FeedBaptisia
PflanzenreichBrockhaus 1882

Baptisia, eine von Ventenat benannte Pflanzengattung aus der Familie der Schmetterlingsblütler, deren Arten in Nordamerika wachsen. Es sind perennirende Stauden mit dreizähligen, selten Pehenden Blättern, einzelnen, in den Blattwinkeln ehenden oder in endständige Trauben gestellten Blüten und aufgeblasenen, kurzgestielten, mehrsamigen Hülsen. Eine Art, B. australis Rob. Br., von Ventenat zu Podalyria gerechnet, mit kahlen, saftvollen Stengeln, dreizähligen Blättern und langen Trauben großer, blauer Blumen, ist eine beliebte Zierpflanze der Gärten, die aen d andern, ebenfalls im Freien aushaltenden Arten durch Zerteilung der Wurzelstöcke vermehrt werden kann. den Blättern und — der in Nordamerika häufigen B. tinctoria Rob. Br. findet sich ein blauer Farbstoff, aus dem eine Art Indigo bereitet wird. Baptisma (grch.), Taufe; baptisieren, taufen. Me Meunt d. h. Täufer (vom grch. gamrigerv, taufen), nennt sich eine vielverzweigte christl. Sekte, welche die in den großen christl. Kirchengemeinschaften übliche Tamfe als ungültig verwirft und, im Gegensatze zu jenen, allein die wahre schriftscen Taufe zu haben behauptet. Mit den deutschen Wiedertäufern (s. d.) der Reformationszeit stehen sie ebenso — wie mit den Mennoniten oder Taufgesinnten (s. d.) in Zusammenhang, obwohl sich eine innere Verwandtschaft mit den erstern nicht verkennen läßt und namentlich in der neuesten Entwickelung des Baptismus immer unverhohlener zu Tage tritt. Eine allgemeine Charakteristik des Baptismus ist bei dem unaufhörlichen Auftauchen immer neuer Gestalten desselben schwierig, ja E unmöglich. Die L Heiliger chr Kindertaufe, als nicht begründet in Heiliger Schrift, ist nichts den B. Eigentümliches. Die Forderung, die Taufe nicht durch Be-Waser an; sondern durch Untertauchen in fließendes asser zu vollziehen, war wenigstens nicht von vornherein allen baptistischen Parteien gemeinsam und wird noch jetzt von einem Teile der amerikanischen B. nicht anerkannt. Die Gewohnheit, solche, die zu der Sekte übertreten, noch einmal zu taufen, scheint dagegen bei allen B. (im Unterschiede von den Mennoniten) sich vorzufinden, daher sie nach kirchlicher Anschauung allerdings wirkliche Wiedertänfer sind, obwohl sie ebenso wie die Wiedertäufer der Reformationszeit diesen Namen von sich ablehnen und alle, die nicht nach ihrem Ritus getauft sind, überhaupt als Ungetaufte betrachten. Zur leichtern Übersicht kann man den ältern und den neuern Baptismus . „ Der erstere hat seinen Ursprung in England genommen und behauptet, in ununterbrochener Tradition die von der alten brit. Kirche und nachmals bis auf Wicliffe im eheimen fortgepflanzten Grundsätze der apostolischen Zeit bewahrt zu Aafan Geschichtlich nachweisbar sind jedoch die Anfänge des engl. Baptismus erst seit 1618. Derselbe ist als eine vorgeschrittene Reformpartei aus den engl. Puritanern und Independenten hervorgegangen. Er teilt mit den übrigen Denominationen des engl. Protestantismus das vorherrschend reformierte Gepräge und bildet nur das der engl. Orthodoxie überhaupt eigentümliche starre 1 Bermff des Bibelbuchstabens, namentlich auch die Vermischung der Unterschiede zwischen Altem und Neuem Testament, bis zum Extrem aus. Einzelne aus dem Zusammenhange gerissene, meist mißverstandene Bibelstellen werden in einseitiger Weise in den Vordergrund des religiösen Bewußtseins geschoben und zu immer neuen Sekten-Im Zusammenhange damit steht die Geringschätzung der theol. Wissenschaft und der neuerdings immer entschiedener hervortretende pietistische Widerwille gegen jede feste äußere Glaubensnorm als eine Beeinträchtigung des allgemeinen Priestertums und der freien Schriftforschung aller Gläubigen. Infolge dieses, allen Formen des Baptismus emeinsamen religiösen Subjektivismus, der am Bibelbuchstaben nur eine scheinbare Schranke seiner Willkür findet, ist Lehre und Sitte der B. fortwährend im u begriffen, und