Bacchiglione, ein 130 km langer Fluß Venetiens, entspringt als Timonchio am Piano delle Fugazze (1164 m), tritt bei Schio in die Ebene, wird bei Vicenza schiffbar, nimmt hier den Namen B. an, vereinigt sich dann mit dem links aus Nord-Rlen vom Monte Pioverna kommenden Astico und theilt sich bei Padua in zwei Arme, von denen der nördliche in die Brenta, der südliche, kanalisierte, bei Brondolo, südlich von Chioggia, in den Golf von Venedig mündet. Baechius, ein den Büben Versfuß, aus einer kurzen und zwei langen Silben (— —) bestehend; nach ihm benannt ist der Bacchische Vers, meist in akatalektischen Tetrametern, untermischt mit Dimetern und andern kürzern Versen, und mit einem iambischen oder anapästischen Schlußvers vorkommend. Das Schema des bacchischen Verses ist: Er gestattet auch die 2n Ramen einer Länge in zwei n Due und hat seinen Namen von dem Gebrauch in Bacchushymnen. Besonders häufig wurde er von den röm. Komikern gebraucht. Baechus (grch. Bakchos), von den Griechen ge-Liber get Dionhsos, von den Römern auch Liber genannt, entweder ein ursprünglich thraz. oder den Gott, dessen Kult und —— frühzeitig von den Griechen InansSier und hauptsächlich im Gefolge des Weinbaues über ganz Griechenland, besonders unter der ländlichen Bevölkerung, verbreitet worden ist, oder ein von Haus aus griech. Gott, in dessen Mythen und Festgebräuche früh thraz., phryg., mit der Zeit Überhaupt vorderastat., ja auch ägypt. Elemente eingedrungen sind. Er ist der Gott des himmlischen und irdischen Nasses und des durch dieses und die Wärme der Sonne bedingten üppigen Naturlebens, insbesondere des feurigen Nasses des Weins, sowie der Wirkungen desselben auf Geist und Gemüt. Daher knüpft sich auch ein großer Theil der ihm zu Ehren gefeierten deeit namentlich in Attika, an Weinbau und Weinereitung. So an den Genuß des neuen Weins nach Vollendung der Weinlese und des Kelterns die ländlichen Dionysien in den attischen Demen im attischen Monat Poseideon (der ungefähr unserm Dezember entspricht); dann in der Stadt Athen das Fest Lenäa, d. h. das Kelterfest, im Monat Gamelion (unserm Januar); an den Anfang des Verzapfens des (ausgegorenen) Weins in Athen das Fest Anthestéria, d. i. Blumenfest, vom 11. bis 13. des Monats Anthestêrion (vom 7. Febr. bis 8. März). Auch die Sagen von der Einkehr des Gottes bei Oineus in Atolien und bei Ikarios in Attika, denen er den Weinstock schenkte, den Weinbau lehrte, die Auffassung des Gottes als des die Saden von und Befreiers überhaupt, sowie die Sagen von seinen —9 — Wanderzügen, auf denen er, umgeben von he Silenen und schwärmerisch begeisterten weiblichen Wesen (Mänaden und Thyiaden), alle Länder, in denen der Weinstock gedeiht, als Eroberer durchzieht, knüpfen an die spezielle Bedeutung des B. als Weingottes an. Diese Sagen wurden besonders seit der Eroberung des Orients durch Alexander d. Gr. weiter ausgebildet, indem man den Gott als Eroberer Indiens zum Vorbilde des großen Eroberers machte. Dionysos ist ein Sohn des Himmelsgottes und der Gewitterwolke oder der von ihrem Gemahl im Gewitterregen befruchteten Erdgöttin. Die poetisch umgebildete Sage machte ihn dann zum Sohne der theban. Königstochter Semele, welche ihn vom Götterkönig Zeus empfing, aber, da sie, durch den hinterlistigen Rath der Hera verleitet, den Zeus veranlaßte, in seiner göttlichen Majestät, unter Blitz und Donner, sich ihr zu nahen, noch vor der Geburt des Kindes den Tod fand. Zeus elbst soll hierauf die noch unreife Frucht in seine Hüfte verschlossen 51 und das nach erlangter Reife gewissermaßen zum zweiten Male geborene Kind (wovon man dann auch den Beinamen des Gottes, Dithyrambus (s. d.], ableiten wollte) durch den Götterboten Hermes den Nymphen zur Pflege und Erziehung übergeben haben. Dann aber wird B. auch Sohn