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ErdkundeBrockhaus 1882

Bautzen, bis 1868 offiziell Budissin (der wendische Name), die Hauptstadt der 1401. Mark. Kreis ams Vbertaus und des königl. sächs. Markgrafentums Oberlausitz, liegt auf einer im Westen von steilen Felsen umgebenen Anhöhe, an deren uße die Spree fließt, in 220, m Höhe, und beerrscht eine weite, meist ebene, nur im Suden von größern Bergen (Ausläufern der Sudeten) begrenzte Gegend. Die Stadt zählt (1880) 17 509 C. (ungefähr Protestanten und Katholiken), darunter viele Wenden. Sie ist der Sitz einer Kreishauptmannschaft, einer Amtshauptmannschaft, eines Landgerichts mit Schwurgericht eines Amtsgerichts, des kath. Domstifts zu St. Petri und des kath. Konsistoriums, des Landständischen Direktoriums und der Landständischen Bank owie einer Reichsbanknebenstelle, auch werden die Provinziallandtage der sächs. Oberlausitz in B. abgehalten. An höhern Unterrichtsanstalten besitzt B. ein Gymnasium, eine Realschule, ein . und ein kath. Schullehrerseminar, eine Handelsschule und eine Landwirtschaftsschule. Ferner befinden sich daselbst mehrere Ofentliche Bibliotheken, darunter die des wend. Bildungsvereins Macica Serbska, welche eine fat vollständige Sammlung oberlaus. und niederaus.⸗wend. Drucke enthält, ein Altertumsmuseum und eine Gemäldesammlung. Die der hervorragender, zum Teil sehr altertümlicher Gebäude ist in B. ½5 groß; namentlich sind zu nennen das Schloß Ortenburg, jetzt Sitz der meisten königl. Behörden, die landständischen und domstiftlichen Gebäude, bas Rathaus, Waisenhaus, mehrere Hospitäler, das Krankenhaus sowie, als Bauten der neuesten 5ei, das prot. Seminar, Gymnaium, das Regl⸗ und Bürgerschulgebäude, das heater, ein Garnisonlazarett und eine zweite Militärkaserne. In der neuesten Zeit ist eine neue nichtet wonden. A mit schönem Wasserturm errichtet worden. Auch die private Bauthätigkeit ist in der neuesten Zeit etwas reger geworden, und es 2e 11 die Stadt, namentlich seit Abtragung eines eils der Wälle, nach Ost und Südost zu nicht unbedeutend erweitert. Von Kirchen ist besonders die durch ein eisernes Gitter in einen prot. und kath. Anteil getrennte Hauptkirche zu St. Petri bemer- und je eine prot. und kath. Kirche, in denen vorwiegend wendisch gepredigt wird. Die industrielle Tuche, Strumpf⸗ und Lederwaren. B. hat stark besuchte wöchentliche Getreide-und Produktenmärkte Ama jährlich einen nicht unbedeutenden Wollmarkt. n größern Etablissements finden sich in der Stadt und Umgegend drei Papierfabriken (jetzt in eine Aktiengesellschaft vereinigt unter der Firma Vereinigte Bautzener Papierfabriken), eine Tuchfabrik, eine Kunstmühle, zwei Maschinenfabriken, drei Pulvermühlen, ein Kupferhammer, eine lithogr. Anstalt Etikettenfabrikation) und eine Flachsspinnerei. B. 6 eine Hauptstation der Sächsisch-Schlesischen asenbahnlinie Dresden-Görlitz, von welcher hier eine Linie über Wilthen abzweigt zur Ver indung mit der Südlausitzer, der Ha Nordbahn und der Sächsisch-Böhmischen Bahn bei Schandau. Fast um die ganze Stadt herum ziehen sich Parkanlagen und Alleen; die Umgegend bietet namentlich nach Südosten hin viele romantische Punkte, besonders den etwas km pon der Stadt entfernten, 539 m hohen Berg Czorneboh ber ehniscen Weneinen ehemaligen Opferplatz der heidnischen Wenden, benannt nach dem hauptsächlich dort verehrten Schwarzen Gott 0 orny Bob). Ungefähr 3 Kkm nordwestlich von B. liegt die herrnhuter Kolonie Kleinwelka (108 2 B. ist mutmaßlich 928 —. 930 ach l. 931 jedenfalls bestand es schon, als Heinrich I. 931 die unter Kui aft Lausitz errichtete, doch ward es erst unter Kaiser Otto I. Stadt und Feste. B. hat zahlreiche Kriegsdrangfale und Eroberungen zu bestehen gehabt, namentlich im Hussitenkriege, am meisten im Dreißigjährigen Kriege, währenddessen es mit der Lausitz an Sachsen kam, dann auch im Siebenjährigen und im Kriege von 1813. Vgl. Böhland, «Merkwürdige Schicksale der Oberlausitz und ihrer Hauptstadt B.o (Bautzen 1831); C. Wilke, « nn der Stadt B.y (Bautzen 1843); J. A. von Wagner, «B. und seine Umgebung» (Dresd. 