namentlich in dem an religiösen bsonderlichkeiten baptisische Amerika kommen fast Voric Jahr neue baptistische iiche Gemeind zum Vorschein. Die erste baptistische Gemeinde in England wurde 1633 gegründet. Schon sechs Jahre später verpflanzte Roger Williams den Baptismus nach Amerika und stiftete dort den kleinen Staat Rhode-Island, der von Haus aus baptistisch gestaltet wurde. In England nach vorübergehender Duldung durch Cromwell als eifrige Revolutionäre verfolgt, wurden sie erst unter Wilhelm III. zugleich mit den übrigen Dissenters in die Toleranzakte von 1689 mit einbegriffen. Sie genießen seitdem gleiche Rechte mit den Kongregationalisten und Presbyterianern. Nach offiziellen Angaben besaßen 1872 die englischen B. 2612 Kirchen und 243 395 Mitglieder. In Amerika blieben sie lange Zeit hindurch fast nur auf Rhode-Island beschränkt und zählten noch 1707 erst 17 Gemeinden. Seit dem Unabhängigkeitskriege, an dem sie mit besonderm Eifer sich beteiligten, erfolgten massenhafte Übertritte zu ihrer Gemeinschaft, sodaß sie jetzt nächst den m Rordam die zahlreichste prot. Denomination in Nordamerika bilden. Die innere Entwickelung des Baptismus ntenta. die verschiedenen in der episkopalen und presbyterianischen Kirche Englands hervorgetretenen Richtungen in der Form von ebenso viel selbständigen baptistischen Sekten ab. Die beiden Hauptparteien, welche bis in die Ursprünge des engl. Baptismus hinaufreichen, sind die Particular-Baptists tists oder Free-Will-Baptists, auch arminianische B. genannt), von denen die erstern an der calvin. Prädestinationslehre festhalten, die letztern Gunere ebenso wie die Arminianer (s. d.) verwerfen. Erstere sind bei weitem die zahlreichern. In England bilden sie 12—1300, in Amerika an 8000 Gemeinden, während die Free-Will-Baptists in England nur 120, in Amerika gegen 1100 Gemeinden zählen sollen. Unter den Free-Will-Baptists haben ehenso wie unter den Arminianern liberale theol. Meinungen Eingang gefunden, und die Unitarier (s. d.) pflegen dieselben den Anhängern ihrer Grundsätze icha ählen; auch die Abneigung gegen die wissens haftliche Theologie ist bei den Universalbaptisten längst überwunden. Dafür trennte sich aber 1770 der orthodoxere Teil und bildete als General-Baptists-New-Connexion eine selbständige Kirchengemeinschaft mit einem eigenen, 1798 gegründeten theol. Seminar (Evangelical academy), jetzt zu Longhborough. Auch die Partikularbaptisten haben jetzt viel von der alten Schroffheit aufgegeben und besitzen blühende theol. Schulen und einige namhafte Gelehrte. Früher verwarfen diese B. jede Beteiligung an Staatsämtern und Kriegsdiensten, doch sind sie längst davon zurückgekommen; auch in ihren gottesdienstlichen Einrichtungen unterscheiden sie sich seit der Einführung des Kirchengesangs in nichts von den Presbyterignern. Dafür haben aber nach und nach eine ganze Menge kleiner Parteien sich ausgeschieden, in welchen die ganze Schroffheit des altbaptistischen Buchstabenwesens zum Ausdrucke kommt. An gehören die Sabbatarier oder Seventh-Day-Baptists, 1731 von Franz Bampfield gestiftet, welche statt des Sonntags den Sonnabend Waelt und die 1708 in Deutschland (Schwarzenau) gestifteten, seit 1719 nach Pennsylvanien übersiedelten Tunker, welche nur das Untertauchen der balken u in einen Flu oder Teich für schriftgemäß halten und daher selbst die an Erwachsenen vollzogene Taufe, wenn sie nur durch Besprengung erfolgte, wiederholen. Namentlich die letztere Partei, welche in Nordamerika über 50 Gemeinden zählt und sich für Ausbreitung ihrer Grundsätze sehr eifrig zeigt, hat die geittsbeschränkte Bibliolatrie, verbunden mit an Birthn Weltflucht, aufs äußerste getrieben. Dem Bi elbuchstaben georsam, ziehen sie in apostolischer Tracht, in groben öcken ohne — — umher und fordern von den (Vollkommenen» die Enthaltung von allen «welt-D Taufe Genüssen oder Beschäftigungen. Außer er Taufe und dem Abendmahle, das sie nachts als Jubwase ihrer