Bewaffnen, s. Armieren. Bewã und dureh Irrigation ist das Mittel, dem Boden und durch ihn der Vegetation die ser mangelnde Feuchtigkeit, eine der Bedingungen frischaf und ergiebigen Pflanzenwachstums, zu veraffen; sie ist dasselbe im großen Maßstabe, was das Begießen bei der Gärtnerei im kleinen ist, und muß, gleich 11¹— zu 4% Jahreszeit mit Wasser von entsprechender Beschaffenheit und auf einem Boden, welcher schon im voraus dafür empfänglich gemacht worden ist, vorgenommen werden. Da in warmen Klimaten oder auf sonst sterilen — häufig die Zufuhr von Wasser die einige Bedingung der Fruchtbarkeit eines Bodens ist, 0 ist die B. schon seit den ältesten 4 zu einer der bedeutendsten Meliorationen in der Landwirtschaft und demgemäß auch in systematischer Weise zu einer Kunst ausgebildet worden, welche die eine technik bildet. Schon die Bibel erwähnt an mehrern Stellen die Leitung von Wasser über die Saaten; das Land zwischen Euphrat und Tigris, Mesopotamien, galt im grauen Altertum seiner zu Befruchtungszwecken durchgeführten Kanalisation halber üur ein Vorbild landwirtschaftlichen Fortschritts; ie Länder der ältesten Kultur China, Indien und i haben von lehr und bis heute die B. in jeglicher Weise zur Belebung ihrer Saaten benutzt. Das letztere Land begnügt sich keineswegs mit den eriodischen ÜUberschwemmungen des Nilstroms, rdeen leitet dessen Gewässer vermittelst eines in er Neuzeit durch großartige Dampfwasserhebewerke sein ganzes Ertragsge iet bis zum Rande der Wüste. In Anaaln waren die Etrusker die ältesten Bewässerungskünstler. Von den riesigen Werken, welche 0 ausschließlich zJum Zwecke der Wasserzufuhr für ie Felder errichteten, geben noch gegenwärtig die kolossalen Reste der philistinischen Kanäle zwilhen Adige und Po Zeugnis. Sie übertrugen ihre Kunst auf die Römer. Am höchsten entfaltete sich die Organisation der B. in der Lombardei. Seit den Römerzeiten unablässig entwickelt und ausgebaut, erstreckt sich deren Kanalnetz für landwirtschaftliche Bewässerungszwecke gegenwärtig über 430000 ha. Die Hauptkanäle wurden zum Teil Mast im Breseld ittelalter von den Städten Mailand, rescia, Cremona unter der Herrschaft der Visconti, Sforza, Gonzada an Maggi, im Mantuanichen durch die Gonzaga angelegt, unter Benutzung er ser hefern iht asserbauten der Alten. Das Wasser liefern ihnen teils die Flüsse Adda, Tessin, Brembo, Serio, Oglio, Mella, Clisio und Mincio, teils in geringerm Maßstabe die Fontanili, gefaßte Quellen, von Iwelche insbesondere diejenigen geschätzt werden, welche auch in der rauhen Jahreszeit ein warmes Wasser von durchschnittlich 10 R. wiesen. Mar Anlage und B. der herrlichen Winteruoch i arcite, die sich außer der Lombardei nur noch in Spanien vorfinden. Die Abflüsse der B. münden sämtlich in den Po, der durch sie große Mengen an Schlamm und Befruchtungsstoffen zugeführt erhält. Die Länge aller lombard. Bewässerungskanäle beträgt über 7000 Km. Die Wasserzufuhr, zu 1 Uper Sekunde und Hektar, beläuft f auf 428 ebm in der Sekunde. Der größte Bewässerungskanal der Lombardei ist der Naviglio rande, welcher, aus der Adda gespeist, die Wiesen, anf⸗, Lein⸗ und Getreidefelder, auch einige Reispflanzungen im östl. Teile des Mailändis en und in der Provinz Lodi, im ganzen ein Gebiet von 98000 ha bewässert; er ist 50 Em lang und zugleich schiffbar. Noch größer ist als Kanal ie 57 km lange Muzza, welche jedoch bloß auf zwei Dritteilen ihres Laufs zur B. eines Gebietes von 16400 ha benutzt wird, welches die Gera d'Adda und Crema einschließt. An den großen Naviglio ließt sich der Kanal von