des Zeus und der Demeter oder der Persephone genannt, in deren Geheimdienst (die sog. Mysterien) in Eleusis er als Knabe oder halbwüchsiger Jüngling erscheint und unter dem Namen akchos angerufen wird. Insbesondere unter dem Einflusse der Orphiker ist die dortige symbolische Darstellung der Mythen von Demeter, Kora und dem ihnen beigesellten Jakchos in der Art umgebildet worden, daß fortan tiefere Ideen und namentlich die Hoffnungen der Eingeweihten auf ein besseres Dasein im Jenseits sich daran knüpften. Die Orphiker nannten Dionysos Zagreus und bildeten auch die Mythen vom Tode des Gottes und seiner Rückkehr ins Leben in mystischer Weise aus und um. Sie erzählten, daß Zagreus von den Titanen zerrissen, dann aber Dionysos, da Zeus das Herz verschlungen oder der Semele gegeben habe, von neuem zur Welt gekommen sei. Ursprünglich liegt den Sagen vom Leiden und Sterben des Gottes und seiner Rückkehr ins Leben zunächst das Werden und Vergehen der Vegetation im Laufe des Jahres zu Grunde. In Delphi zeigte man im Allerheiligsten (Adyton) des Apollotempels das Grab des Dionysos, aber zur Zeit des kurzesten Tags, von dem an die Tage wieder anfangen arnaß ichn wurde bei Nachtzeit von den auf dem arnaß schwärmenden Chören der Thyiaden der tote Knabe wieder zum Leben zurückgerufen. Ahnliche nächtliche Feste wurden alle zwei Jahre auch in andern Theilen Griechenlands dem Gotte zu Ehren durch Frauen gefeiert, so in Orchomenos die Agrionia (s. d.) und auf dem böot. Gebirge Kithäron. Hier sollte der theban. König Pentheus zur Strafe dafür, daß er den Gott verfolgt, von den von bacchischer Raserei ergriffenen Weibern, die ihn für ein Tier hielten, darunter seiner eigenen Mutter, zerrissen worden sein. Solche Sagen knüpften offenbar daran an, daß es vorkam, daß die bis zur höchsten CEkstase aufgeregten und daher Mänades, d. i. Rasende, Gleinn da Frauen bisweilen lebende Thiere, wie Zicklein u. dgl., zerrissen, und daß dem Dionysos in den ältesten Zeiten, an manchen Orten wenigstens, sogar Menschenopfer fielen, wie denn der Gott auch den Beinamen Omestes, der rohes Fleisch Verzehrende, führt. Doch scheint es, daß die von Phrygien und Thrazien hereingedrungene, dem griech. Wesen eigentlich fremde abdentent⸗ Raserei in Griechenland schon früh in ein a henland Bett eingedämmt worden ist. In Griechenland klärte sich der dionysische Taumel zu dem schönen künstlerischen Enthusiasmus ab, in welchem sich die Verehrung des Dionysos zuletzt mit der apollinischen Begeisterung begegnete, und der gleich dieser ein Quell freilich etwas anders gearteter, mehr leidenschaftlich erregter künstlerischer und poetischer Schöpfungen wurde. ier, wo die Feste des Gottes zwar auch in aus-Lenannen aber doch nicht fanatisch 1.— Weise egangen wurden, entwickelte sich aus Bräuchen, bei denen ein mächtiger Phallus (das männliche Glied) als Symbol der Zeugungskraft der wiedererwachten Natur in Prozession einhergetragen und Lieder voll derber Obscönität und lustigem, 4 zügeltem Spotte gesungen wurden, allmählich die Kunstform der Komödie, während die andere Gattung der dramatischen Poesie, die Tragödie mit ihrem heitern Nachspiele, dem Satyrdrama, aus den wie der Gott selbst Dithyramben genannten Chorliedern, in welchen als Satyrn verkleidete Männer des Gottes Thaten und Leiden feierten, hervorgegangen Es geschah dies in Attika, wo dann namentlich 4 5 das Frühlingsfest des Gottes in Athen unter dem Namen der großen oder städtischen Dionysien etwa vom 9. bis 14. des Monats „Hedanzenn (März) außer mit festlichen Aufzügen, Gesängen u. s. w. mit dramatischen Aufführungen gefeiert wurde. Auf der durch ihren Weinbau berühmten Insel Naxos, wo der Sage nach Dionysos die von ihrem frühern Geliebten Theseus verlassene Ariadne, während sie am Gestade schlief (eine