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HimmelskundeBrockhaus 1882

Astrologie (grch.) oder Sterndeutekunst — die trügerische Kunst, aus der Stellung der Gestirne künftige Dinge, besonders das Schicksal der Menschen berglanbend Sie gehört zu den ältesten Arten des Aberglaubens und kommt schon in den Büchern Mosis vor. Für die ersten Erfinder und Ausbilder dieser sog. Wissenschaft hält man allgemein die Agypter. Am dlseld der christl. Zeitrechnung verbreitete sich dieselbe auch nach dem Abendlande, besonders nach Rom. Bei den Römern spielten die Astrologen, von ihnen Chaldäer oder auch Mathematiker genannt, eine wichtige Rolle un 3Cenztsbef sich sehr lange, obschon sie öfters durch Senatsbeschlüsse und kaiferl. erordnungen bei Todesstrafe aus der Stadt und dem Reiche verwiesen wurden. Selbst Ptolemäus scheint, wie die ihm zugeschriebenen Schriften „Quadripartitumo und Centiloquiumo bezeugen, von astrol. Aberglauben nicht .1 geblieben zu sein. Vom 7. bis zum 13. Jahrh. betrieben die Araber die A. mit Acoum Eifer: besonders zeichneten sich Messa110— lbumasar, Ali ben-Rodoan, Alia ben-Ragel, Almansor, Zahel-Bebis u. a. aus. In den folgenden Jahrhunderten waren selbst die größten Gelehrten der A. ergeben, wie Regiomontanus, Stöffler, welcher eine Ausgabe der Schriften der vorüglichsten griech., röm. und arab. Astrologen besar te, und Hieron. Cardanus. Im 16. h. zeichnete se In Tucho⸗ im 17. Argold als Astrolog aus. Selbst Tycho de Brahe und Kepler konnten sich von der A. nicht ganz losreißen. Kepler mußte z. B. Kaiser Rudolf und auch Wallenstein das Kieder Aldend Das Kopernikanische System versetzte der A. den Todesstoß. Zwar fehlte es nicht an Versuchen, sie zu halten, namentlich gab sich Bapt. Morin (geb. 1583, gest. 1656), dessen KAstrologia Gallicas die cht einer 30jährigen Arbeit war, damit große Mühe; aber mit ihm ging die A. im Abendlande zu Grabe. Ihre Nichtigkeit 0 jetzt unter den christl. Völkern allgemein anerkannt. Zwar V ie noch im 19. Jahrh. in dem Schriftsteller J. M. Pfaff einen Anhänger gefunden, aber die Schriften +4 „Astrologies (Nürnb. 1816), Der Stein der drei Weisend (Bamb. 1821) und «Astrol. Taschenbuchb' (Erlangen 1823) sind völlig Idem vorübergegangen. Dagegen ist der Orient dem Glauben an die A. bis auf den heutigen Tag treu geblieben. In den astrol. Regeln, nach welchen das Schicksal der Menschen vorhergesagt wurde, spielten die sog. Häuser v Ganh Stellen des Himmels) eine wichtige Rolle. Man teilte nämlich den Aquator in 12 gleiche Teile und zog dann durch die Teilungs-Wierid und diejenigen beiden Punkte, in denen der eridian den Horizont schneidet, Kreise, welche die Oberfläche des Himmels in 12 Teile teilten, die man die himmlischen Häuser nannte. Das erste Haus, das im Osten zunächst unter dem Horizonte ag, hieß das Haus des Lebens oder das Horoskop, auch der östl. Winkel; das zweite war das Haus des Glücks oder des Reichtums; das dritte das Haus der Brüder; das vierte das Haus der Verwandtschaft oder der Himmelsgrund; das fünfte das Haus der Kinder; das sechste das Haus der Gesundheit; das siebente das Haus der Ehe oder der westl. Winkel; das achte das Haus des Todes oder die obere Pforte; das neunte das Haus der Religion; das hme das Haus der Würden und Kronen; das elfte das Haus der Freunde und Wohlthäter; endlich das zwölfte das Haus der Feinde oder der Gefangenschaft. Die Lage der 12 Häuser gegen den Horizont eines gegebenen Ortes der Erde ür eine bestimmte Zeit, z. B. für den Augenblick er Geburt eines Menschen, nannte man Thema Nativität). Die A. ist nicht nur für die Geschichte der Verirrungen des menschlichen Geistes von er-Zeit dirr nteresse, sondern hat auch in der ältesten eit die Auffindung der ersten eigentlichen Kenntnisse der Astronomie und die Erhaltung der astron. Schriften der Alten mit veranlaßt. Vgl. Maury, La magie et l'astrologie dans Lantiquité et au moyen-àgen (3. Aufl., Lond. 1863); Mensinger, «über ältere und neuere A.» (Berl. 1872). 4*

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 101Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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