Liebesmahle feiern, betrachten sie die Fußwaschung, die letzte Hlung und den Bruderkuß als Sakramente. Die Anhänger des Tunkertums rekrutieren sich fast nur aus den ungebildeten Klassen. Den Tunkers nahe verwandt sind die Weinbrennerianer (nach ihrem Stifter Weinbrenner genannt) oder Church of God und die Peyßelianer (von Konrad Peyßel, einem Deutschen, 1724 gestiftet), welche ebenfalls den Sabbat feiern, von den „Vollkommenen» die Ehelosigkeit fordern und zu Neu-Ephrata am Flusse Cocaldio ein großes Wiedertäuferkloster errichtet 1.34 Rls sind zu nennen die Hard-Shell-Baptists oder Anti-Mission-Baptists, eine Fraktion der Partikularbaptisten, wa alle kirchlichen Vereine, Missionen, Traktatgesellschaften u. s. w. verwerfen, weil dies dem göttlichen Ratschluß mit menschlichem Vorwitz vorgreifen heiße; die Seed-Baptists (Samenbaptisten) oder Snake-Baptists (Schlangenbaptisten), welche die Nichtprädestinierten für Nachkommen des Teufels und der Eva halten, und die von einem Müllerknecht Albrecht 1803 gestifteten Jumpers (Springer), eine Mischung von B. und Methodisten, welche 051 Namen von den heftigen Zuckungen der methodistischen Wiedergeburt haben und sich ihrer vollkommenen Sündlosigkeit rühmen. Wiederum benutzen andere Parteien den Bibelbuchstaben, um sich das Joch der reformierten Orthodoxie möglichst zu erleichtern. So die Reformed-Baptists oder Jünger Christis (Disciples), nach ihrem Stifter auch Campbelliten genannt, welche nichts als Glaubensvorschrift anerkennen, wofür sich nicht läßt, und statt jedes Bekenntnisses nur die Taufe I5 zur Sündenvergebung und Wiedergeburt. erner die sehr zahlreichen, aus B. und Presbyterianern hervorgegangenen Christend (Christian-Conn 14 n), welche die Lehren von der atage als keit, Hölle und Teufel, die Fest⸗ und Sonntage als schriftwidrig verwerfen, weder in der Taufe noch in der Ehe eine göttliche Anordnung sehen und allen Gemeindegenossen das Predigen gestatten. Endlich die Hhers rinciples-Baptists, welche ihr Glaubensbekenntnis in den Hebräer 6, 1. 2 aufgeführten sechs Punkten gapt der em finden. ie Gesamtzahl der amerikanischen B. 3 1. Mat 1870 rund 4 Mill.; doch sind in diese Zah wohl alle mit eingerechnet, die sich, auch ohne förmliche Gemeindemitglieder —* sein, zu den baptistischen Gottesdiensten halten. irkliche Gemeindemitglieder waren 1872 nach dem National Baptisto etwa 1½ Mill. Die Zahl der «Associationeno betrug um dieselbe Zeit 820, die der Kirchen 18 397, die der ordinierten Geistlichen 12013. Die Kirchenverfasdepe ist bei allen die wpeicher tede Mudel oder inependentische, nach welcher jede Einzelgemeinde vollkommen souverän ist und nur 30 freien Beratungen mit den andern, dem Bunde angehörigen Gemeinden zeitweilig die Bundesversammlungen beschickt. Als Gegengewicht gegen die allem Independentismus eigene Richtung auf fortwährende Sektenzersplitterung wurde schon 1813 in England die Baptist-Union gegründet, um alle Partikular- und Universalbaptisten, welche sich zu den gewöhnlich so bezeichneten evang. Glaubensartikeln bekennen, zu Wiamir Neb brüderlichen Verkehr und zu gemeinsamer Arbeit an der «Förderung des Reichs Gotteso zu vereinigen. Eine hnliche, nur noch umfassendere Tendenz hat die hauptsächlich unter bapwelche auf Grund von neun Artikeln die Kinder Gottesp aller evang. Denominationen umfassen will und sich neuerdings auch über Deutschland, Frankreich, Italien, die Schweiz und die Niederlande ausgebreitet hat. Mit Ausnahme der kleinen, bereits erwähnten Fraktion haben die engl. und amerikanischen B. für Unterdrückung des Sklavenhandels, äußere und innere Mission, Bibelverbreitung u. s. w. von jeher einen besonders regen Eifer an den Tag gelegt, und selbst unter den Genossen einer und derselben Denomination bilden diese christl. Liebeswerke das vornehmste Bindemittel. In dem Maße, als in allen diesen Kreisen auf die persönliche Gläubigkeit oder auf die «Kindschaft bei Gotto Gewicht gelegt