FeedBeaucaire (Ugernum)
Handwerk & GewerbeBrockhaus 1882

Beaucaire (Ugernum), Handelsstadt und berühmter Meßort Frankreichs, im Depart. Gard (Nieder-Languedocs, 24 kmöstlich von Nimes, am rechten Ufer des Rhne, gegenüber Tarascon gelegen, mit dem es seit 1829 durch eine 520 m lange Boaen ruber und einen 597 m langen, auf acht ogen ruhenden Viadukt in Verbindung steht. Die Stadt ist Stationsort der Linie Tarascon-Cette der Mittelmeerbahn. Außerdem steht B. durch Tarascon mit der Lyon-Marseiller Bahn und durch den 47 km langen Kanal von Aigues-Mortes, also auf al aalei Weise mit dem Mittelmeer, durch den Kanal 10 eich auch mit dem Südkanal und außerdem durch mehr als 30 Dampfboote mit Lyon in Verbindung. Die sonst gutgebaute Stadt hat enge Straßen, eine hübsche Parochialkirche, ein Theater und zählt (1876) 7956 (Gemeinde 8777) E., welche eine ziemliche Gewerbthätigkeit entwickeln und wichtigen Transithandel betreiben. lüber dem Meßplatz (Champ de foire) am Rhöne erheben sich die Ruinen eines Felsens Enaber das einst den Grenzposten der Provence gegenüber bildete. Die altberühmte Magdalenenmesse von B., angeblich 1217 vom Grafen Raimund VI. von Toulouse gestiftet, wird urkundlich erst 1315 erwähnt. Ihre Dauer ist durch bis 28. Juli festgesetzt. ern Zeiten wurde die Mese. die volle Abgabenfreiheit genoß, von Kaufleuten und Fabrikanten aus allen Ländern Europas, aus der Levante und selbst aus Perien und Armenien besucht. Die Aufhebung der bgabenfreiheit seit 1632, die Kriege mit dem Auslande, sowie die zu Marseille, Lyon und andern großen Städten errichteten Warenlager, verringerten schon im 17. Jahrh. die Wichtigkeit und den Einfluß der Messe auf Frankreichs Handel sehr bedeutend. Noch mehr sank der Handel Bis durch die Revolution. Der Handel des Platzes beschränkt lud jetzt hauptsächlich auf Seide und Seidenfabrite, Nmes-Shawls, Leinen, Tuch, Rouenneries, Leder, Wolle und Baumwolle, Wein, Branntwein, Olivenöl, Mandeln und andere Südfrüchte, Spezereien, Parfümerien, Materialwaren. Der Warenwiesse während der Messe, die auf der Magdalenenwiese am Rhöne abgehalten wird, ist auf 30 Mill. Frs. herabgegangen. B. hatte unter den Römern als Castrum und Stationsort an der (1731 entdeckten) en Led Straße von Nemausus (Nimes) nach talien Bedeutung, wie die aufgefundenen Säulenapitäle, Statuen, Mosaiken und andere Altertümer bezeugen. Im Mittelalter war der Ort eine Gaafen und wurde mit seinem Gebiete Erblehn der rafen, dann des Erzbischofs von Arles, unter dessen Rebeaßen es später auch die Grafen von Touloufe besaßen, die es wieder an die Vizegrafen von Narbonne zu Lehn gaben. Im 12. rh. der 2 die schon ansehnliche Stadt in den Schriften er Troubadours und Romanzendichter eine Rolle. — J. 1215 wurde B. von dem Erzbischof von rles dem Verfolger der Albigenser, Simon von Montfort, übergeben, aber 1216 vom Grafen Raimund VI. genommen, welcher die Bürger für ihre Treue mit Bestätigung und Vermehrung ihrer Privilegien belohnte; 1226 eroberte König Ludwig VIII. die Ketzerstadt, die seitdem der Sitz eines Seneschallats mit weitem Gebiete wurde, das sich bis zur Revolution erhielt; 1576 wurde sie einer der den 9 . bewilligten Sicherheitsorte. In den Hugenottenkriegen hatte B. viel zu leiden, und 1632 zerstörte Richelieu das Schloß weil bessen Garnis on Partei für den Herzog von Montmorency ergriffen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 653Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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