FeedBachtijari
ErdkundeBrockhaus 1882

Bachtijari, ein unter eigenen Häuptlingen stehendes Nomadenvolk des % Persien von etwa „½ Mill. Seelen, in den östl. Thälern der Provinzen Luristan und Chusistan, teils 56 teils kurdischer Abstammung, abe meman wohl ein Hauptteil der den Kurden nahe verwandten Luris. Die B. sprechen einen Dialekt des Kurdischen und sind nach J. ** reine Kurden; sie sind ein überaus kräftiger, abgehärteter, 4 . schwarzhaariger Menschenschlag. Durch die zurücktretende Stirn und den hohen Hinterkopf unterscheiden sich die B. von den übrigen Persern. Sie zerfallen in drei große Horden, diese wieder in Tirs und die letztern wieder in Familien. Den Sommer verbringen sie in Zelten, den Winter aber in den Thälern in Dörfern zu 20—30 Hütten oder in Höhlen. Ein Stamm, die Dschamikis, baut Tabak und verorgt damit ganz Chusistan. Die Hammel des arktes in Iepahan werden im Sommer von den B. geliefert. Die B. sind kaum mehr als dem Namen nach Unterthanen des Schah; nur zum Teil sind sie zum Militärdienste herangezogen. Sie bekennen sich zum Islam und sind ein unruhiges, kampf⸗ und händelsüchtiges Volk, das gern die Karawanen beraubt; aber ihre offene und freie Gast-Dtien dere sticht schroff gegen das höfliche, falsche esen der eigentlichen Perser ab. Im westl. Afghanistan nennt sich B. auch ein Stamm der Hezaréh, mongol. Abstammung. — Von dem 1500 km langen, die Südwestseite des iran. Plateau begrenzenden Gebirgszuge bildet der im Westen von Ispahan gelegene Teil das Bachtijarigebirge, im Altertum Zagros genannt, mit dem zu 4267 m Höhe eschätzten Alidschuk. Hier sollen die schmalen und hohen Plateaulandschaften die besten Sommerweiden in ganz Persien bilden. malige Residenz des Tataren-Chans der Krim, Stadt im russ. Gouvernement Taurien, an der Eisenbahn von Losowo nach Sewastopol, 32 km im SW. der jetzigen Hauptstadt Simferopol, liegt in einer erten Fn 7 km langen, engen, aber wohlbewässerten Kalkschlucht, teils an den Ufern des in die Katscha Zeenn Bachs Tschiruk-su, teils an den schroffen Felswänden seines Thals, welches bloß fur eine lange, schmale Hauptstraße Raum gestattet. Obwohl die alte Pracht üder Suud verschwunden und nur der dritte Teil der Stadt den währt sie doch immer noch das Bild einer echten Tatarenstadt. Ihr Ursprung ist unbekannt; als Residenz des Chans erscheint sie seit dem letzten Viertel des 15. Jahrh. Die Häuser der Stadt I.. gruppenweise an und über den Windungen es Bachs. Dazwischen liegen terrassierte Fruchtgärten und Weinberge, an, 110. hr von Cypressen und Schwarzpappeln, 110 Brunnen, in welche das Wasser durch unterirdische Röhren aus den Bergquellen geleitet wird. Ungefähr in der Mitte steht der ehemalige Residenzpalast des Chans, Chan-Serai, mit seinen Gärten und Weinpflanzungen, luftigen Galerien, Marmorfontänen und Prunkgemächern, alles in phantastischer Pracht und buntestem Glanze. Eine hohe Mauer und die gegen die Außenseite Front machenden Gebäude selbst chließen das Ganze klosterartig ab. Der Palast, gegenwärtig die Residenz des russ. Kommandanten, 1519 vom Chan Abdul-Sahal Gerai erbaut, ward auf Befehl der russ. Re ierung durch den Architekten Elson restauriert un Aun in seiner orient. Pracht erhalten bleiben. Im Krimkriege diente der alast als Militärhospital. B. zählt 11015 CE., Odem sich 6 Tataren, da es von Katharina II., nachdem sich Chan Sahin Gerai 1783 unter russ. Schutz gestellt, das Vorrecht erhielt, ausschließlich von Tataren bewohnt zu weren. Früher gab es in B. Kolonien von Griechen und Armeniern, die aber auf Einladung Potemkins 1779 an das Asowsche Meer und den Don übersiedelten und dort Mariupol und Nachitschewan gründeten. Jetzt leben nur wenige Griechen, Armenier, Zigeuner und Juden der Karaitensekte hier. B. hat 2800 Häuser, 35 Moscheen, worunter die Dshuma-Dshami, vom Chan Selamit Gerai 1737 —43 erbaut, die bedeutendste ist, 3 christl. Kirchen, 1 Kloster, 1 Synagoge und Betschule der Karaiten und 2 mohammed. Schulen. In der langen Straße entwickelt sich aller Handel und Gewerbebetrieb der faltunen Bevölkerung. Man fertigt in 32 Manualturen berühmten roten und gelben Saffian, Lichte und Seife ken, Ochuhe, ten, Schafpelze, Mäntel aus Schaffellen chuhe, Messerschmiedewaren u.s.w. Auch baut man Tabak und Gemüse: B. ist der Stapelplatz und das Depot für Früchte, Tabak, Flachs und Korn des Umlandes sowie tatarischer Kunsterzeugnisse. Nahe östlich liegt Tschufut-Kalé oder Dschufut-Kalé, d. h. die Judenburg, die frühere Hauptstadt der karaitischen Juden in der Krim, ein nur auf steilem Felspfade von B. aus zu erreichender Ort, von hohen, größtenteils aus dem Felsen gehauenen Mauern umgeben, in dem jetzt nur fünf Karaitenfamilien leben. Berühmt ist die alte Synagoge, in der eins der ältesten Manuskripte des Pentateuch aufgefunden worden ist. Gegenüber liegt in der Mitte eines steilen Bergs das Kloster der Himmelfahrt Mariä, nebst seiner Kirche aus Felsen gehauen und auf Säulen gestützt. Bemerkenswert sind noch in der Umgegend von B. die Ruinen der schlama Sommerresidenzen der Chane, Chani-El, Aschlama und Alma-Serai, die Vorstadt Eski-Jurt mit alten Mausoleen und Tepekermen mit seinen Höhlen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 328Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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