Personifikation der gleichsam im Winterschlafe liegenden Erde), überraschte und dann unter lautem Jubel des ihn begleitenden Thiasos als seine Gattin heimführte, wurde in besondern Festen einmal die verlassene Ariadne betrauert, dann ihre Vereinigung mit Dionysos gefeiert. Letzteres geschah auch an andern Orten, vor allem auf Kreta, wo das Fest die beod eines Hochzeitschmauses und den Namen Theodaisia (Götterschmaus) erhalten hatte. Nach Rom kam der Kult des B. oder, wie man ihn in Italien zuerst nannte, Liber, indem man ihn mit dem altitalischen Liber (auch Liber Pater) identifizierte, frühzeitig von den Griechen Unteritaliens, in Verbindung mit dem der Demeter und Persephone lital. Ceres und Libera). Schon 496 v. Chr. wurde den drei Gottheiten ein gemein-Diefel Tempel am Circus Maximus errichtet und ieselben seitdem sowohl in der Stadt Rom (wo man jährlich am 17. März das Fest der Liberalia —.4 als auch 2 dem Lande (wo man I n ere das Fest der Weinlese in ausgelassener Lustigkeit beging) verehrt. Erst weit später ward auch der ekstatisch-mystische Bacchusdienst mit seiner wilden Raserei über Italien verbreitet und gewann auch in Rom zahlreiche Anhänger, nahm aber bald den Charakter der ärgsten Unsittlichkeit und Zügellosigkeit an. (S. Bacchanalien.) Der in den Staatskultus aufgenommene und der vom Staate gestattete private Bacchusdienst dauerte daneben ie bildende Kunst stellte in der ältern Zeit den Dionysos als Mann in reiferm Alter dar, mit majestätischer Gestalt, reichem Haupt- und Barthaar, langer, manchmal fast weiblicher Bekleidung, einer Binde ums Haupt, in der Hand ein Trinkefäß oder eine Weinrebe oder auch den Thyrsos faroe öfters bequem gelagert. Daneben kam auptsächlich durch die jüngere attische Bildnerschule eine andere Darstellungsweise auf‚, welche den Gott, der gewöhnlich in lässiger Haltung bequem sich anlehnend dasteht, in jugendlichem Alter, mit weichen, druck r ießenden Körperformen und dem Ausdruck trunkener Schwärmerei oder einer unbestimmten Sehnsucht im Antlitz bildete. Bei dieser Körperbildung ist er gewöhnlich unbekleidet, ganz nackt oder hat auch i oder Rehfellchen, die sog. Nebris, um die Brust und manchmal trägt er an den Füßen Jagdstiefel (Kothurne), während das Haupt regelmäßig mit einer Binde oder einem Per den umgürtet ist. In der Rechten trägt er den Thyrsos mit dem Pinienapfel und lehnt sich häufig auf die Schultern eines Satyrs. Doch wurde auch in der spätern Kunst noch oft B. als reifer, vollbärtiger Mann dargestellt. Vgl. O. Müller, Denkmäler der alten Kunsto (2. Bearbeitung durch Wieseler, Bd. 2, Gött. 1860, Taf. 31—45); Conze, Heroen und Göttergestalten der griech. Kunst v (Wien 187⁴ Bacchhlides, ch. Dichter, geb. zu Julis auf acchylides, griech. Dichter, geb. zu Julis a der Insel Keos, lebte um die Mitte des 5. Jahrh. v. Chr. Er verließ frühzeitig seine Vaterstadt und brachte den größten Theil seines Lebens zuerst in Sicilien und später im Peloponnes zu. Er war ein Neffe des Simonides und Zeitgenosse des Pindar. Hiero von Syrakus, an dessen Hofe er lebte, schätzte ihn sehr hoch. Von seinen Dichtungen, Dithyramben, Hymnen, erotischen Liedern, Parthenien und andern bliehen darm sind nur wenige Bruchstücke übriggeblieben, darunter namentlich ein größeres, worin B. die Wirkungen des Weins reist, und ein solches von einem Hymnus an die riedensgöttin. Seine Gedichte zeichneten sich aus durch Reinheit und Glätte des Ausdrucks wie dur Zartheit der Empfindung und anmutige Darstellung; dagegen kann er sich an Tiefe und Originalitat mit Pindar nicht messen. Die gesammelten Bruchstücke stehen in Bergk's Poetae lĩyrici graecio (3. Aufl., Lpz. 1867); für sich allein ab sie Neue heraus (Berl. 1823) und mit deutscher Rebertragnng Hartung in den Griech. Lyrikern⸗ (Bd. 6, Opz. 1857).