FeedBach „Sebastian)
MusikBrockhaus 1882

Bach „Sebastian), der größte prot. Kirchenmusiker un Dranus Deutschlands, wurde als Sohn Ambrosius B.s (geb. 1645, gest. 1695), Hof-und Ratsmusikus zu Eisenach 21. März 1685 zu Eisenach geboren. Nach dem Tobe des Vaters (die Mutter war schon früher gestorben) kam er, noch nicht zehn Jahre alt, zu einem ältern Bruder (gest. 1721), Johann Christoph, Organist in Ohrdruf, wo er das Lyceum besuchte und von seinem Bruder Unterricht im Klavierspiel empfing. Durch Vermittelung des ohrdrufer Kantors Herda wurde er im Rahael- als Diskantist in den Kirchenmusikchor der Michaelisschule in Lüneburg aufgenommen. Von Lüneburg aus besuchte B. öfters Hamburg, Lübeck und Celle, welche Städte für Orgel⸗ und Dichnete Rrart für Oper⸗ und Konzertgesang 3e 5. Hofmm räfte besaßen. m J. 1703 wurde B. Hofmusikus (Violinist) in Weimar, 1704 Organist in Arnstadt, von wo aus er Ende 1705 eine Studienreise zu dem Orgelmeister Buxtehude nach Lübeck unternahm, 1707 Organist zu Mühlhausen, 1708 Hoforganist zu Weimar und 1714 zugleich auch Konzertmeister daselbst. Seine überragende Meisterschaft auf Instrumenten bewies er 1717 in Dresden bei einer merkwürdigen Gelegenheit. Es galt nämlich einen musikalischen Wettstreit mit dem weitberühmten franz. Klavier⸗ und Orgelvirtuosen Marchand als Herausforderer. Auf Veranlassung des sächs. Konzertmeisters Volumier wurde B. aus Weimar herbeigerufen. Nachdem sich aber beide Gegner gegenseitig sondiert, entzog sich Marchand dem Kampfspiele in eiliger, ser Flucht. Kaum nach Weimar zurückgekehrt, wurde B. noch 1717 vom Fürsten Leopold von Anhalt-Köthen als Kapellmeister berufen, und 1723 erhielt er die Musikdirektor⸗ und Kantorstelle zu Leipzig, in welcher er nun bis zu seinem Tode unter durchaus nicht glänzenden Verhältnissen verblieb. Ferner war er Titularkapellmeister des Herzogs von Weißenfels, und vom dresdener Hofe erhielt er 1736 die Würde eines königl. poln. und kurfürstl. sächs. Hofkompositeurs. Eine bisndere Auszeichnung ward ihm durch Friedrich d. Gr. zuteil. Dem öfters ausgesprochenen Wunsche e 1747 die förmliche Einladung zu einem Besuche nach Potsdam, wo B. vom König mit großen Chrenbezeigungen aufgenommen wurde. Ein von diesem aufgegebenes Thema zum Phantasieren arbeitete B. alsbald kunstmäßig weiter aus und übersandte es ihm als »Musikalisches Opfergedruckt. B. starb 28. Juli 1750 3 Leipzig. Durch Lehre und Vorbild erzog B. einen Stamm vortrefflicher Komponisten, Orgel⸗ und Klavierspieler, der sich uber ganz Norddeutschland, zunächst durch Sachsen und Tharingen verbreitete und unter denen mehrere seiner Söhne hervorragen. So bedeutend indessen der Einfluß B.s in Theorie und Praxis auf den Gang der musikalischen Kunst und Wissenschaft war, so it es doch noch mehr der reiche Schatz seiner Kompositionen an sich, wodurch er sich das Andenken der Nachwelt gesichert hat. Wegen der hohen kontrapunktischen Kunst, des edeln Gehalts und des Auerpinas Ernstes derselben ist das Studium dieser allerdings nicht leicht faßlichen Werke höchst ½ und bildend. Sie gehören zum Grundstamme des musikalischen Schatzes unserer Nation. d. diesem Sinne veranstaltete seit 1850 die Bachzesellschaft in Leipzig (in 0 ewe Weise wie die Swolle Ausgahe der aselbst) eine vollständige prachtvolle Ausgabe derselben, durch welche die erstaunliche Produktionskraft B.s erst recht zur Anschauung gelangt ist, namentlich sind seine Passionen, Messen und Kirchenkantaten dadurch allgemeiner bekannt geworden. Von den einzelnen Klavier- und Orgelwerken B.s erschienen bereits früher mehrfache Ausgaben. Vollständigere Sammlungen veranstalteten zuerst Peters in Leipzig (durch Czerny, Griepenkerl und Dehn) und Haslinger in Wien. Die in der neuesten Zeit wachsende Teilnahme an B.s Musik ist besonders durch die Bemühungen Mendelsohns angeregt worden. Durch des letztern Vermittelung wurde B. 1842 vor der ehemaligen Thomasschule zu Leipzig ein Monument errichtet. Die erste ausführlichere Biographie findet sich in Mizlers «Musikalischer Bibliotheko von 1754 (Bd. 4, Tl. 1). Die Verfasser derselben sind Agricola, ein Schüler B.s, und des letztern Sohn K. Ph. Emanuel. Diese Schrift ist eine Berzechuns Quelle, namentlich in Hinsicht auf das Verzeichnis von B.s Werken. Von diesen Werken erschienen bei seinen Lebzeiten im Druck: 1) Eine Sammlung der verschiedenartigsten Kompositionen für Klavier mit und ohne Pedal, unter dem Titel: «Klavierübungo (Tl.1 —4, herausg. 1726—42). 