Berey, früher großes Dorf mit 15 000 E. im franz. Seine-Departement, unmittelbar im Südosten vor den Thoren von Paris am rechten Ufer der Seine, welche 155km aufwärts die Marne aufnimmt und von einer Kettenbrücke überspannt wird. Der Ort ist seit 1860 mit Paris vereinigt und innerhalb der Enceinte gelegen; er bildet einen Teil des 12. Arrondissements, besitzt viele Destillationen, Fabriken fur Essig und chem. Produkte, Zuckerraffinerien u. s. w. und ist besonders wichtig als das Hauptdepot der für Paris bestimmten Weine und Branntweine, welche zum großen Teil zu Wasser herbeigeführt werden und in den Niederlagen, die sich längs der schönen Kais hinziehen, in ungeheuern Mengen aufgespeichert liegen. Das Schloß zu B. wurde gegen Ende des 17. Jahrh. von Levot nach Mansards Malan dan erbaut; es gehörte der Waber Le Malon, dann der Familie Nicolai an, ist aber später niedergerissen worden. Berdan-Gewehr, ein von dem nordamerik. General Berdan angegebenes und 1871 in Rußland eingeföhrtes Gewehr, auch Berdan Nr. 2 genannt, im Gegensatz zu einer ältern Konstruktion desselben Erfinders. Das B. hat einen Cylinderverschluß und Schlagbolzenschloß mit Spiralfeder, ist ein Selbstspanner und bedingt daher nur zwei Ladegriffe. (S. Berdera, Stadt im Somalilande, s. Bardera. Berditschew, Berdyczew, Kreis- und Handelsstadt des russ. Gouvernements Kiew, am Gnilopjat und an der Eisenbahn Kiew-Brest, 145 km südwestlich von Kiew, unweit der Grenze Volhyniens, zu welchem sie geschichtlich gehört, ist Privateigentum der Fürsten Radziwill und zählt 54051 E., darunter 50000 Juden mit 5 Synagogen, 52 Bethäusern und 100 jüd. Schulen. Die Stadt hat breite Straßen, große Plätze, stattliche Häuser, einen Kaufhof, eine Börse, viele Warenlager und Läden, vier russ. Kirchen, eine prot. Kirche, eine kath. Kirche, ein Karmeliterkloster, ein jüd. und ein christl. Hospital und ein Theater. Außer einem blühenden Handwertshetrieß unterhält die Bevölkerung zehn Tabaksfabriken, Fabriken in Seifen, Parfümerien, ½ Ol, Wachs, Leder u. s. w. Außerdem der Mittelpunkt des südrufs. Handels nach eutschland über die galiz. Judenstadt Brody (260 km im Westen). Den Handel betreiben nur die Juden, welche Aufkäufe in allen Häfen, auf allen Märkten machen und die Waren nach den Städten und Dörfern des Gouvernements Kiew, in Podolien und Volhynien ausführen. Der Ort selbst hat zwei Wochen- und fünf Jahrmärkte, die wichtigsten 12. Juni und 15. Aug. Hauptgegenstände des Handels sind Pelze, Seiden⸗, Galanterie⸗, Glas⸗, Eisen⸗ und Holzwaren, Salz, Fische, Getreide, Rübenzucker, Hornvieh und namentlich auch Pferde. Der ganze Handelsumsatz beläuft sich jährlich auf 40 Mill. Rubel. B. wurde 1320 vom Großfürsten Gedymin dem litauischen Grafen Tyschkewitsch geschenkt. Gegen Ende des 16. Jahrh. erbaute der Wojwod von Kiew, Janusch Tyschkewitsch, hier ein Schloß und 1627 ein Karmeliterkloster, welchem er 1630 das Schloß schenkte. Im J. 1647 wurde das Kloster vom Hetman Chmelnißki einenommen und geplündert; die flüchtigen Wenche ehrten erst 1663 nach B. zurück und umgaben ihr Kloster, zum Schutze gegen die Tataren und Kosaken, mit Mauern und Gräben. Am Anfange des 18. Jahrh. kam B. in den Besitz der Familie Sawischa und von dieser durch einen Heiratskontrakt an die Fürsten Radziwill. Während der poln. Herrschaft (bis 1793) gehörte B. zur Kijowschen Woewodstwo (Kiew). Im Konföderationskrieg setzte sich 1768 Kasimir Pulawski, nach der Einnahme von Bar, mit 700 Mann im Kloster fest, mußte aber nach 25tägiger Belagerung kapitulieren. Berdjansk, aufblühende Hafen⸗ und Handelsstadt im russ. Gouvernement Taurien, an der Nordwestküste des Asowschen Meers, an dem nach ihr benannten Liman oder am Mündungsgolf der Berdjanka und an der Basis der nach Süden vorspringenden Landzunge oder Kosa-Berdjanskaja unter 46* 45 nördl. Br. und 54 27“ östl. L. gelegen, war 1827 noch ein unbedeutendes Dorf, das sich durch die Bemühungen des Fürsten Woronzow entwickelte und 1835 zur Stadt, 1842 zur Kreisstadt erhoben ward. Die Stadt hat zwei — Kirchen, ein eis ein jüd. und ein karaitisches Bethaus eine Kreisschule, eine öffentliche Bibliothek, ein Zollamt, ein Theater, unterhält 6 6. Ihre Bede und 29 Ziegeleien und zählt 14608 E. Ihre Bedeutung verdankt sie ihrem Hafen, dem besten des Asowschen Meers. Die Reede zwischen der Küste und der Landzunge ist ganz frei von Untiefen, hat guten Ankergrund und unweit vom Ufer 4 m, weiter hinaus 5—7 m Tiefe, ist auch gegen alle Winde, außer dem Süd⸗ und Südwestwind, geschützt, versandet aber allmählich und muß daher von Zeit zu Zi. weiter in das Meer laufenden kremd werden. Die Zahl der jährlich einufenden fremden Schiffe beläuft sich auf 360, die der russ. Küstenfahrer 1 ˙* Der Ort hat jährlich drei Jahrmärkte. Die Hauptgegenstände der Ausfuhr sind Getreide, Talg, Wolle, 55 Häute, Salz; der Einfuhr hauptsächlich Kaffee, Ol, Oliven, frische und trockene Früchte, Pfeffer u. s. w. In B. ist die Hauptniederlage des krimschen Salzes. Auf der Landzunge liegen drei Salzseen, in denen jährlich an 100000 Pud Salz gewonnen werden.