norm anzusehen hat, ebenso wenig wie ein geringer Grad von unregelmäßigem A.; Andeutungen dieser beiden Formen finden 95 auch bei dem normalen Auge. Sind diese optischen Unleichartigkeiten indessen in höherm Grade entwickelt, o entsteht eine denselben proportionale Beeinträchtigung der Sehschärfe. Die Ursachen des A. können sowohl in der Hornhaut als der Linse, gleichzeitig auch in beiden liegen, und es kann in letzterm Falle geschehen, daß der von der erstern abhängige A. den durch letztere bedingten entweder steigert oder (teilweise) kompensiert. Der Die Mer allein kann optisch korrigiert werden. Die Meridiane des Brechungsminimums und Brechungsmaximums eines und desselben Auges stellt man als Hauptmeridiane einander gegenüber, die Vrechungsdiffe renz beider gibt den Grad des A. an. Ist die Brechung in einem Hauptmeridian normal, in dem andern zu stark oder zu schwach, so ist der A. ein einfach myopischer oder hyperopischer. Wenn jedoch in allen Meridianen ein myopischer, resp. hyperopischer Refraktionszustand herrscht, der nur dem Grade nach verschieden ist, so ist zusammengesetzter myopischer, resp. hyperopischer A. vorhanden. Es ist endlich der A. ein gemischter, wenn Myopie in dem einen, Hyperopie in dem andern Hauptmeridian nachweisbar ist. Korrektionen des regelmäßigen A. und damit der von demselben abhängigen 20. schärfe werden durch Glaslinsen erreicht, welche A schnitte eines Cylinders, die man sich parallel der srahlen au geführt denkt, bilden. Fallen Lichtstrahlen auf eine Fläche mit positiver oder negativer cylindrischer Krümmung, so weichen dieselben in Ebenen, welche 1— 39 00, woht elegt werden, . von ihrer Richtung ab, wohl aber in .— welche senkrecht auf der Achse des Cyliners stehen. Diese Eigenschaft der Cylinderlinsen ewährt die Möglichkeit einer einseitigen Brechungsorrektion in nur einem der beiden Hauptmeridiane, d. h. des A. und der von ihm abhängigen Sehstörungen selber. Begründer der Lehre vom A. sind Thomas Young und der Astronom 2. 8. gefördert wurde sie namentlich durch Fischer, Brewster, Stockes, Goode, Hamilton, Hays, Donders.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 95Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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