wird, hat sich die kirchliche Engherzigkeit des ältern tismus gemildert, und deraugered unter dem Einflusse Robert Halls, eines der angesehensten Partikularbaptisten, hat neuerdings die Abendmahlsgemeinschaft mit gläubigen Gliedern anderer Kirchengemeinschaften (open communion) bei einem großen Teile der B. Eingang gefunden. Freilich ist diese offene Kommunion einer der Hauptstreitpunkte zwischen dem ältern Dertschlam Baptismus und den namentlich von Deutschland ausgegangenen Neutäufern, welche auf der geschlossenen Abendmahlsfeier (strict oder close communiom) bestehen, damit nicht die durch die baptistische Adendmaht in die Bemeinae Weltkinder durch das Abendmahl in die Gemeinde der Heiligen hineinkommen. Diese neutäuferische Richtung ist überhaupt sehr sorgfältig von dem ältern Baptismus zu unterscheiden. Sie ist ein Kind der jüngsten Vergangenheit und hauptsächlich aus der kirchlichen Reaktionsstim-Heimat ist Deutschland, und zwar fast mehr noch das lutherische als das ch erregten namentlich aber die schon längst pietistisch erregten Gegenden Westfalens, das Wupperthal und einzelne Striche von Hannover, Hessen, Nassau, Schleswig und Ostpreußen. Die erste Baptistengemeinde in Deutschland wurde 1834 vom Kaufmann Oncken in Hamburg gegründet, der sich mit einigen ihm verbundenen „Bibelleserno von der Verwerflichkeit der Kindertaufe überzeugt hatte und von einem zufällig nach Hamburg gekommenen amerikanischen B. die Taufev erhielt. Aber erst seit dem J. 1851 begann der Baptismus sich weiter zu verbreiten. Altluth. Separatistengemeinden und pietistische Konventikel, wie der 1850 zu Elberfeld gegründete Brüderverein, schieden immer aufs neue baptistische Gemeindlein aus sich aus, welche durch ihre unermüdlich thätigen Missionarer neue Anhänger um sich scharten. Ein5 Geistliche der Landeskirche traten zu ihnen über. Vornehmli Hanen sie jedoch Anklang unter den niedern Volksklassen. Die meisten deutschen Bap-Alaemeinen Wr sind Handwerker, welche kraft des allgemeinen Priestertums predigen, taufen und das Abendmahl reichen und durch Bibel⸗ und Traktatverteilung, Jünglingsvereine, Sonntagsschulen und erbauliches Bibellesen unter dem religiös erregbaren Teile ihrer Standesgenossen zahlreiche Anhänger werben. Der Grundzug dieses deutschen Baptismus ist der Gegensatz gegen die Erbkirchen oder „Allerweltskirches, in welcher Wiedergeborene und Unwiedergeborene unterschiedslos durcheinandergewürfelt sind, gegen die polizeilich privilegierte Staatskirche, welche von ihnen als Babel bezeichnet wird. Dafür wollen sie die sichtbare Gemeinde der Heiligen bilden, in welche nur Gläubige oder Kinder Gotteso aufgenommen werden. Aus diesem Grunde vornehmlich verwerfen sie die Kindertaufe und taufen keinen, von dessen persönlicher Gläubigkeit sie sich nicht durch sorgfältige Prüfung überzeugt haben. Obwohl sie nicht leugnen, daß auch außerhalb ihres Bundes Gläubige anzutreffen seien, betrachten sie doch sich lei als das auserwählte olk Gottes, als die auch leiblich sichtbare Gottesgemeinde. Für eine ihrer Hauptaufgaben halten sie es daher, die Landeskirchen von allen gläubigen Gliedern nach und nach zu entleeren, damit jene dann völlig als Werk des Teufels offenbar werden. Schon ihr offizieller Name Gemeinde der getauften Christen und die Unterscheidung When „Christeno und „Welt» oder gar zwischen Christen und Gottlosen, womit sie ihren Gegensatz zur Staatskirche andeuten wollen, beweist, daß der Mittelvunkt dieses Neubaptismus nicht die Taufe, sondern der pietistisch-independentistische Kirchenbegriff ist. n den Realtionsjahren schritt namentlich in lutherischen Ländern die von der den B. gegenüber eistig wehrlosen protestantischen Orthodoxie angetachelte Staatsgewalt mit Verfolgungsmaßregeln egen sie ein. In Mecklenburg wurden sie mit Geldrafen belegt, ins Gefängnis geworfen und mit Gensdarmen über die Grenze gebracht, in Schaumburg-Lippe die Teilnahme an baptistischen Versammlungen