FeedAchromatisch
HimmelskundeBrockhaus 1882

Achromatisch (grch., d. i. farbenlos) heißen diejenigen Linsengläser und Fernrohre, durch die man die Gegenstände 1 farbige Ränder erblickt, welche jene entstellen und der Deutlichkeit großen Eintrag thun. Die farbigen Ränder, an welchen die gewöhnlichen Sbfelth der ältern Art mit einfachen Okular⸗ und Objektivgläsern leiden, entspringen daraus, daß der Raahlen Lichtstrahl aus mehrern buntfarbigen Lichtstrahlen von verschiedener Brechbarkeit (s. Brechung der Lichtstrahlen und Spektrum) zusammengesetzt ist. enn ein farbloser werschieh gebrochen wird, so wird er daher in die verschiedenen Farbenstrahlen zerlegt, welche von dem geradlinigen Wege des ursprünglichen So Keschir in ungleichem Grade abgelenkt werden. So geschieht es, daß die durch ein konvexes Objektivglas gehenden und in demselben gebrochenen Lichtstrahlen nicht einen einzigen Vereinigungspunkt im Brennpunkte des Glases haben, wie es bei einfarbigen Lichtstrahlen der Fall sein würde, sondern sich nach und nach je zu verschiedenen Brennpunkten vereinigen, und zwar der Linse zunächst die violetten, dann die blauen, grünen, gelben und zuletzt am weitesten davon die roten Strahlen, sodaß nur in der Mitte dieser Brennpunkte durch Vermischung aller Farben ein farbloser Brennpunkt, jedoch mit gefärbten Rändern, zum Vorschein kommt. Newton hielt, durch unvollkommene Experimente verleitet, eine Aufhebung der Farbenzerstreuung für unmöglich; erst Euler äußerte 1747 den Gedanken, daß sie doch wohl möglich sei, was durch die genauen Unteruchungen des schwed. Mathematikers Klingentierna (1754) bestimmter nachgewiesen und durch ie seit 1757 angestellten Versuche des Engländers Asche Dollond bestätigt wurde, der zuerst achromatische Fernrohre verfertigt hat. Nach einigen wurde die Erfindung schon 1729 von dem Engländer Chester More Hall gemacht, damals aber nicht weiter beachtet. Dollond erreichte seinen Zweck dadurch, daß er das Objektivglas aus zwei Glasarten, Flint⸗ und Crownglas, zusammensetzte, welche nicht nur das Licht ungleich sart brechen, sondern auch hinsichtlich der enen der Farben verschiedene Gesetze befolgen. Wenn man nun eine konvexe Crownuglaslinse (s. beistehende Fig., AA) und eine konkave Flintglaslinse (BB) übereinanderlegt, so kann man die Gestalt der Linsen so wählen, daß die schwächere Flintglaslinse die Farben ebenso stark als die Crowuglaslinse, aber in entgegengesetzter Richtung zerstreut, . der f doch beide Linsen zusammen, eben wegen der schwächern Krümmung der Flintglaslinse, immer noch das weiße Licht zu einem jedoch jetzt ungefärbten Brennpunkte vereinigen. Solche achromatische Linsensysteme benutzt man als Objektiv⸗ oder Okulargläser bei Fernrohren und Mikroskopen und als Objektive für photographische Apparate. Die Verfertigung der achromati Eur Gläser und Fernrohre ist teils durch den Erfinder selbst, teils durch dessen Sohn, Peter Dollond, ferner durch seinen Schwiegersohn Ramsden, namentlich aber um 1812 durch den früh verstorbenen Fraunhofer (München), der eine Methode erfand, um die Glasarten vollkommen rein roie Scw was namentlich bei dem Flintglase roße Schwierigkeiten hat, nach und nach zu großer ollkommenheit erhoben worden. Fernrohre dieser Art leisten bei weit geringerer Länge weit mehr als die ältern, nicht achromatischen. Der Optiker Plößl in Wien konstruierte um 1829 vorzügliche kleinere achromatische Fernrohre (Feldstecher fur militärische Zwecke) und erfand (1832), auf Anregung des ältern Littrow, größere Fernrohre, bei denen die das Objektivglas bildenden Linsen verschiedener Glasarten nicht wie gewöhnlich dicht hintereinander, sondern in einem angemessenen größern Abstande getrennt voneinander angebracht sind, was eine Verkürzung der Rohre möglich gemacht hat. Solche achromatische Fernrohre nennt man dialytische Fernrohre oder Dialyten. Unter den ud deroorinb Verfertigern guter Merz und Steinin hervorzuheben die Rl u. C Merz und Steinheil in München, S. Plößl u. Comp. (M. 11. in Wien, Schröder in Frankfurt a. M., Cooke in Hork, Grubb in Dublin, Clark in Boston, Troughton u. Simms in London, Secretan in Paris. Vorzügliche Objektive für Photographie verfertigen neren Steinheil in München, Voigtländer in Braunschweig, Dallmeyer in London, Roß in London, Chevalier in Paris, Harrison u. Schnitzer in Neuyork. chromatopsie, s. unter Farbenblindheit.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 108Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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