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ErdkundeBrockhaus 1882

Bergamasca, d. i. Landschaft von Bergamo, heißt das im nördl. Teile der ital. Provinz Bergamo gelegene, vom Brembo, Serio und Dezzo durchflossene Bergland. Die drei Thalschaften, aus denen es besteht⸗ Val Brembana, Val Seriana und Val di Scalve, sind von hoher landschaftlicher Schönheit. Von dem teilweise verletscherten Hauptkamm der Bergamaskeralpen s. Alpen, S.461, 13) bis zur Lombardischen Tiefebene hinabsteigend, von kühn geformten, 2 — 3000 m hohen Bergketten umrahmt, vereinigen Val Brembana und Val Seriana die Großartigkeit der Hochalpen mit der üppigen Pracht der südl. Voralpen. Einsame Hochthäler mit Alpweiden und Nadelwald, wilde Engpässe und Felsschluchten, weite lachende Toalteffel mit wohlhabenden Flecken und Dörfern, von Getreidefeldern, Weinbergen, Obstgärten und Kastanienwaldungen umgeben, reihen sich in buntem Wechsel aneinander. Die Flüsse Brembo und Serio, welche beide der Adda zufließen, bilden in den Schluchten der obern Thalstufen zahlreiche Stromschnellen und Wasserfälle, von denen namentlich die herrlichen Barbellinofälle des Serio Dng durch die sind. Val di Scalve, von Val Seriana durch die Kette der Presolana (2505 m) getrennt, gegen Val Camonica (s. d.) nur durch die schauer 0 Felskluft des dem Öglio zufließenden Dezzo geöffnet, ist ernster und rauher, ein 141505 mit ausgedehnten lpweiden, aber wenig an —— igem Boden. Zahlreiche Burgtrümmer und Schlösser, zum Teil die Stammsitze edler deutscher Geschlechter, wie der Reschich Thurn und Taxis u. s. w., zeugen von der geschichtlichen, 4900 ber hur mit reichem künstlerischen Schmucke von der kunsthistor. Bedeutung der B., aus welcher die Maler Cavagna Ceresa, Lotto, Moroni, Palma, Talpino, die Vildhauer ntonti, Cariani u. a. hervorgegangen sind. armorbrüche und Erzgruben, Ho Aen, Schmieden und Eisen Hinerel⸗ Tuchfabriken, Seiden- und Baumwollspinnereien weisen auf den Gewerbfleiß der Bewohner hin, die als 5. e Arbeiter über ganz Italien verbreitet sind. Aus der B. und den anstoßenden Teilen der Provinzen Brescia und Como stammen auch die „Bergamaskere Graubündens, welche mit er großen Herden hochbeiniger, weißgelber Bergamasker8 afe im Sommer die höchsten Alpweiden des ergell, Engadin u. s. w. beziehen. Die Bevölkerung, welche zum Teil got. Abkunft sein soll, ist le und schön, rührig und intelligent. ie wichtigsten Wohnplätze sind in Val Brembana 862 mueüber dem Meere, in der obersten Tha 215 des Brembo, der Mittelpunkt der beträchtlichen Alpwirtschaft, Piazza San-Martino, 570 m über dem Meere, 29 km von Bergamo an der Stabina, nahe bei der Vereinigung derselben mit dem Brembo gelegen, der Hauptort des obern Thals, Zogno, im untern Thale. de-Val Seriana, welches mit Val di Scalve einen de-Hieerr Bezirk bildet: Bondione, 890 müber dem Meere am Serio, mit Hohöfen und großer Eisenindustrie, Clusone (s. d.), Gandino, in einem Seitenthälchen des Serio, Mittelpunkt der Tuchindustrie, mit 3700 E.; in Val di Scalve Schilpario und Vilminove. Val Brembana und Seriana sind von Bergamo, letzteres auch vom Iseosee aus auf guten Fahrstraßen (Bergamo-Branzi 48 Em, Bergamo-Bondione 51 Km, Lovere-Clusone 16 km), vom Veltlin aus I leicht gangbaren Saum⸗ und Fußwegen zugäng 35 Nach Val di Scalve führen zwei Fahrstraßen, die eine von Clusone über das Castionejoch (1296 m), die andere, ein kühn angelegtes Felsensträßchen mit Cmd Galerien, Tunneln und Brücken, von Val Camonica durch Val Angolo und die schauerliche, an großartiger Wildheit der Via-Mala gleichkommende Kluft des Dezzo. Nationaltanz, aus der Bergamasca (s. Astammend und nach derselben benannt, mit anmutiger, munterer Melodie.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 799Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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