Bereguardo, an die uzza mehrere von Brembo, Serio und Oglio espeise Kanäle im Bergamaskischen; ihnen reihen sch an die von Pavia, Cremona, Gavardo, Martesana —* dem Naviglio interno, der die Spülwasser der tadt Mailand aufnimmt), Fusa; die Wasserleitungen Vailata, Ritorto, Pallavicino, Lonata, Calcinata, Aquanegra, Marchionale, Lombar u. a. Minder ausgebildet als in der Lombardei ist das Bewässerungswesen im pes großen Cavo doch hat derden seit Erbauung des großen Cavourkanals, der den Po mit dem Ticino verbindet, einen größern Aufschwung genommen. Letzteres ½7 Werk, 1862 begonnen, 1869 vollendet, ist 82 Km lang und hat — 0 dem Zweigkanal Lomellina 53 Mill. Lire geostet. Der Cavourkanal dient Wuon Ratt die ältern Calura Bewässerungskanäle von Rotto, Jorea, alusa, Cigliano, Sesia u. s. w. als Füllwasser und das gesamte Sy tem bewässert eine Fläche von etwa 250000 ha. (Vgl. Hamm, «Die Meliorationen in Italieno, Wien 1875.) Aus der Lombardei gelangte durch 11. B. nnch Söldner im 18. Jahrh. die Kunst der B. nach Deutschland, zunächst an den Niederrhein, wo sie sich besonders im Siegener Lande festsetzte und ausbildete. England, dessen Klima sie nicht bedarf, hat wenig an Bewässerungsanlagen Siden noch desto mehr Frankreich, das in seinem Süden noch mehr darauf angewiesen ist als die Lombardei; die bedeutendsten Bewässerungseinrichtungen finden sich hier in den Thälern der Loire und Garonne ferner in den Depart. Savoie und Haute-Savoie, Bouches du Rhöne, Herault, Gard u. s. w. t Spanien haben schon die Mauren die B. eingeführt; ihr verdankt die Huerta di Valencia einzig ihre üppige Weltwußten Aber auch die Urvölker der Neuen elt wußten sie zu gebrauchen, wie die Uberbleibsel der von den Azteken in Mexiko ausgeführten großartigen Bewässerungsanlagen noch heute beweisen. Die gegenwärtig in Anwendung befindlichen Bewässerungssysteme lassen sich in drei Gruppen bringen, je nachdem sie gewöhnliches Wasser verwenden oder zugleich eine Erdbewegung oder eine Düngung bezwecken. Zwar ist stets der wichtige Nebenzweck jeder B. eine direkte oder indirekte Befruchtung; allein es kommt darauf an, welche Stoffe dem Wässerungswasser aufgeladen werden. Die reine B. umfaßt die folgenden Systeme: 1) Einsickerung oder Infiltration. Sie besteht darin, daß das in Gräben oder natürlichen Läufen zugeführte der55 auf den Boden nur durch Eindringen von der Böschungsseite her wirkt, deshalb sich nicht über den Rand der Zuleitungen zu erheben braucht. Eine solche B. ergibt auf leichtem, durchlassendem Terrain, insbesondere auf Moorland, ausgezeichnete Resultate; sie wird angewendet bei der Dammkultur der Moore und vo Eren P in Lagen mit schwammigem Erdreich, deren Pflanzenwachstum viele hasten der erheischt, also bei den Plantagenwirtchaften der warmen Zone. Eine hohe Temperatur unterstützt wesentlich die Wirkung der Infiltration. 2 Stauung Gubmersion) oder Uberstauung. Es wird dabei ein Boden seiner ganzen Ausdehnun nach mit Wasser überflutet, welches so lange darum stehen bleibt, bis er sich genügend vollgesogen hat. Die Zuleitungerfolgt gewöhnlich mittels Schwellung eines Wasserlaufs durch Wehren oder Schleusen; das Wässerungsgrundstück muß in den meisten Fällen eingedämmt werden. Die Stauung erfolgt nur im ersten Frühjahr oder im Spätherbst. 