Astrachan, ehemals ein tatar. Chanat, gegenwärtig Name eines russ. Gouvernements, eines Kreises und der Hauptstadt desselben. Das Chanat A., Reichs der 0 eine Provinz des Kaptschaks oder des Reichs der Goldenen Horde, erhielt 1480 seine Selbständigkeit, wurde aber w1554 von Iwan Wasiljewitsch II. unter russ. Herrschaft ge racht und bildete seitdem das Zartum A., welches die jetzigen Gouvernements A., Orenburg, Samara, Saratow und Stawropol oder Kaukasien umfaßt. — Das Gouvernement A., eins der südöstlichsten des Russischen Reichs in Europa, R beiden Seiten der untern Wolga am Kaspischen Meere sich ausbreitend, umfaßt Heit 1851) einschließlich des Gebietes der Astrachanischen Kalmücken und der Astrachanischen Kirgisenhorde ein Areal von insesamt 224 471 akm mit (1870) 601 514 E. Die des Kaspischen Meers, ist der nordwestlichste Teil der großen, einst vom Meere bedeckten aralo-kaspischen Erdsenke und steht unter dem Einflusse eines kontinentalen asiat. Klimas mit extremer Sommeritze und Winterkälte, mit Regenmangel, Schneermen, Heuschreckenplage u. s. w. Das Gouvernement zerfällt in fünf Kreise: A., Krasnojar, Jenotajewsk, Tschernyjar und Zarew (Zarjew). Die Astrachanische Steppe ist eine baumlose, Woerähnliche gestaltete Fläche, die sich mit einem meerähnlichen Horizonte an das blaue, oft ganz wolkenlose Himmelsgewölbe anzuschließen scheint und durch die Wolga in zwei Hälften, die öst iche, das Wiesenland, und die west iche, das Bergland, geschieden wird. Neben den leichten Höhenzügen tritt besonders der gegen 180 m über den 5480 des Kaspischen Meers ansteigende Berg Bogdo hervor, der aus grauweißem cheltal im Gipfel aus versteinerungsreichem Musche Walerr besteht und an der 71 Schluchten und Wasserrisse hat. Die Flugsandhügel gewähren Schutz Regen die Schneestürme oder Burans, und nicht selten findet unter ihnen zugleich ausreichender Wasservorrat, den man an vielen Stellen durch Ausmauerung zu erhalten weiß. Die Steppe ist reich an Conversations-Lexikon. 13. Aufl. II. Pflanzen, die zu Viehfutter taugen, sowie an Schilf, welches als Brenn⸗ und sogar als Baumaterial zu Zäunen, Hürden, Hütten benutzt wird. Besonders trägt die Steppe viel Salzkräuter, wie die graugrünen Kaliarten auf den H trockenen Stelen, die meist dunkelroten Salicornien mit fleischien, saftigen Blättern an niedern, feuchten Stellen. orzugsweise charakterisiert indes die Steppe der Reichtum an größern und kleinern Salzseen. Es sind deren schon mehr als 700 bekannt, und ihre Zahl nimmt fortwährend zu durch Auslaugung des durchgehends salzhaltigen Bodens und durch Abschließung des fließenden Wassers. Die Seen erfallen in die ursprünglicher und in die neuerer Bildung. Die erstern haben ihren unerschöpflichen Reichtum des besten rrenndfie größtenteils aus dem in tiefen, oft unergründlichen, ke I Becken, Thälern und Schluchten zurückgebliebenen Meerwasser durch Verdunstung des süßen Wassers erhalten. Besonders berühmt sind der 8 m unter dem Meeresspiegel liegende 1619 km große Elton und der 1249 km große Baskuntschatskische See, von denen der erstere früher Ind 10—13 Mill., in neuerer Zeit 4—5 Mill. Pud Salz oder ein Sechstel des ganzen Salzbedarfs des europ. Rußland lieferte. Der letztere ergab von 1771—1806 gegen 5 Mill. Pud, n Rerr 1808 unbenutzt, ist aber seit 1861 wieder in Betrieb gesetzt. Die Salz9388 jüngerer Bildung sind kleiner und liegen in der ähe des Wolgadeltas und der Küste des Kaspischen Meers in seichten, bu andanbamdn Vertiefunen, die durch Erd⸗ und Sandanhäufungen vom eere abgedämmt sind. Außerdem gewinnt man aus dem seit 1861 in Angriff genommenen Steinsalzlager in den