Hexaméter, eine zuerst bei den Griechen in deren epischer Poesie vorkommende Versart, wegen dieser frühesten Anwendung auch heroischer Vers genannt, gehört zu den daktylischen Versen und besteht aus sechs Versfüßen, fünf Daktylen (—) und einem Spondeus oder Trochäus (— — oder —S). Die ersten vier Daktylen können beliebig durch Spondeen ersetzt werden, beim fünften Daktylus findet das nur selten statt; Verse letzterer Art pflegt man spondaici zu nennen. Das regelmäßige Schema eines H. ist also z. B. Sei mir gegrüßt min Berg mit 50 rötlich strahlenden 65511 Notwendig ist in jedem H. eine Cäsur (s. d.); die bei weitem häufigste ist die sog. männliche (Penthemimeres semiquinaria) nach der Arsis (s. d.) des dritten Fußes; seltener ist die trochäische oder weibliche Cäsur nach der ersten Kürze des dritten Fußes. Von dem epischen H. unterscheidet sich in einigen Punkten der in der lyrischen, namentlich bukolischen Poesie verwendete. Von den Griechen kam der H. zu den Römern, zuerst von Ennius angewandt, und verdrängte den alten volkstümlichen versus Saturnius vollständig. Fast alle modernen Litteraturen haben den Versuch gemacht, in Nachahmung der antiken Poesie den H. bei sich einzuweit dien es mußte dieser Versuch meist mißlingen, weil diese Sprachen die ½ auf welchen der antike H. beruht, nicht haben; die H. der modernen Litteraturen sind daher wohl Verse von sechs Füßen, verhalten sich aber rhythmisch gan anders als die antiken. Am besten ist dieser Versu im Deutschen gelungen, obwohl der Widerspru zwischen den Quantitätsverhältnissen der deutschen Silben und der eigentlichen Form des H. sehr fühlbar bleibt. Man glaubt Spuren der Nachahmung des lateinischen H. in deutscher Sprache schon im 12. Jahrh. zu finden. Die Anwendung desselben bis auf Klopstock behandelt Wackernagel, ⸗Geschichte des deutschen H. und Pentameters bis auf Klopstock'. Versuche, den H. durch feste Regeln, auch durch Abänderungen der deutschen Sprache anzupassen, wurden bis in die Mitte des 18. Jahrh. mehrere gemacht, namentlich auch von Gottsched; eine Abart des H. wendet z. B. E. von Kleist im «Frühlings an, wo dem sechsfüßigen Verse noch ein einsilbiger Auftakt vorangeht. Erst Klopstocks „Messiaso brachte die Form, in welcher der deutsche H. seitdem geblieben ist, zu größerer Geltung, nicht ohne Widerspruch verschiedener Dichter, z. B. Hagedorns. Voß' Homer-Üübersetzung, Goethes Hermann und Dorothead und andere Goethesche und Schillersche Dichtungen in diesem Versmaß machten den H. allmählich flüssiger und gewandter, sodaß derselbe jetzt in einer freilich von der antiken sehr abweichenden Form, deren Prinzip vorzugsweise die Betonung ist (jiebe Arsis muß zugleich die Tonsilbe des Wortes enthalten), in der deutschen Poesie fest eingebürgert ist.