Beuthen (slaw. Bitom oder Bytom) oder Oberbeuthen, Kreisstadt im Regierungsbezirk Oppeln, 90 km südöstlich von Oppeln und 4 km von der I+ Grenze entfernt, liegt in einer Einsattlung des oberschles. Höhenzugs zwischen den beiden Quellenarmen des Isarbachs oder Beuthner Wassers, an der Hauptlinie der Rechte-Oderuferbahn und an den Zweigbahnen Gleiwitz-B.⸗Schwientochlowitz, Morgenroth-B.⸗Tarnowitz und Peiskretscham-Oppeln der Oberschlesischen Eisenbahn und ist Mittelpunkt der Oberschlesischen Schmalspureisenbahn, Sitz eines Landratsamts, eines Landerichts und eines Amtsgerichts, einer Handelsammer, der Oberschlesischen ank für Handel und Banbbere und einer Kommandite des H ankvereins sowie einer Reichsbanknebenstelle, hat eine kath. (13. Jahrh.) und eine evang. (15. Jahrh.) Pfarrkirche, eine Synagoge, ein städtisches Gymnasium, eine kath. und eine evang. höhere Töchterschule, eine Lehrlingsfortbildungsschule, ein städtisches Krankenhaus * 400 Kranke, ein Knappschaftslazarett, eine Kleinkinderbewahranstalt, ein städtisches und ein Kreiswaisenhaus, eine Altersversorgungsanstalt, ein Wasserhebewerk nebst Badeanstalt und Park, zählte 1820 erst 2000, 1845 über 4000, 1880 aber 22 823 E. B. ist der Mittelpunkt des oberschles. Berg- und Hüttenbezirks und He in rascher Entwickelung begriffen, einer großen Bewertuon entgegen. Die Stadt liegt in der Mitte der wertvollsten Zinkerzgruben; von besonderer Wichtigkeit ist indes auch der Bergbau⸗ und Hüttenbetrieb auf Eisen, Blei, Silber und Steinkohlen; in geringer Entfernung befinden sich drei große Eisenhütten und im Umkreise von 7 km sieben große Steinkohlengruben mit einer jährlichen Förderung von fast 2500 Mill. kg Kohlen. Etwa 8 km südwestlich, im „Beuthener Schwarzwalder, liegen ebenfalls Eisenbesuden zch Zinkwerke und Kohlenzechen. Zu B. efinden sich noch eine Gasanstalt, zwei Dampfmahlmühlen, eine Dampfschneidemühle, eine Marmor⸗ und Sandsteinwarenfabrik, eine Kunstschlosserwerkstatt mit Dampfbetrieb und eine Fabrik gebogener Holzmöbel. Der Sage nach soll um 1020 ein poln. König an der Stelle, an welcher jetzt B. liegt, ein Jagdschloß erbaut haben, um welches im Laufe der Zeit ein Ort entstand. Ursprünglich gehörte B. zu Polen, wurde 1179 von Kasimir II. von Polen an Herzog Miecislaw von Rerl abgetreten, erhielt 1254 deutsches Recht, * 1289 als Lehen an die Krone Böhmen, dann gleich den übrigen schles. Herrschaften an Osterreich und 1741 an Preußen. Der Bergbau auf Blei und Silber blühte um B. bereits seit dem 11. Jahrh., bis er Mitte des 14. aund wegen der Wasser erlag. Seit 1697 ist es tandesherrschaft der Grafen Henckel von Donnersmarck. Erst im Laufe des 18. und noch mehr im 19. Jahrh., wo außer Blei und Silber noch Zink, Kohle und Eisen nn Aunsäw des Betriebs wurden, kam B. wieder in Aufschwung und wurde 1818 Mittelpunkt des Kreises. Der ehemalige Kreis Beuthen wurde bald nach der Besitznahme Schlesiens durch Preußen gebildet und umfaßte nach der Reorganisation von 1817 noch 13,47 Quadratmeilen (757,6 qkm) mit 25 692 E., zählte indes 1860 bereits 134252 E. und wurde, nachdem die Bevölkerung 1873 auf 235 800 E. angewachsen war, durch Gesetz vom 28. Mär 1873 in die vier Kreise B. (125,0 qkm mit 11880 113694 C.), Kattowitz, Tarnowitz und Zabrze geteilt. In diesem neuen Kreise B. liegt auch noch die bedeutende Berg⸗ und Hüttenstadt Königshütte mit (1880) 27432 C. Vgl. Solger, Der Kreis B. (Bresl. 1860); Triest, Topogr. Handbuch von Oberschlesien⸗ +Hr. 1865); Gramer, «Chronik der Stadt B. in Oberschlesien» (Beuthen 1863); Franke, «lüber die geogr. Lage und Entwickelung der Stadt