1871). Die Kreishauptmannschaft (Regierungsbezirk) Bautzen, welche sich t ganz mit der sächs. Oberlausitz (. Lausitz) deckt, bildet den östl. Teil des Königreichs Sachsen, enthält 10 Städte und 490 Dörfer, und zerfällt in die vier amtshauptmannschaftlichen Verwaltungsbezirke: B., Zittau, Löban und Kamenz und umsaßt 2469,7 àkm mit (1880) 351 326 E., darunter etwa 49000 Wenden (ungefähr 80 Proz. Rrer Zeit et und 20 Proz. Katholiken). In neuerer Zeit erlangte B. historische Bedeutung durch die von den Preußen und Russen gegen Napoleon I. am 20. und 21. Mai 1813 gelieferte Schlacht bei Bautzen. Das Heer der Verbündeten hatte sich nach der Schlacht bei Großgörschen oder Lützen (2. Mai) auf das rechte Elbufer zurückezogen. (S. Russisch-Deutsch-Französischer rieg.) Napoleon ließ Ney über Torgau gegen erlin vorgehen, er eebi Lauriston und Reynier die Preußen und er selbst die Russen verfolgten. Am 8. besetzte Napoleon Dresden. inarre waren Barclay de Tolly mit 16000 Russen und General von Kleist mit 11000 Preußen beim verbündeten Heere ein ½½˙* das nun gegen 100000 Mann zählte und stark genug war, um angriffsweise vorzugehen; doch zog man eine Verteidi ungsschlacht in einer Stellung ei B. vor. Napoleon Amn dem Marschall Ney, seine Bewegung auf Berlin einzuber und über Hoyerswerda gegen die rechte Flanke er Verbündeten zu operieren, und begab sich von Dresden 18. Mai zur Armee, nachdem er die Division Fon zur Verbindung mit Ney entsendet hatte. Von seiten der Verbündeten wurden Barclay mit seinen frischen Truppen, eine russ. Grenadierdivision und das Vorksche Korps abgeschickt, um die Verbindung Neys mit Napoleon zu verhindern. Barclay vernichtete zwar am 19. größtenteils die Division Peri, Hork dagegen traf bei Weißig auf Lauristons überlegene Macht, und beide eilten in die Stellung von B. zurück. Die Hauptstellung der Verbündeten lag auf den Terrassen des rechten Spreeufers, links an die waldigen Berge gelehnt und durch Verschanzungen gedeät, der rechte Flügel, bei die Juablin durch Teiche und m äufe gesichert; die Flußlinie mit B. war dur ortruppen stark besetzt. Diese % te rechts Tschaplitz, im Centrum Kleist, links Miloradowitsch. In der Haupt-Wiunng, welche etwas zu ausgedehnt war, atten arclay den rechten Flügel, Gortschakow den linken Flügel, Blücher und Hork die Mitte besetzt; Groß-Aunt Konstantin mit den Garden stand in Reserve. m 20. früh begann die Schlacht. Napoleon griff die Flußlinie an und Miloradowitsch vorzeitig urück; um so Nacht Hamd verteidigte Kleist sich bel urg bis zur Nacht. Nach dem Ubergange oberhalb und bei B. ließ Napoleon seine Korps hnnn Par ren, Oudinot auf dem rechten 1 dann Macdonald, Marmont, Bertrand; als Reserve die Garden unter Mortier und zwei Kavalleriekorps. Die Angriffe Oudinots auf die Höhen von Hochkirch Entrümr wegen des schwierigen Terrains, im entrum war die Spreelinie genommen, auf dem linken Flügel nahm die Vorhut Neys den Ubergang bei Klix, ohne ihn jedoch zu überschreiten. Die franz. Armee biwakierte in Vierecken wegen der zahlreichen feindlichen Reiterei. Napoleon hatte sein Hen in uartier in B., die verbündeten Monarchen in zurschen, wonach die Haupt ebenfalls benannt wird. Am 21. war die Hauptschlacht. Oudinot Berlmi wiederum unausgesetzt und unter großem erluste gegen die Höhen; der Kaiser versagte ihm Unterstützung, weil die Amten Klge durch die drei Korps von Ney auf dem linken Flügel gegeben werden sollte. Bis dahin wurde im Centrum nur ein Artilleriekampf geführt. Als Ney endlich eintraf, griff er Weitiz Barclay in der rechten Flanke an; er nahm Preititz und die Höhen von Gleina. Napoleon ließ jetzt unter Soults Oberleitung die Kreckwitzer Höhen im Centrum, den Schlüssel der Stellung Blüchers, stürmen. Nach furchtbarem Kampfe, in welchem auch Vork einrückte, wurden dieselben genommen. Ney stand schon in der rechten Flanke, und es war die höchste Gefahr vorhanden, von dort her umfaßt zu werden. Die verbündeten Monarchen wurden durch Knesebeck von der Notwendigkeit des Rückzugs überzeugt und dieser nun meisterhaft ausgeführt, ohne daß ein Geschütz verloren ging. Der Verlust der Franzosen wird auf 20000 Mann, der der Verbündeten auf 12—13000 Mann angeeben. Napoleon konnte wegen Mangel an Kavalerie den Sieg nicht uach Görli verfolgen. Die Verbündeten wichen nach Görlitz zurück, worauf 4. Juni zu Prischwitz (s. d.) Waffenstillstand geschlossen wurde. Vgl. Meerheimb, Die Schlachten bei B. am 20. und 21 Mai 1813 (Berl. 1873).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 611Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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