FeedHerford
ErdkundeBrockhaus 1882

Herford, Kreisstadt im Regierungsbezirk Minden in der preuß. Provinz Westfalen, 15 km von Bielefeld an den Linien Berlin-Hannover-Köln und H.⸗Detmold der Preußischen Staatsbahnen, wird von der Werre und Aa in die Altstadt, Neustadt, Radewig (Radewich) und Vorstadt Stift Berg geteilt. Die Stadt ist Sitz eines Landratsamts und eines Amtsgerichts, hat eine kath. und fünf evang. Kirchen, worunter die Münsterkirche in roman. Stil und die Johanniskirche mit 87 m hohem Turme, eine Synagoge, ein 1540 gegründetes evang. Gymnasium, eine Landwirtschaftliche höhere Lehr— anstalt, zwei höhere Töchterschulen, eine gewerbliche ortbildungsschule, zwei Waisenhäuser, ein Kranenhaus, ein Theater, ein schönes Kriegerdenkmal und ein Zellengefängnis und zählt (1880) 13 596 meist prot. E., welche Cigarren, Rauchtabak, Leinzeuge, Taschentücher, Anzüge (herforder Konfektion), ben. lar und Chokoladewaren, Teppiche, Tuchhauen, landwirtschaftliche Maschinen, Leder, künstliche Düngmittel fabrizieren, eine Flachs⸗ und eine Jutespinnerei, zwei Möbelfabriken, Eisengießereien, Liqueurfabriken und Bierbrauereien unterhalten. — Zur Erbauung der Stadt gab das nach der Sage 832 gestiftete und 839 von Ludwig dem Frommen bestätigte Frauenstift Anlaß, dessen gefürstete Ab⸗ „tissin Reichsstandschaft genoß und dieselbe auch fortbehielt, als das Stift evangelisch wurde. Das Stift wurde 1803 und das im 11. .185 gestiftete Kollegiatstift auf dem Berge bei H. 1810 aufgehoben. H. selbst war früher Hansestadt, wurde 1631 Reichsstadt, mußte sich 1647 dem Kurfürsten von Brandenburg unterwerfen, kam 1807 an Westfalen, 1813 an tPreußen zurück. — Der Kreis Herford zählt (1880) auf 438 qkm 76 427 meist prot. E. Teraik. Ticf (Joseph von), Kardinal und gelehrter kath. Theolog, geb. 15. Sept. 1824 zu Würzburg, studierte dort und in Rom, wurde 1849 Kaplan in der Pfarrei Zellingen bei Würzburg, 1851 Privatdocent der Theologie zu München, 1852 außerord., 1855 ord. Professor des Kirchenrechts und der Kirchengeschichte. Da H. zu den entschiedensten Vertretern des Romanismus gehörte, berief ihn Pius IX. 1868 nach Rom, um als Mitglied der kanonistischen Kommission an der Vorbereitung des Vatikanischen Konzils teilzunehmen. Zur Verteidigung der päpstl. Unfehlbarkeit schrieb unter anderm H.: «Anti-Januso (Freiburg 1870), Kath. Kirche und christl. Staat in ihrer geschichtlichen Entwickelunge (Freiburg 1872). Im J. 1877 ward H. päpstl. Hausprälat, 1879 Kardinal und erhielt als Kardinal-Archivar die oberste Leitung des Vatikanischen Archivs. Von seinen Schriften sind die wichtigsten: «Photius, Patriarch von Konstantinopeld (3 Bde., Regensb. 1866—69), Handbuch der Kirchengeschichte (3 Bde., Freiburg 1876; 2. Aufl. 1884), «Kardinal Maurydo (Würzb. 1878), „Abriß der Papstgeschichteß (Würzb. 1879), «Regesten des Papstes Leo X.v (Freiburg 1884). Vgl. Steiner, Joseph von H.» (Würzb. 1883).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 136Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 5

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Erdkunde 6