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ErdkundeBrockhaus 1882

Bamberg, Stadt im bayr. Regierungsbezirk Oberfranken, vormals die Haupt- und Residenzstadt eines reichsunmittelbaren Hochstifts, liegt auf fünf Hügeln in einer reizenden und fruchtbaren Gegend, durchschnitten von der sich hier in drei Arme spaltenden und schiffbaren Regnitz, etwa 5 km oberhalb deren Mündung in den Main und an der Staatseisenbahnlinie Nürnberg-Hof, von welcher hier die Ludwigs-Westbahn über Schweinfurt nach Würzburg u. s. w. abzweigt. Die Stadt hat (1880) 29587 E., darunter nur etwa 2900 Protestanten und 850 Juden, und ist der Sitz eines Erzbischofs mit Domkapitel, eines Oberlandesgerichts, eines Landgerichts, des Appellationsgerichts für Ober— Beits und seit 1873 auch für Unterfranken, eines ezirksgerichts, eines Stadtgerichts undeiner Reichsbanknebenstelle. Außerdem befinden sich zu B. ein Lyceum, ein Gymnasium, ein Klerikalseminar, ein seit 1873 paritätisches Schullehrerseminar mit einem großen, 1872—73 erbauten Schulhause so- wie eine Gewerbs⸗ und Handelsschule. Das Lyceum ist aus der 1585 als ein Gymnasium academicum gestifteten, 1647 von Bischof Otto in eine Akademie verwandelten, 1648 eingeweihten, 1735 diz. Falutüt erweiterten, 1803 aber auge obenen von Bischof Friedrich Karl durch die jurist. und me-Universität hervorgegangen. Unter den lungen für Wissenschaft und Kunst steht obenan die ehemalige bischöfl., jetzt königl. Bibliothek von uber 100000 Bänden mit einem großen Schatze von Handschriften und alten Drucken und den Hellerschen Autendolleg für Kunstgeschichte im ehemaligen Jesuitenkollegium. (Vgl. Jäck, Beschreibun der Bibliothek zu B.v, 4 Bde., Nürnb. 1831—34. Auch die physik. Sammlung und das Lindersche Naturalienkabinett in demselben Gebäude sind beachtenswert. Die städtische Gemäldegalerie auf dem Michaelsberg umfaßt 200 Bilder untergeordneten Werts. Zu den Sehenswürdigkeiten deborn vor allem die von Kaiser Heinrich II. 1004 begründete, 6. Mai 1012 geweihte, durch Bischof Otto den Heiligen (1102—-39) 190 dem Brande von 1081 in ihrer gegenwärtigen Gestalt neuaufgebaute Domkirche mit vier Türmen, welche bis auf den letzten Stein vollendet ist und zu den schönsten Denkmälern aus der Übergangsperiode vom roman. zum got. Baustil gehört. Sie ist 108 melang, 31,5 mbreit und umschließt, außer zahlreichen ältern und neuern Werken der Kunst, besonders der Plastik, die Grabmäler Heinrichs II. und seiner Gemahlin Kunigunde, Konrads III., des Papstes Clemens' II. und Grabdenkmäler im Dome zu B.o, Bamb. 1827.) Sonst sind von merkwürdigen Gebäuden noch zu nennen: das ehemals fürstbischöfl. Residenzschloß auf dem Petersberge, welches 1698 1708 von Lothar Graf von Schönborn erbaut wurde und seit 1863 von König Otto von Griechenland und dann von dessen Witwe bewohnt wurde, mit öffentlicher Bibliothek, Archiv und naturhistor. Sammlung; die Kirche zu Unserer Lieben Frau oder Oberpfarrkirche, 1327—87 erbaut, aber nicht ganz vollendet, mit alten Gemälden und Skulpturen und einem von Veit Stoß 1523 verfertigten Altar; die St. Jakobskirche, welche dem 1073 vom Bischofe Hermann gestifteten, 1803 aufgelösten Stifte St. Jakob gehörte; die schöne ehemalige Universitätskirche, welche 1686—1720 von den Jesuiten im neuröm. Stil erbaut wurde und jetzt der Pfarrei St. Martin gehört. Andere Kirchen sind die zu St. Ganolf und zu St. Stephan. Letztere wurde 1808 den Protestanten überlassen. Die reiche ehemalige Benediktinerabtei St. Michaelsberg mit der St. Michaelskirche (in welcher das Grabmal Ottos des Heiligen) ward 1803 zum Versorgungshaus für arme Bürger (Ludwigshospital) und die dazu gehörige Propstei St. Getreu zur Irrenanstalt 15 Ka. wandelt. Andere aufgehobene Klöster sind als Kasernen oder zu andern Zwecken benutzt worden. Ein Militärlazarett wurde 1874—75 erbaut. Nur das Institut der Englischen Fräulein mit auch die Erziehungsanstalt, dem in neuerer Zeit auch die Leitung des Waisenhauses und die Häuser für verwahrloste Knaben und Mädchen überlassen wurden, hat sich aus früherer Zeit erhalten. Auf dem Platze vor dem ehemaligen Residenz — e steht das 1865 errichtete Denkmal des Fürstbischofs Franz Ludwig von Erthal (gest. 1795) und auf dem Schießhausplatze die von Zumbusch in Wien gefertigte, 30. Nov. 1874 enthüllte Kolossalbüste Joh. Lukas Schönleins ** in B. 1793). Auch J. Camerarius wurde hier geboren. Eine 1874 neuhergestellte Wasserleitung mit zwei Hochreservoirs ver-Conversations-Lexikon. 