gemich n Tschaptschatschi das vorzüglichste und chemisch reinste Salz, das man bisjetzt Galkeee hat. J. 1872 gewann man aus den Salzseen des Gouvernements 12113079 und aus den Steinsalzlagern 1551578 Pud Salz. Dagegen gibt es wirkliche Solquellen, aus Salzlagern entstehende Salzquellen nirgends, chenso wenig eigentliche 46n. Wer sondern nur Salzpfützen und Salzlachen, erhaupt keine Sümpfe, außer in dem nicht salzigen Röhricht der Limane. Durch diesen ehemaligen Meeresboden der Steppe hat sich die bereits mehrarmig, also in Deltaform in das Gouvernement (unterhalb Zarizyn) eintretende Wolga ihren südöstl. Lauf erst bohren oder vielmehr hindurchwaschen müssen. Unterhalb der Stadt A. nimmt das Flußdelta eine Breite von 160 km ein. Es erweitert sich keilförmig in das Meer und dehnt sich nac westwärts beständig weiter aus, während es nach O. durch Anschwemmung verseichtet und erhöht wird. Das ganze Wolga-Achtuba-Delta, von Zarizyn bis zum Meere, ist jüngeres, vom Flusse abgesetztes Land, ohne Salzteile, daher auch auf seinen elen ark à Van mit üppigem Graswuchs und vielen starken Bäumen bestanden. In und an ihm liegen die Städte, Stantz und wichtigsten Ader Welaa nebst den tanitzen oder Dörfern der Wolgaischen oder westl. Ufer und dann an der Küstenstraße bis an die Kuma sich fortziehen. Nur die Russen haben H½ Ansiedelungen; die übrige Steppenbevölkerung esteht hauptsächlich aus Nomaden. Die Wolga teilt das ganze Steppenland in die Uralische oder Kirgisensteppe im O. und die Kalmückensteppe im W. Die erstere, mit den größten und bedeutendsten Salzseen, wird von den Kirgisenulussen der Innern Horde benutzt, die unter der burn teden des Generalgouverneurs von Orenurg stehen; en 0l war bisher alles Land westlich hinter den Wolgaansiedelungen nur zur Benutzung der verschiedenen Ulusse der buddhistischen Kalmücken bestimmt. Seit 1863 indessen ist die Besiedelung der Kalmückensteppe in Meiereien (Chutor) von je 15—20 Höfen durch Reichsbauern aus den innern Gouvernements wie aus dem Gebiete von A. angeordnet, und zwar erstrecken sich dieselben re auf 15 bestimmte Punkte in dem Sommeraufenthalte der ene der Domiche von der Stadt A. bis an die Grenze der Donischen Kosaken. Die Kirgisen und Kalmücken treiben Gwohl Mo- und Viehhandel; daneben Fischerei, auch wohl Matrosendienst und Arbeit an den Salzseen. Die .½½ der Nomaden Ileit in Stuten⸗, uh⸗ und Schafmilch, selten in Fleisch, und außerdem in wildwachsenden Körner⸗ und Wurzelpflanzen. Ackerbau findet nur in den Kreisen Zarew und Krasnojar statt. Von großer Bedeutung ist dagegen die Fischerei in der Wolga, deren fischreichster Teil dem Gouvernement angehört, und auf dem Kaspischen Meere, die großartigste ber Erde nach der von Neufundland, verbunden mit Kaviarbereitung und Thransiederei. ——— werden 6 Mill. Pud Fische im Werte von 8 Mill. Rub. gewonnen. Besonders rvorzuheben ist der Wiaa), der vom Hering Clupea pontica et caspica), der vom Meere bis arizyn aufsteigt und früher nur zu Thran versotten wurde, seit 1855 aber eingesalzen wird. Die Hauptstadt A., eine Kulturoase in der den at auf der hügeligen Wolgainsel Sajatz oder dem Kremlhügel, 22 km von der nächsten, 60 km von der fernsten Mündung des hier 1420 mbreiten Stroms gelegen, besteht aus der Festung oder dem Kreml, der ihn umgebenden Weißen Stadt (Beloi⸗ + mit steinernen, und 16 Vorstädten oder Slooden mit hölzernen Häusern, und hat unregelmäßige, bei hohem Wasser zum Teil überschwemmte Straßen. Vor den Thoren lagern Kalmücken und Kirgisen in ihren Kibitken. Die Stadt hat einen Umfang von 8 Em und ist Sitz des griech. Erzbischofs von A. und Jenotajewsk, eines armen.