2) Musikalisches Opfero, ein Werk über ein von Friedrich d. Gr. erfundenes Thema, letzterm dediziert (gestochen Lpz. 1747). 3) (Die Kunst der Fuger (gestochen und nach seinem Tode 1752 herausg.). Sämmtliche Kirchenkompositionen für Gesang und Orchester und die meisten Instrumentalwerke hinterließ er ungedruckt. Dahin gehören: 1) Fünf Jahrgänge von Kirchenstücken auf alle Sonn⸗ und Festtage, darunter Oratorien auf Weihnachten, Ostern, Himmelfahrt und fünf Passionen. 2) Viele Messen, Magnifikat, einzelne Sanktus, Dramen, Serenaden, Geburts⸗, Namenstags- und Trauermusiken, Brautmessen, auch einige komische Singstücke. 3) Einige zweichörige Motetten. 4) (Das wohltemperierte Klavier (1. Tl., 1722; 2. Tl., um 1740). 5) Präludien und Fugen für Orgel, Choralvorspiele u. s. w. Außerdem eine Menge anderer Instrumentalsachen von allerlei Art und für verschiedene Instrumente. Eingehende Biographien sind geschrieben von Forkel (Lpz. 1803), Hilgenfeld (Lpz. 1850), Bitter (2. Aufl., 4 Bde., Berl. 1881) und Spitta (2 Bde., Lpz. 1873—80). Die Familie B.s stammt aus Preßburg in Ungarn und hat, außer den Söhnen des großen leipiger Kantors, noch mehrere in der Geschichte der Musit ausgezeichnete Mitglieder aufzuweisen. Heinrich B., geb. 16. Sept. 1615 zu Wechmar, seit 1681 Organist in Arnstadt, gest. daselbst 10. Juli 1691, war ein tüchtiger Orgelspieler, wozu er auch seine beiden Söhne erzog. Der eine, Joh. Michael B., wurde Joh. Sebastians erster Schwiegervater. Johann Christoph B., der andere der Brüder, geb. 8. Dez. 1642 in Arnstadt, seit 1665 Organist zu Eisenach, ist einer der größten Orgelspieler und Kontrapunktisten des 17. Jahrh. Er starb 31. März 1703. Seine Söhne Joh. Nikolaus und Joh. Christoph bildete er ebenfalls als Tonkünstler aus. Von den 11 Söhnen Wit Sebastian B.s haben besonders Bedeutung: Wilhelm Friedemann B., geb. 1710 zu Weimar, vielleicht der begabteste, war erst Organist an der Sophienkirche in Dresden, hierauf in Halle. Dann lebte er abwechselnd in Leipzig, Braunschweig, Göttingen und Berlin, wo er 1. Juli 1784 kümmerlich sein Leben beschloß. Seine nicht zahlreichen Kompositionen, Sonaten und Konzerte für Klavier, Orgelstücke und Kirchenmusik sind selten geworden. — Karl Philipp Emanuel B., geb. zu Weimar 14. März 1714, studierte in 8 Berl die Rechte, ging dann nach Frankfurt und Berlin, wo er 1740 Kammermusikus Friedrichs d. Gr. wurde und den König beim Flötenpiel auf dem Klavier begleitete; von hier kam er 1767 als Musikdirektor nach Hamburg, wo er 14. 1105 1788 starb. Eine Lebensbeschreibung, von ihm selbst verfaßt, Feie 1 in Burneys «Tagebuch einer musikalischen Reiseß (3 Bde., Lpz. 1772). Sein auptverdienst besteht in dher d auf das lavierspiel durch den „Versuch über die wahre Art, das Klavier zu spielen»(2 Bde., Lpz. 1787— 97), sowie durch seine eigene hohe Melsterschaft und eine Kompositionen. Die letztern, bestehend in hantasien, Sonaten und Rondos, haben durch Originalität und Frische in Stoff und Form einen bleibenden Wert. Von geringerer Bedeutung sind seine kirchlichen Kompositionen, worunter namentlich ein zweichöriges «Heiligo und ein Oratorium „Die Israeliten in der Wüster Berühmtheit erlangten. Vgl. Bitter, Karl 15 Emanuel und Wilh. Friedemann B. und deren Brüder » (2 Bde., Berl. 1868). —. che V. ge Christian B., der mailänder oder englische B. genannt, geb. im Sept. 1735, erhielt 195 musikalische Ausbildung in Italien und schrieb Opern und Gesangstücke. Er war seit 1754 Organist in Mailand, seit 1759 Kapellmeister in London, wo er 1. Jan. 1782 starb. — Johann Christoph Friedrich B., der bückeburger B. genannt, geb. 23. Juni 1732, gest. 26. Jan. 1795 als Kapellmeister des Grafen Wilhelm von Schaumburg zu Bückeburg, lieferte mehrere Kompositionen für das Klavier und verschiedene Gesangwerke, darunter ein größeres: „Die Amerikanerin ». — Wilelm Friedrich Ernst B., ältester Sohn des ückeburger B. und letzter Sprößling der Familie, geb. 27. Mai 1759, hielt sich eine Zeit lang bei seinem Onkel Christian B. in London auf. Nach dessen Tode X er 1798 die Stelle eines Kapellmeisters bei der Kapelle der Königin von Preuen an und wurde Musiklehrer der Kinder Friedrich Wil35 III. Nach dem Tode der Königin zog er ich zurück, er starb 25. Dez. 1845. Von breres wenig umfangreichen Kompositionen ist mehreres im Druck erschienen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 325Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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