Ausweichung (in der Musik). Das Fortschreiten der Harmonie von einem Accord zum andern überhaupt nennt man im weitern Sinne Modulation. Überschreitet dieselbe die Grenzen der Grundtonart, so wird sie zur A., Modulation im engern Sinne; zum übergange aber, wenn sie in einer andern Tonart schließt, als von der sie die . Drei Hauptwege namentlich stehen für die A. offen, die jedo der Willkür den freiesten Spielraum lassen zu zahllosen Modifikationen. Der erste führt durch den Quinten-oder Quartencirkel. So bequem als sicher, ist er Uberall ausreichend, wo es bloß gilt, eine Pause auszufüllen, und hat somit seinen praktischen Wert, z. B. für Organisten. Einen andern Weg bahnt der Umstand, daß jeder Accord in mehr als einer Tonart leitereigen (s. d.) sein kann, mit deren übrigen Accorden er sich leicht verbindet. So kann der D-moll-⸗Accord der Vermittler zwischen dem F-dur- und E-dur-Accord und deren Tonarten werden, da er mit dem letztern in A-moll, mit dem erstern in mehr als einer Tonart leitereigen ist. Bei der dritten Gattung der A. endlich ist es immer auf eine ÜUberraschung oder Täuschung des Gehörs abgesehen, und die Vieldeutigkeit gewisser abgeleiteter Accorde ist dabei ein Haupthebel. Die bedeutendste Rolle spielen namentlich hier die Accorde der verminderten Septime und der übermäßigen Sexte.