FeedBaghirmi
ErdkundeBrockhaus 1882

Baghirmi, ein mohammed. Negerstaat in Centralafrika, zwischen Bornu und Wadai, südöstlich vom Tsadsee am Schari und dessen rechtem Seitenarme, dem Batschikam, von einem Umfange von etwa 183 404 km. Die Bevölkerung scheint kaum die Zahl von 1½ Mill. zu übersteigen, doch wechselt die Volksmenge häufig mit den Grenzen, die bei den Kämpfen mit den mohammed. Nachbarstaaten und den südlich angrenzenden Heidenvölkern bald sich erweitern, bald enger zusammenziehen. Ethnologisch muß das Hauptvolk, die Baghirmi, von den unterworfenen Negerstämmen wohl geschieden werden. Die Sprache des erstern, Tar Bagrimma genannt, ist mit dem Idiom der Bongo oder Dor auf dem südwestl. Rande des Tieflandes vom Bahr-el-Ghazal nahe verwandt, während die Sprachen der unterworfenen Stämme eine isolierte Stellung einzunehmen scheinen. Das ganze Land ist eine Ebene, etwa 310 m über dem Meere; nur die südöstl. Gegenden scheinen gebirgig zu sein. Der Boden ist teils Kalk⸗, teils Sandboden und bringt demgemäß Negerhirse oder Sorghum hervor. Außer diesen Hauptnahrungsmitteln werden Sesam und Bohnen gebaut, auch Baumwolle und Indigo. Die Regierungsform ist die absolute Monarchie, der Titel des Herrschers ist eBangav. Die Heeresmacht beträgt 10000 Mann Fußvolk und 3000 Mann Reiterei. Die Hauptstadt heißt Massenja. B. bildete bis gegen Ende des 16. Jahrh. einen Teil des Tündjurreichs, welches außer ihm Wadai und Darfur umfaßte, und gelangte durch den heidnischen Häuptling Dokkenge aus Kenga (östlich von Massenja) zur polit. Selbständigkeit. Nachdem der vierte Herrscher nach ihm, Abd-Allah, Mitte des 17. Jahrh., den Islam eingeführt hatte, stieg es unter den nachfolgenden 14 Königen zu beträchtlicher Ausdehnung und Macht, namentlich unter Mohammed-el-Amin; doch übte Bornu schon damals eine Art Oberherrlichkeit über B. aus. Mohammed-el-Amins Nachfolger, Burkomanda, konnte sich nur mit Hilfe Wadais seines aufständischen Fatscha oder Kriegshauptmanns entledigen und mußte sich seitdem zur Abgabe eines Tributs (Sklaven, Pferde und Hemden) an Wadai verstehen. Othman regierte unter beständigen Kämpfen bis 1844; sein Sohn Mohammed-Ibn Abd-⸗el-Kader war Sultan zur Zeit von Dr. als Aufenthalt im Lande (1852) und vor Nachtigals Aufenthalt (1876). Dieser, gedrückt von der Tributpflichtigkeit, reizte den jungen Herrscher Ali von Wadai 10 lange, bis derselbe ihn 1871 aus seiner Hauptstadt vertrieb und einen Onkel desselben, Abd-er-Rahman, an seine Stelle setzte. Seitdem residiert der entthronte Neffe an den sichern Ufern des Schari, bald zu Manjafa, bald zu Bugoman, von wo er Züge nach den südl. Heidenländern unternimmt, um sich Getreide und Sklaven zu verschaffen; in diese Lander hat er 1872 dem Dr. Nachtigal Reisen zu unternehmen gestattet. gl. H. Barth, »Reisen und Entdeckungen in Nord⸗ und Centralafrika in den J. 1849—555 (5 Bde., Gotha 1857—59); Nachtigal, Reise in die südl. Heidenländer B.s» (im 8. Bde. der 4Zeitschrift der Gesellschaft fr Erdkunden, Berl. 1873); derselbe, eSahara und Sudano (Bd. 1 und 2, Berl. 1879—82); Rohlfs, Quer durch Afrika (2 Bde.,

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 367Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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