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ErdkundeBrockhaus 1882

Beduinen (entstanden aus dem grab. Bedawi, Plur. Beduän, d. i. Bewohner des flachen Landes oder der Wüste) ist der allgemeine Name, mit welchem von den Europäern alle diejenigen Stämme und Völkerschaften belegt werden, welche in den Wüstenlandschaften Arabiens und der benachbarten Ländergebiete sowie in den weiten Gebieten des Innern von Nordafrika ein ungebundenes patriwohnen ug Hirten⸗ und Räuberleben führen. Sie wohnen stammweise in Zelten oder Hütten zusammen; die Dörfer stehen unter Scheiks, ein Stamm von 40—50 Zeltdörfern unter einem Kadi, welcher gleichzeitig Tan und Heerführer ist. Die B. führen die lange Lanze, Flinte und den an der innern Seite geschärften krummen Patagan, sind gute Reiter, tapfer, aber wild und barbarisch; auf Rh Raubzügen nehmen sie für mehrere Wochen ehl und geröstetes Getreide auf dem Pferde mit. Anfänglich wurde der Name B. nur den nomadisierenden Bewohnern der arab. Wüsten, insbesondere des Plateau von Nedschd zuerteilt, im Geensatze zu den Ackerbau oder Handel treibenden ewohnern der Städte (den Hadesi). Doch schon im Altertum verbreiteten sich wandernde Horden arabischer B. und mit ihnen der Name über die syr. und ägypt. Wüste, später, •2 dem Untergange der alten Kultur, in Syrien, Mesopotamien und Chaldäa, zuletzt mit der Eroberung Afrikas durch die moslem. Araber im 7. Jahrh. auch über dieses und die große Wüste vom Roten bis zum Atlantischen Meere, die ihnen zu einer andern Lab, Urt ward. Es haben somit Beduinenstämme arab. Ursprungs ein Gebiet eingenommen, das von der We tgrenze 65510 bis zum Atlantischen Ocean und von den ebirgen Kurdistans bis zu den Kulturstaaten der Negervölker des Sudan reicht. Doch sind sie in diesen weiten Regionen nur in dem Bereich der eigentlichen Wüste die einzigen Gebieter, während in anbaufähigen Teilen, wie in Mesopotamien, Chaldäa, der syr. Grenze, ferner in der Berberei, den Nilländern und dem Nordrande des Sudan, neben und wischen ihnen auch Völker andern Stammes anfass sind. Namentlich in Afrika werden viele nomadisierende Stämme unter dem Namen B. zusammengefaßt, die keineswegs arab., sondern hamitischen Ursprungs sind, obschon dieselben teilweise im Laufe der Zeit die arab. Sprache angenommen haben und sich selbst für echte, aus Arabien stammende B. oder Araber (Arab, Plur. Urbän) fälschlich 8• Ur Über Lebensart und Sitte der arabischen B. s. Arabien.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 681Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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