Bergell (ital. Bregaglia), Thal im schweiz. Kanton Graubünden und in der Provinz Sondrio des Königreichs Italien, ist vom Malojapaß (1811 m) bis Chiavenna (s. d.) 25 km lang. Es wird von der wilden Maira oder Mera bewässert, welche 14 km dla f. C Chiavenna in den düstern Lago di Mezzola (s. Comersee) mündet. Die obersten Thalstufen mit ihren Weiden und Nadelwäldern zeigen alpinen Charakter, die untern, durch das Felsenriff Porta etwas oberhalb Promontogno scharf abgegrenzt, weisen mit ihren Reben, Kastanienwäldern und Maisfeldern auf ital. Klima hin. Au N. wird das Thal vom südwestl. Teile der ir deta⸗ chen Alpen (Piz Gallegione, 3145 m, Piz della Duana, 3133 m), im S. vom westl. Teile der Berninagruppe (Cima di Castello, 3402 m, Badile, 3307 n begrenzt. Beide Gebirge nd reich an Wild; selbst Steinadler, Geier und ären sind nicht selten. Der obere schweiz. Teil des an Naturschönheiten reichen Thals zählt in den stattlichen, größtenteils aus Stein erbauten Dörfern Casaccia, Vicosoprano, Stampa, Bondo, Soglio und Castasegna (1880) 1682 meist prot. Einwohner ital. Zunge, die sich hauptsächlich mit Ackerbau und Vie zucht Roren Kaff⸗ aber auch wie die Engadiner als Konditoren, Kaffeewirte u. s. w. auswandern. Die Bevölkerung ist im allgemeinen sehr wohlhabend. Der ital. Teil von Castasegna bis Chiavenna ist fruchtbarer, aber weniger gut angebaut, die Dörfer sind ärmlich. Interessant ist in diesem Teile auf dem linken Ufer der Maira der von einem Kastanienwalde überwachsene Bergsturz des Monte-Conto, der 4. Sept. 1618 das reiche Städtchen Plurs mit 2000 E. begrub. Bei Chiavenna schließt sich die Poststraße des Maloja, welche das B. mit dem Oberengadin verbindet an die Splügenstraße an. Vgl. Lechner, Das Thal B.v 2. Aufl., Lpz. 1874).