3) Rieselung rrigation proprement dite). Bei diesem System wird der zu bewässernde Boden von laufendem Wasser unaufhörlich überrieselt, weshalb er ein Gefälle haben muß. se nachdem dieses natürlich ist oder künstlich hergestellt werden muß, spricht man von natürlicher B. oder von Kunstbau. Läuft das auf einseilg schir bloß nach einer Seite hin, also auf einseitig schiefer Fläche hinab, so nennt man diese Vewasserungsart Hangbau; werden auf künstliche Weise zwei geneigte Flächen dachförmig aneinandergelehnt, sodaß das Wasser von ihrer First aus beide überrieselt, so ist dies ein Dach- oder Rückenbau. Eine Vermittelung zwischen Stauung und Rieselung bildet die Bewässerungsmethode von Petersen in Wittkiel (Holstein) in Verbindung mit der Drainierung (s. d.); die drainierten Flächen werden mittels 90961 eins Staugpparate unter Wasser gesetzt, wobei eine energische Cirkulation mit gesicherter Abfuhr des verbrauchten erzielt wird. 4) Röhrenbewässerung. Die Zufuhr des Wassers geschieht in Röhren, die Verteilung mittels mechan. Vorrichtungen. Man hat dazu etwa Spritzwagen von besonderer Konstruktion Schwe oder laßt sogar das Wasser aus durchlöcherten Rinnen von oben herab gleich einem Regen auf die Felder trömen (England). Mit diesem seltener angewenten System der B. läßt sich auch zugleich eins der flüssigen Düngung verbinden. mit Erdbewegung. In vielen Gegenden findet diese in natürlicher Weise statt, z. B. in 100 ten durch die Uberschwemmungen des Nils, welche stets eine, wenn auch ußerst geringe Schlammschicht zurücklassen und auf diese Weise das Bodenniveau allmählich Udlie Diesen Effekt erzielt man aber auch auf künstliche usuht durch eine B., deren Hauptzweck nicht die Zufuhr von Wasser, derh eie Erde in feinzerteilter Een ist, wourch eine Niveauveränderung und Verbesserung des Bodens herbeigeführt wird. Ist die erstere das Ziel, so heißt diese Melioration Anschwemmung Deabüchrint wird bloß eine befruchtende Wirkung eabsichtigt, Aufschwemmung (Limonage). Mittels der Colmatage (dies ist der gebräuchliche technische Ausdruck) werden die größten Korrektionsarbeiten mit überraschenden Erfolgen durchgeführt, z. B. Valdichiara, toscan. Maremmen u. s. w. in Italien; Vallées de l'Arve (Haute-Savoie), de lAre et de lIsere (Savoie) u. s. w. in . dem . B. mit Düngung. Hierbei hat die B. den Zweck, eine gleichmäßige Zufuhr von befruchtenden Stoffen über größere Flächen zu vermitteln. Dies Motoren entweder mittels Druck durch stärkere Motoren (Dampfkraft u. s. w.) oder im natürlichen, resp. künstlichen Gefälle. Die B. selbst ist eine Rieselung. Man unterscheidet die Grubendüngerbewässerung (Sewage) zur vorteilhaften Verwertung, resp. Abehr der städtischen Abfälle, und das schott System er feklan Düngung mittels unterirdischer Röhren und Schläuche, nach Kennedy. Bei der B. wirkt nicht bloß die kühlende und erschaft de Feuchtigkeit, sondern auch noch die Eigenchaft des Wassers, die unorganischen Pflanzennährstoffe im Boden löslich und den Gewächsen assimilierbar zu machen; ferner von anderm Boden den Pflanzenwurzeln zu überliefern, den Boden locker zu erhalten, wohlthätige und nährende Gasarten in denselben zu bringen, kurz, ihre ½5 Erfolge resultieren aus der Vereinigung und Konentration aller Kräfte des Bodens, der Luft, der Warme⸗ des Lichts und der Feuchtigkeit, welche sie den Pflanzen zugänglich macht. Über das uralte Associationswesen in der B., s. unter Wasser-Litterat Loerselbe Der praktische Rieselwirto (Lpz. 1857); derselbe, »Verbesserung der Wiesen durch B.y (Opz. 1858); König, «Die Ent⸗ und Bewässerung der ländlichen Grundstücke: (Münst. 1859); Fürstenhaupt, däserung, V Handbuch der Bodenkultur durch Entwässerung, B. und Umwandlung (Berl. 1860); Barral, Drainage, Irrigations, Engrais liquideso (Par. 1860); Heyer, Die hannov. 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