Berg, vormals ein selbständiges Herzogtum Ducatus Montensis), jetzt ein Teil der preuß. heinprovinz, wird im W. durch den Rhein von dem ehemaligen Erzstift Köln geschieden, an welches es zum Teil auch im S. grenzt. Im O. grenzt es an Nassau-Siegen oder den jetzigen Siegener Kreis, an das Herzogtum Westfalen und an die Grafschaft Mark; im N. an das Herzogtum Kleve, und der Rhein trennt es von dem Fürstentum Mörs. Es ist das das Wur Fabrikland Deutschlands, und namentlich das 479 (s. d.) mit Elberfeld (s. d.) und Barmen (s. d.) zeichnet sich durch seine industrielle . keit aus. Das ganze Land ist bergig, hat Überfluß an Eisen, Blei und Steinkohlen, erzeugt aber lange nicht so viel Getreide, als die Volksmenge bedarf, die nirgends in Deutschland auf gleichem Raume so dicht ist. Zur Zeit der Römer war das Land von den Tencterern bewohnt, die sich unabhängig erhielten, bis sie in der Zeit der Völkerwanderung unter den ripuarischen Fahrb. verschwanden. Seit dem Anfang des 12. Jahrh. regierten einen Teil des nachmaligen Herzogtums B. besondere Grafen aus dem Geschlechte der Grafen von Teisterband, von denen Adolf und Eberhard, Ritter von Altena genannt, von Kaiser Heinrich V. 1108 zur Belohnung ihrer Kriegsdienste zu Grafen von dem Berge und Altena h wurden. Ihre Nachkommen vermehrten ihre Besitzungen durch Erbschaft, Schenkungen und auf andere Weise, bis Adolfs III. Söhne dieselben teilten; Engelbert erhielt B. und Eberhard Altena. Durch Heirat kam das Land hierauf, nach dem Erlöschen des gräfl. berg. Mannsstammes, 1219 zuerst an den Herzog Heinrich IV. von Limburg, und nach dem Aussterben von dessen Geschlecht, 1348, 1, deise durch Heirat an Gerhard in We von Jülich, dessen Sohn Wilhelm I. von König enzel 1380 für B. die naps 10. 9e erhielt. Nach dem Tode s f Rainalds IV. von Jülich-Geldern (1423) ieß sich Herzog Adolf von B. von Jülich huldigen, welches letztere von nun an das Schicksal B.s teilte. Als 1609 nach dem Tode des kinderlosen Herzogs Johann Wilhelm Kaiser Rudolf II. Miene machte, den Gesamtbesitz des Jülichschen Hauses als erledigtes Reichslehn für Habsburg zu sequestrieren, rief er eine große europ. Koalition hervor, welche es sich n Aufbutz stellte, die nächstberechtigten Erben, Brandenurg und Pfalz-Neuburg, in ihern Anfprüchen zu unterstützen und überhaupt die ÜUbermacht des Hauses absburg zurückzudrängen. Schon hatten die Feindeligkeiten begonnen, als dieErmordung HeinrichsIV. durch Ravaillac alles ins Stocken brachte. Brandenburg und Neuburg blieben einstweilen im Besitz des julich-berg. Landes, aber bald verwandelte sich diese Eintracht durch den umierth jedes Prätendenten auf das Ganze und den Übertritt der Neuburger zum Katholizismus in den bittersten Hader. ehrere den ver Große An waren nur Pausen in dem Zwist, den der Große Kurfürst 1651 sogar durch Waffengewalt zu entscheiden unternahm. Erst 1666 kam ein endgültiger Vertrag zu Stande, wonach Jülich mit B. an Pfalz-Neuburg kam. Nach dem Erlöschen der Kurpfäl 5 en Linie 1742 kam B. an den Kurrsten Karl Philipp Theodor von der Sulzbachichen Linie und nach dessen Tode 1799 nebst den andern Ländern an den 3. Pie Berfolan⸗ Joseph von Pfalz-Zweibrücken. Die Verfolgungen, welche die Protestanten unter Ludwig XIV. erfuhren, führten viele gewerbthätige Ansiedler nach B., welche dort den Geschmack der franz. Industrie in Seide und Baumwolle, im Bleichen, in Spitzen und feinen Leinen heimisch machten. Im J. 1806 wurde B. an Frankreich abgetreten. Napoleon bildete nun aus dem eigentlichen B., das ohne die enklavierten Herrschaften 5455 O. Min. mit 295000 CE. umfaßte, dem rechtsrhein. Kleve und andern Gebieten das Großherzogtum Berg (damals 98 Q.⸗Mln. mit 374 235 C.) für seinen Schwager Joachim Murat, der es nach seiner Berufung auf den neapolit. Thron 1808 an Napoleon abtrat. Dieser überließ das Land 3. März 1809, unter Vorbehalt der vormundschaftlichen Regierung, dem noch unmündigen, ältesten Sohne König Ludwigs von 4085 11i Ludwig Napoleon (den Bruder Napoeons III.), und zwar nach einer schon 1808 erfolgten so beträchtlichen Erweiterung (durch das Fürstentum Münster, die Grafschaften Mark, Bentheim-Tecklenburg und Lingen, die Abteien Elten, Essen und Werden), daß es ein Areal von 315 Q.⸗Mln. mit 878 157 C. umfaßte. Dasselbe hatte zur Hauptstadt Düsseldorf und zerfiel in die vier Departements des Rheins (mit den Arrondissements Düsseldorf, Elberfeld, Mühlheim a. Rh. und Essen), der Sieg (mit den Arrondissements Dillenburg und Siegen), der Ruhr (mit den Arrondissements Dortmund, ahen und Hamm und den Städten Duisburg, uhrort und Dinslaken) und der Ems (mit den Arrondissements Münster, 7 und Lingen). Ende 1810 jedoch mußte der größte Teil der neuen Erwerbungen an der Ems und nördlich von der Lippe an Frankreich abgetreten werden. Bevor der 3e Miieree Ludwig vo zahre ward, besetzten 1813 die Alliierten das Land und errichteten ein provisorisches Gouvernement zur Verwaltung desselben, worauf es 1815 durch den Wiener Kongreß Preußen zugeteilt wurde. Vgl. Göcke, Das Großherzogtum B. unter Joachim Murat, Napoleon I. und Louis Napoleon 1806—135 (Köln 1877).