⸗ gregorianischen Erzbischofs und einer lamaitischen geistlichen Vorsteherschaft, ferner eines Civil⸗ und eines Militärgouverneurs, der Admiralität der kaspischen Flotte, des kaiserl. Fischkomptoirs, der Salzdirektion, eines Domänenhofs, einer Medizidete Katbedral u. s. w. Sie hat eine 1646 gegründete Kathedrale mit fünf Kuppeln, 19 andere griech. Kirchen, 3 Klöster, 2 römisch-katholische, 5 armenische, 1 lutherische,? Moscheen, 1 lamaitische Pagode, und besitzt 1 Priesterseminar, 1 Gymnasium und andere Schulen sowie 1 botan. Garten. Die Bevölkerung, 57 704 Seelen, ist sehr gemischt, doch ihrem Grundstock nach russisch. Die Armenier sind Der Krämer, die Tataren 2 Bevöt und Händler. er Verschiedenartigkeit der Bevölkerung entsprechen die Kontraste im äußern Ansehen der Stadt. A. ist der bedeutendste See⸗ und Handelshafen am Kaspischen Meere und hat in neuerer — wo dieser See der Hebel der russ. Macht in Transkaukasien, Persien und ganz Centralasien geworden, noch größere Wichtigkeit erlangt, als es früher bereits besaß. Auch der Verkehr auf der Wolga, der bisher durch die Seichtigkeit der Mündungsarme unterbunden war, hat seit der 1856 begonnenen Ausbaggerung und Vertiefung derselben gewonnen. Großartige Werkstätten für den Bau von Dampf- und andern Schiffen sind in Thätigkeit. r den Betrieb der Reederei bestehen zwei Gesell Perden A. vermittelt an den ganzen Messen mit Persien und Transkaukasien, und große Messen versammeln viele Tausende von Menschen. Die Zahl der jährlich ankommenden Schiffe beläuft sich auf etwa 640 mit 23000 t Gehalt. Der Handel mit dem Auslande hat einen jährlichen Umsatz von 1½ Mill. Rubel. Die Haupteinfuhrartikel sind Weizen, Gerste, Wollzeuge, Spiritus, —4 Zinn, Droguen, rüchte, Goldfabrikate rohe Seide, Baumwolle, aumwollgarn und Baumwollfabrikate. Regelmäßige Dampfschiffverbindung findet mit den wichtigsten Punkten des Kaspischen Meers bis nach Aschur-ade in Persien statt, und auf der Wolga geht die Damp ahpis: w aufwärts bis Rybinsk. Außer dem Schiffahrts⸗ und Handelsverkehr hat A. auch ansehnliche Industrie. Man fabriziert Saffian, Baumwoll⸗ und Seidenzeuge, betreibt Färbereien, Talgschmelzereien, Fischthransiedereien, Seifen⸗, Licht⸗ und andere Fabriken. Von noch größerer Bedeutung ist der ri chfang, welcher von dem kaiserl. spisce Faotte, as, wie die Werften und die kapische Flotte, unter der Admiralität steht, verpachtet wird und Millionen von Rubeln abwirft. Die nächste Umgebung der Stadt ist mit Weinbergen und Gärten bedeckt. Der seit 1613 angepflanzte Weinstock and v vorzügliche Trauben, die dur ganz Rußland versendet werden. Man baut au ute Melonen, Wassermelonen, Rüben verschiedener rt, Pastinaken, Kohl, Kürbiffe, Gurken, Erdrauch, Zwiebeln, Meerrettich, Erbsen, Bohnen und Kartoffeln. Eigentlicher Ackerbau kann bei dem Mangel an Regen nicht gedeihen, und auch das Rindvieh liefert aus Mangel an gutem Futter schlechtes Fleisch, während das Hammelfleisch vortrefflich ist und neben Hans geftpe Wildbret und Fischen das Hauptnahrungsmittel bildet. Geschichtliches. Die Stadt A. war schon Mitte des 14. Jahrh. ein großer Ort, lag aber damals 11 km oberhalb und am westl. Wolgaufer. Die arab. ChadschTar nannten es ..7⁷ die Tataren Chad 5 andei 5t die Grusiner Chosar, die Italiener und andere Reisende Citracano. Im J. 1395 wurde A. von Timur Rekaut' später an seiner jetzigen Stelle wieder aufgebaut. Tiud Barbaro fand hier 1436 einen kleinen Flecken, dagegen Am-Ruse Contarini 1473 schon ein wichtiges, auch von Russen besuchtes Emporium, ausgebreiteten Handel mit Reis, Seide, Seidenzeugen und andern Geit 180 die über das