13. Aufl. II. — die ganze Stadt mit Wasser. Der linke Arm der Regnitz wird durch eine steinerne und drei erst in neuerer Zeit erbaute eiserne Brücken überschritten; uber den rechten Arm führt die Sophienbrücke und seit 1829 eine stattliche, 70 m lange Kettenbrücke. Ouadt an und Handel haben sich bei der Lage der Stadt an der schiffbaren Regnitz und an dem hier ausmündenden Ludwigskanal sowie in-Namentlich 54 dies vom Transit, der schon er nicht ohne Bedeutung war. Unter den größern Fabriketablissements ist eine Baumwollspinnerei mit 1500 Arbeitern hervorzuheben; ferner 5 Tabaksfabriken, 2 Eisengießereien, 2 Holzgalanteriewarenfabriken, 1 Seidenzwirnfabrik, 1 Tuch Färberei, Bleicherei und Appreturanstalt. Tuchfabrikation und Bierbrauerei werden stark betrieben. Einen Hauptnahrungszweig der Stadt bildet aber die blühende Gärtnerei, welche besonders Süßholz Hr sehr bedeutender Quantität), weiße und gelbe Ruüben, Anis, Obst, Koriander und Sämereien für die Ausfuhr liefert. Die Umgebung von B. gleicht einem großen Frucht⸗ und uns, arten. Die Varkanlagen des Theresienhains, südlich von der Stadt, am Ludwigskanal, bieten angenehme Spa-Altoahur. Die 2 Em oberhalb der Stadt gelegene lltenburg, deren Turm eine der schönsten Aussichten in Franken gewährt, gilt für das öm der alten Grafen von Babenberg, wo 1208 König Philipp von Schwaben von Otto von Wittelsbach ermordet wurde. Durch jene Burg der Babenberge ward im 9. Jahrh. die Erbauung der Stadt B. und deren Name veranlaßt. Das Bistum Bamberg wurde 1. Nov. 1007 von Kaiser Heinrich II. Rate dessen Kanzler Eberhard ward als erster Bischof eingesetzt. Kaiser Heinrich hatte B. 995 von seinem Vater, dem Herzoge gaiser von Bayern, geerbt, welchen letztern der Kaiser damit beliehen. Damals wie später übten die Kaiser und Päpste längere Zeit bedeutenden Einfluß auf die Wahl der Bischöfe von B., bis 1398 das Kapitel Bisht e Wahlfreiheit erlangte. Die Regierung der Bischöfe zu B. wurde nur einmal gestört, als w1435 die Bürger der Stadt sich An sammenrotteten und mit Gewalt den Bischof Anton von Rotenhahn vertrieben. Durch die Reformation, welche der Bischof Weigand von Redwitz (1522—56) vergebens zu hindern sich bemühte, verlor das Bistum mehr als die Hälfte seiner Besitzungen und war seitdem sehr oft mit Würzburg unter einem Bischofe vereinigt. Große Verdienste um B. erwarben sich in den letzten Zeiten die Bischöfe Lothar Franz, Graf von Schönborn, — 17²9 Phil. Karl, Graf von Schönborn, gest 1746; Phil. Ant. von Frankenstein, gest. 17⁵3; Adam Friedr., Graf von Seinsheim, gest. 1779; vor allen Franz Ludw. von Erthal, gest. 1795. Zufolge des Luneviller Friedens wurde auch das Bistum B., das damals 65 Q.⸗Mln. mit 20000 E. umfaßte, säkularisiert, Pfalzbayern Bischof, und der letzte, der Zahl nach 61. Fürst-Bischof, Christoph Franz von Buseck (gest. 5. Okt. 1805), mit 40000 Fl. pensioniert. Infolge des 11 en Bayern und dem röm. Stuhle 1817 abgeschlossenen Konkordats wurde B. zum Erzbistum erhoben und ihm die Bistümer Im Mai Eichstädt und Speier untergeordnet. Im Mai 1854 fanden zu B. Beratungen der Vertreter der deutschen Mittelstaaten wegen des Anschlusses an das österr.⸗preuß. Bündnis vom 20. April 1854, die sog. Bamberger Konferenzen, statt. Vgl. Jäck, „Geschichte B.8v (4 Bde., Bamb. 1806—9); desselben Lehrbuch der allgemeinen Geschichte B.5e (2. Aufl., Bamb. 1820); desselben Bambergische Jahrbücher von 1741— 18335 (5 Bde., Bamb. 1829 — 34); Eisenmann, „Geogr. Beschreibung des Erzbistums B.» (Bamb. 1833); (Monumenta Bambergensias (herausg. von Jaffé, Berl. 1869); 4B., zuverlässiger Führer durch

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 416Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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