mit einem bis zwei Monaten, geistliche Amtsandlungen mit sechs Monaten Kerker bestraft. hnliches ges in Preußen, Kurhessen und Nassau. Während von allen Seiten Nachrichten einliefen von arsdiatent Flußtaufen bei Mondens 54½ von Laienredigten und Abendmahlsfeiern, bei welchen die eilnehmer sich gegenseitig das Sakrament reichten, ließen die Behörden die baptistischen Versammlungen schließen und auseinanderjagen, baptistischen Altern ihre Kinder gewaltsam entreißen und zum Taufbecken tragen. Seit 1854 nahm sich die Cvangelische Allianz der Gequälten an und erwirkte von König 3kme. W Wilhelm IV. die Zusage milderer Behandung. Wirkliche Duldung wurde ihnen aber in Preußen erst seit der Regentschaft (1858) zuteil, und seitdem schlug man auch anderwärts ein milderes Verfahren ein. Trotz aller Verfolgungen durch die Staatsgewalt hatte indes der Anhang der Täuferei immer mehr zugenommen. Die Anzahl der B. wurde 1854 auf ungefähr 5000 angegeben, sechs Jahre später schon auf nahe an 8000. Im J. 1862 zählten sie 47 Gemeinden in Deutschland; im ganzen etwa 760 «Stationeno auf dem europ. Kontinent. In Deutschland sind, außer in Westfalen und dem Tlt l„ Hamburg, Schleswig, Berlin, Memel, Tilsit, Hildesheim, Eimbeck, Marburg die wi tigsten Missionsplätze. Hauptmittelpunkt ist noch immer die hamburger Gemeinde. In Hamburg versammelt sich auch alle drei Jahre die Bundeskonbn der deutschen Vereinigung. Sie zerfällt wieer in vier kleinere Kreise, die preuß. Vereinigung, die nordwestliche, mitteldeutsche und süddeutsche. Die von dem Prediger Lehmann (gest. 1882) begründete berliner Gemeinde trägt mehr den ältern anglo-amerik. Charakter. In 90 en und dem Wupperthale hat der Baptismus dagegen besonders durch Köbner in Elberfeld, Rauschenbusch und Ringsdorf ein len N. ausgeprägtes schwärmerisches Erben dz erhalten. Mit der süddeutschen Vereinigung 1 ie 4 wie zu ar B. in Verbindung, deren ittelpunkt, wie zu Zwinglis Zeiten, Zürich ist. Dagegen wird die Mission in Dänemark und Schweden von Hamburg aus geleitet. In Schweden rekrutiert sich der Baptismus besonders aus den schon seit 1850 aus der Landeskirche massenhaft ausgetretenen Läsaren (s. d.). Daß die baptistische Propaganda in Deutschland und Skandinavien fortwährond an Boden gewinnt, zeigen namentlich ihre Fortschritte im Königreich Preußen; hier zählte man 1861 erst 5452 Anhänger der Sekte; 1875 betrug ihre Zahl über 12000 in 47 Gemeinden. Davon kommen eh 6000 auf die Provinz Preußen, 2000 auf Brandenburg, die übrigen auf Pommern, Schlesien und die Rheinprovinz. Mit dem engl. und amerik. Baptismus steht der deutsche, trotz der ursprünglich verschiedenen Grundstimmung, in engem erkehr, und namentlich jenseit des Oceans hat letzterer den Charakter einer schwärmerisch-reformatorischen Richtung innerhalb der ältern baptistischen Gemeinschaften angenommen, denen er den Vorwurf macht, daß sie den Bund mit Gott vielfach nicht innegehalten und die Weltlichkeit wiedereingeführt hätten in die Gemeinde der Heiligen. Um-Heie rt scheint aber auch der engl. und amerik. Einfluß hier und da auf die deutschen B. ermäßigend einzuwirken. Mit den Mennoniten, welche «alle besprengen»„ wollen die B., und zumal die deutschen, nichts zu schaffen haben: sie gehören ihnen gar nicht zu dem getauften Gottesvolk, sondern haben es ebenso wie die Lutheraner und Reformierten nur zu einer ababelhafteno Allerweltskirche gebracht. Aus der Litteratur über die B. sind hervorzuheben: Chosby, History of the English Baptistso (4 Bde., Lond. 1738 — 40): Backus, The history ofthe English-American Baptistso (2Bde., Boston 1777); Iriney, Mistory of the English Baptistso (Lond. 1811); Cox u. Hoby, «The Baptists in America) (Reuyork 1836); Cramp, (Geschichte des Baptismuso (deutsch von Balmer-Rinck, Hamb. 1873).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 457Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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