Kaspische Meer kamen. eit 1480 war A. der Sitz eines eigenen tatar. Chans, und 1554 wurde es von Iwan Wasiljedie b II. erobert. Die Stadt hatte fe der noch viel durch innere Unruhen und Angriffe der Tataren sowie durch Seuchen und Feuersbrünste zu leiden und 1564 streiften die Osmanen Selims II. mit den krimschen Tataren bis vor A., mußten sich indes mit Verlust zurückziehen. Sodann wurde es 1667, von den Donischen Kosaken unter Stenka Radzin erobert. Feldmarschall Tscheremetjew dämpfte hier 1705 einen Aufstand der Strelitzen. Peter d. Gr. nahm A. zur Basis seiner Kriegsoperationen gegen Persien. Es erhielt hiermit eine polit. Bedeutung, die mit der Größe und dem Reichtume der Stadt zunahm, namentlich seit unter Alexander I. die russ. Herrschaft auf dem Kaspischen Meere eine festere Begründung erhielt. Auch unter Nikolaus und Alexander II. Wohls viel zur He⸗ —* der Schiffahrt und des Wohls der Stadt. strachan, auch Baranjen und Baranken, die zum edlern Pelzwerk gehörenden fein⸗ und krauswolligen Lämmerfelle von weißer, grauer oder .½7 Farbe, die aus dem südl. Rußland, der atarei und Persien, auch aus Polen, ommen. Astragãl (grch.) nennt man in dem Baustile der Antike und der Renaissance schmale, in halbrundem Cormn vortretende horizontale Glieder stabähnlicher orm, durch welche in der Höhenentwickelung aufeinanderfolgende Teile voneinander gesondert werden. Häufig ist dieser Rundstab (besonders beim ion. Stile) als Perlenschnur ausgebildet. tung aus der Familie der Schmetterlingsblütler. Die Arten derselben sind teils Kräuter, teils Halb-Batter: und Sträucher, Mach unpaarig gefiederte lätter und gestielte, meist achselständige Trauben, Ahren oder Köpfchen, einen röhrigen oder glockenörmigen, fünfteiligen, zweilippigen Kelch und zweirüderige Staubgefuße. Sie sind zwar über die ganze nördl. Halbkugel verbreitet, —2. vorzugsweise in Asien, namentlich im Orient zu Hause. Schon in Südrußland wachsen sehr viele Arten, besonders in den dortigen Grassteppen. Man — diese große Gattung in viele Gruppen eingeteilt. Davon ist die interessanteste Tragacant ha; dieselbe besteht aus lauter Halbsträuchern und Sträuchern, deren Blattstiele nach dem Abfall der Blättchen hanmn bleiben, verhärten und eine stechende Spitze bekommen. Die dazu gehörigen Arten wachsen alle in den Umebungen des Mittelländischen Meers und im Orient. rei, A. ereticus Lamł. auf Kreta und in Spanien, A. gummifer Labill. im Orient und A. verus Oliv. vom Libanon, schwitzen das berühmte Traganthgummi aus. (S. Traganth.) Unter den krautigen Arten verdienen der in fast ganz Europa, namentlich auch in Deutschland unter achsen und in Laubwäldern auf humosem Boden wachsende süßblätterige Traganth, A. glycyphyllos L., auch deutsches Süßhol genannt, und der in Südspanien heimische A.balticus L., Kaffeetragant tragelkaffee, eine besondere Erwähnung. Erstenannte Art ist eine perennierende Pflanze mit oft schr langen, kriechenden und kletternden saftvollen Stengeln und gelblichgrünen oder schmutzig violettgrünen Blüten. Stengel und Blätter enthalten ziemlich viel Zucker, weshalb sie süß, dem Süßholz ähnlich, schmecken. Kraut und Samen waren sonst unter dem Namen Herba und Semen Glycyrrhizae sylvestris offizinell. Der Kaffeetraganth, eine einjährige Pflanze mit niederliegenden, weichhaarigen Stengeln, gelblichen Blüten und dreikantig-prismatischen Hülsen wird bisweilen in Küchengärten kultiviert, weil seine erbsenförmigen Samen geröstet als Kaffeesurrogat benutzt werden können. Diese Pflanze erlangte Berühmtheit während der Napoleonischen Kontinentalsperre, wo man sie in Europa, auch in Deutschland viel kultivierte.