FeedBeethoven (Ludw. van)
MusikBrockhaus 1882

Beethoven (Ludw. van), der größte deutsche Tondichter, geb. 16. . 1770 in Bonn, wo 2 er Zoham Ludwig van B. Kapellmeister, sein Vater Johann van B. Tenorist in der kurfürstl. Ka-Lale war, zeigte 2⁷7 ein auffallendes musikalisches Talent, aber trübe ndrücke von zerrütteten häusömier Verhältnissen machten B. schon als Knaben duster und verschlossen. Für seine Ausbildung ge111 von Haus aus nur das Notdürftige, auch der usikunterricht war ungeregelt, doch fand B. von anderer Seite Teilnahme und Förderung, namentlich bei der Familie von Breuning (seit etwa 1783). B.s erste Lehrer in der Musik waren sein strenger Vater und dann der Rent Wfelaen Seine musikalischen Leistungen zogen bald allgemeine Aufmerksamkeit und Bewunderung auf sich, vorne mlich seine schon damals glänzende dentiie im Klavierspiel, die mit einem außerordentlichen Talent — das freie Phantasieren verbunden war. Im rgelspiel wurde B. von dem Hoforganisten van der Eden und dem Musikdirektor Neefe ausgebildet und bereits 1785, nach dem Regiexungsantritte des Kurfürsten Max Franz II., als Hoforganist angestellt, während er im Orchester seinen Platz als Bratschist hatte. Eifrig mit Komponieren beschäftigt, versuchte er sich auch schon in größern Arbeiten, von denen ein Ritterballett und eine große Cantate namhaft gemacht werden. Eine Reise nach Wien im 97 1787, welche ihm eine flüchtige Begegnung mit Mozart verschaffte, führte zu keinem dauernden Aufenthalt. Bald nach seiner Rückkehr starb seine Mutter (Maria Magdalene, eborene Keverich aus Koblenz) und die häuslichen Iarnisse verschlimmerten sich. Däentschloß sich der Kurfürst auf Verwendung des Grafen Waldstein im Herbst 1792, B. auf mehrere Jahre nach Wien zu schicken, damit er dort unter Haydn seine Bildung vollende. Außer bei Haydn ri B. bei Schenk, dem Komponisten des «Dorfbarbier » Unterweisung, auch machte er nach Haydns renlche nach England 1794 bei Albrechtsberger einen theoretischen Kursus durch und erhielt von Salieri noch Anleitung zur Gesangskomposition. Durch die Empfehlungen des Kurfürsten wurde er in die aristokratischen Kreise eingeführt. Der Rabn K. ithehle nahm ihn in sein Hart Graf Rasumowsti stellte ihm sein Quartett, Fürst Lobkowitz seine Kapelle zur erfuůgung. So wurde B. bald heimisch in Wien, das er mit Ausnahme einer Reise nach Prag und Berlin 1796 und einer Badereise nach Teplitz 1812 nicht wieder verließ. Den Sommer brachte er gewöhnlich in der Nähe von Wien auf dem Lande zu, wo er in bescheidenen Verhältnissen und im ungestörten Genuß der freien Natur, die er leidenschaftlich liebte, Erholung und Anregung fand. Hatte B. bald nach seiner Ankunft in Wien als Virtuose den ersten Platz eingenommen, den er auch, namentlich 7 sein geniales freies Phantasieren, behauptete, solange er als Klavierspieler sich hören ließ, so trat er gleich mit dem ersten größern Werke, das er veröffentlichte, drei Klaviertrios, 1795 ebenbürtig und vollberechtigt in die erste Reihe der 1 Komponisten. Von da an gab eine lange Rei e mannigfacher Kompositionen Zeugnis von der stetigen, nach allen Seiten vordringenden, in Form und Inhalt Rechmm fortschreitenden, durch unerschöpflichen Rei berraschemde tneuer Erfindungen immer wieder überraschenden Entwickelung seiner künstlerischen Schaffungskraft. In einem fast planmäßig erscheinenden Entwickelungs-Form bemächtigte sich B. zuerst der verschiedenen ormen der Kammermusik von der Klaviersonate mit und ohne Begleitung, welche er zu ihrer vollen künstlerischen Bedeutung ausbildete, bis zum Quartett (deren er 16 geschrieben hat), um das un diesem Gebiete Gewonnene auf die se Jommom ik zu übertragen, und bildete die gesamte Instrumentalmusik in einem großen Stile aus. it 3 Kus. Hand ergriff er alle Mittel des musikalischen Ausdrucks, welche Mozart und Haydn überliefert hatten, und erweiterte und bereicherte sie, indem er ihren Gehalt entsprechend vertiefte. Mit vollendeter Frei-Dan im Ausdruck des auchen Form wie in der andhabung der musikalischen Formen vereinigte er ein feines Gefühl für das charakteristisch Ausdrucksvolle des Klanges, welche den einzelnen Instrumenten selbständige Bedeutung verlieh. Mit der dritten Symphonie, der Eroicas (1804), der großen Leonoren-Ouverture ½½ den drei russ. Quartetts (1806) ist diese Richtung vollständig entschieden, welche von da an in jeder neuen Komposition „Eymuhon sich ausspricht. Namentlich dre es die Symphonien in B-dur (1806), in Cmoll, ie Pastorale (1807—8) und dann die in A· dur und F-dur (1812), welche wie Marksteine den Gang des Meisters bezeichnen. Ihnen reihen sich die großen Konzerte für Klavier und Violine an. Auch auf dem Gebiete der Gesangmusik blieb B. nicht unthätig. Neben Liedern und kleinern Stücken schrieb er 1803 die Cantate Christus am Olberg und 1805 folgte die Oper Fideliov, welche damals und in abgekurzter Form 1806 wenig Erfolg hatte, aber 1814, teilweise umgearbeitet, Beifall und von da an einen dauernden Platz auf allen deutschen Bühnen errang. Es war die erste Leistung der deutschen Oper seit Mozarts Zauberflöte »„welche eine weitere Entwickelung derselben ankündigte. Leider kam B., trotz wiederholter Anläufe und Entwürfe, nicht wieder dazu, eine Oper zu schreiben. Die beiden Festspiele, welche er zur Eröffnung des Theaters in Pest 1812 komponierte, «König Stephanv und «Ruinen von Athenv, können nicht als Opern gelten. Zur dramatischen Musik gehören auch noch das Ballett „Die Geschöpfe des Prometheus v (1801), die Musik zu Goethes Egmont (1810) und die Ouverture zu Collins (Coriolanv (1807). Als 1809 B. als Kapellmeister des Königs von Westfalen nach Kassel berufen wurde, traten der Erzherzog Rudolf (B.s Schüler und zeitlebens sein Freund), Fürst Lobkowitz und Ruend Kinsky zusammen und sicherten ihm ein Jahrgeld von 4000 Fl. egen die einzige Bedingung, Osterreich nicht zu verlasen. Zwar schmälerte der Staatsbankrott 1811 und der bald darauf eingetretene Konkurs des Fürsten Lobkowitz wie der Tod des Grafen Kinsky dieses Einkommen, doch nehen es dem in der Vollkraft des Schaffens stehenden Künstler eine unabhängige Stellung. Das Kongreßjahr 1814 fand ihn auf der Höhe seines Ruhms: großartige Aufführungen seiner siebenten und achten Sympho nie, der Schlachtsymphonie und einer Gelegenheits cantate, Der glorreiche Augenblickv, die Wiederauf Celchr des Fidelior, hatten ihn zu einer populären Celebrität Wiens gemacht. Allein B. war nicht im Stande, eine solche Anerkennung vollkommen zu empfinden, da sich eine schon früh zeigende Hart. örigkeit seit 1802 zu einem hohen Grade von Taubit gesteigert hatte. Das trotz aller Heilversuche immer wachsende Übel verdüsterte seinen Sinn, machte ihn mißtrauisch und ließ ihn vereinsamen. Eine neue Quelle von Widerwärtig eiten und Kümmernissen entstand 1815, als er die Erziehung des von seinem verstorbenen Bruder Karl hinterlassenen Sohnes übernahm. Seine äußern Verhältnisse ver-Die Erneun sich, selbst seine Produktion stockte. ie Ernennung des Webbr W. Rudolf zum Erzbischof von Olmütz, welche 1818 bekannt wurde, erregte in B. den Gedanken, zu dessen Installation eine Messe zu schreiben; die Komposition, welche er mit der hingebendsten Begeisterung ausführte, ruher ihn bis 1822 in Anspruch. Während eine früher für den Fürsten Esterhäzy komponierte Messe (1808) im wesentlichen den Haydn-Mozartschen Charakter esthält, sind in diesem neuen Werke, das der Aus4 den Mitteln und Intentionen nach die ewöhnlichen Dimensionen überschreitet, die re igiöaber auch in einer stark subjektiven Weise ausgesprochen. Nach Vollendung dieser Missa solemnisy machte sich B. mit gleichem Eifer an die Ausführung eines lange gchenten Plans, einer Symphonie, deren letzter Satz mit Chören über Schillers Lied an die Freude Tenfalls Anfang 1824 war auch dieses Werk, das ebenfalls durch usdehnung und technische Schwierigkeiten, namentlich in den Gesangspartien, ungewohnte Ansprüche machte, vollendet. Diesem folgten, zum Teil unter schweren körperlichen Leiden geschrieben, ret große Quartette, welche auch heute noch mehr ein Gegenstand des Studiums als des allgemeinen Genusses sind. B. starb 1—. längern Leiden 26. März 1827. Denkmäler von B. befinden sich in Bonn Eerz tatue von Hänel, errichtet 1845) und Wien (von Zumbusch, 1880). Die sämtlichen Werke B.s erschienen im Verlag von Breitkopf u. Härtel in Leipzig (24 Serien, 1862—64). Ein chronol. Verzeichnis der Werke B.s veröffentlichte Thayer (Berl. 1865), ein thematisches mit histor. Nachweisungen über die Entstehung lieferte Nottebohm (Lpz. 1868, 2. Aufl. des frühern Breitkopf u. Härtelschen Verzeichnisses). Litteratur: Wegeler und Ries, „Biographische Notizen über B.» (Kobl. 1838); Schindler, «Biographie von L. van B.v (Münst. 1838; 3. Aufl. 1860) Lenz, «B., eine Kunststudier (5 Tle., Hamb. 1860); Marx, «L. van B. Leben und Schaffen v (Berl. 1859; 3. Aufl. 1875); Ulibischeff, B., ses von Bischoff, Lpz. 1859); Nohl, B.s Lebenv (3 Bde., Wien u. Lpz. 1864—77); de elbe, B., nach den Schilderungen seiner Zeitgenossenv (Stuttg. 1877); Nottebohm, «Ein Skizzenbuch von B.v (Lpz. 1865); derselbe, Beethoveniana v (ELpz. 1872); derselbe, „B.s Studien (Bd. 1, Lpz. 1873); Thayer, Ludwig van B.s Lebenv, deutsch von H. Deiters (3 Bde., Berl. 1866—79); von Breuning, Aus dem Schwarzspanierhause. Crinnerungen an B. y (Wien 1874).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 685Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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