FeedBewüsserung
AllerleiBau-Lexikon 1881

Bewüsserung, k., frz. arrosement, arrosage, m., engl. irrigation, ital. irrigazione, span. regadio. Die künstliche B.kann und muß, je nach den Verhältnissen, auf sehr verschiedene Art und Weise bewerkstelligt werden, und es läßt sich daher kein allgemeines System aufstellen. Die Aegypter benutzten die jährlichen Nilaustretungen, indem sie eingedämmte Bassins anlegten, in denen ein Theil des übergetretenen Nilwassers beim Zurückgehen des Wasserstandes hinterblieb; wie sie dieses dann auf die Felder vertheilten, darüber fehlen uns leider alle Details, ebenso über die Bewässerungsmanier der Griechen. Die Römer leiteten das Wasser aus Quellen durch Wasserleitungen (sd. Art. Aquädukt), in erhöhte Bassins, Wasserkastelle, von wo aus dasselbe durch Röhren vertheilt wurde. Um sich im hohen Sommer vor Wassermangel zu schützen, gruben sie in der Nähe der Quellen künstliche Seen oder vergrößerten natürliche, aus welchen dann das Wasser durch Ablässe mit Regulirungsvorrichtungemin die Aquädukte gelassen werden konnte; die Regulirung dieser Ablässe, sowie des Ablaufens aus den Kastellen in die Röhren scheint meist durch metallene Hähne bewirkt worden zu sein. Unter den kulturtragenden Völkern des Mittelalters zeichneten sich auch in dieser Beziehung —— die Araber und Mauren während ihres Aufents S halts in Spanien aus; sie theilten die ganzen von ihnen beherrschten Provinzen in Bewässerungsbezirke, denen das für ihre Felder nöthige Wasser durch Aufstauung der Gebirgsbäche und Flüsse für den Sommer gesichert wurde. Das ganze Bewässerungssystem einer solchen Provinz hieß riego (s. d.); die Aufstauung der Gebirgsbäche geschah durch große Futtermauern, s. pantano, die Aufstauung der Flüsse durch Wehre (presa). Aus den durch diese Aufstauungen entstandenen Séen führten, durch azudes geregelt, die Hauptkanäle, almatriches, das Wasser ab; aus diesen ging es in die azequias und azarbes über, aus welchen es durch die auudas und norias auf das zu bewässernde Land gehoben wurde, dafern nicht der Fall des Terrains erlaubte, daß das Bett der Kanäle höher lag als das Feld. Nach dem Flächeninhalt jedes Feldes und der Wasserbedürftigkeit desselben, bedingt durch die Bodenbeschaffenheit und die erbauten Früchte, wurde die Wassermenge, alema (s. d.), berechnet, deren jedes einzelne bedurfte, und danach der Querschnitt der Azequien und die tägliche Oeffnungszeit einer jeden gemessen. Nach der größeren oder geringeren Trockenheit der Jahre oder einzelner Tage und der Querschnittssumme aller von einem Bassin aus zu speisenden Azequien richtete sich die Oeffnungsweite, welche dem Auslauf, escurridor (s. d.), für jeden Tag zu geben war. Die genaue Regelung dieser Oeffnungsweite war durch einen Schraubenhahn, tornillo (s.d.), ermöglicht, der mit einem Zeiger in Verbindung stand, welcher auf einer Skala den Kubikinhalt des in jeder Minute durch die Oeffnung entweichenden Wassers angab. Jeder Besitzer hatte nun eine od. mehrere Stunden lang des Tages das Recht, seine Azequia offen zu halten, wofür er einen Abonnementsbetrag, die alfarda, zählte; wenn er diese ihm zugestandene Zeit überschritt, d. h. bei dem durch eine Glocke, vela, vom Wasserwächter gegebenen Zeichen seine Azequia nicht schloß oder dieselbe vor dem betreffenden Zeichen öffnete od. des Nachbars Azequia verstopfte etc., so wurde er sehr streng bestraft durch ein aus Mitgliedern des Riego bestehendes Tribunal, vor dem keine Appellation galt. Diese Tribunale, sowie die gesamte Einrichtung, bestehen jetzt noch in vielen Provinzen Spaniens, u. machen es möglich, daß die Felder selbst in den trockensten Jahren bis zu Ende des Sommers Flüssen u. Azequien wird das Wasser durch norias (s. d.) auf die Felder gehoben. In Deutschland lag das Bewässerungswesen das ganze Mittelalter über und selbst in die neuere Zeit hinein sehr im Argen; da bei unserm gemäßigten Klima eine totale Austrocknung der fließenden Gewässer nur selten zu befürchten steht, so hat man sich selbst in der neuesten Zeit meist der Anlegung von Sammelbassins enthalten können, bezieht vielmehr gewöhnlich das Wasser aus einem nahe liegenden Teich, See, Fluß od. Bach. Die Bewässerung des kulturfähigen Bodens kommt im südlichen Europa, Japan etc. auch bei Feldern vor, namentlich bei Reisfeldern. Im mittlen und nördlichen Europa ist die B. der Felder bisher nur Versuch gewesen; entweder benutzte man Drainwässer, oder man legte unterirdische Röhrenleitungen ein, aus denen durch Druck das Wasser in die Vegetationskrume dringt (gut gelungene Versuche bei Leipzig). Zu allgemeiner Anwendung gelangt bei uns nur die künstliche B. der Wiesen (höchstens noch der Gärten). Von den gebräuchlichsten Bewässerungssystemen unterscheidet man A. die Bewässerung durch Einstauung oder Anstauung, so genannt, weil das Wasser aufgestaut und kürzere oder längere Zeit in die Wiesenfläche hineingestaut wird. Sie wird nur bei lockerem, durchlassendem Boden angewendet. B. Ueberslutungen, häufig in Wiesengründen vorkommend, die an einem Bach oder Fluß liegen, welche zeitweise anschwellen, austreten u. die umliegenden Ländereien kürzere od.längere Zeit unter Wasser setzen, dadurch anfeuchten und düngen. Bei dieser Art der B., welche nur dann vortheilhaft ist, wenn sie zu rechter Zeit im Frühjahr und Spätherbst eintritt, ist es gut, den Wasserlauf (Bach, Fluß) oder dessen Ufer so viel wie möglich zu beherrschen, damit man vorzeitige oder zur Unzeit kommende Ueberflutungen vermeiden kann. Ebenso muß man — dem Terrain nachgehend — für gehörige, gewöhnlich größere Entwässe— Fig. 562. Bewässerung durch natürlichen Rückenbau. rungsgräben sorgen. C. Ueberrieselung (Berieselung). Hierbei unterscheidetman wiederum die Ueberrieselunga) durch Hang bau, bei welchem die Wiesenfläche nur eine einseitige Neigung hat. Das Wasser tritt während der Ueberrieselung nur über die eine (untere) Kante des Rieselgräbchens über. Der natürliche Hangbau, welcher sich an vielen Oerten, bes. im Gebirge, von selbst darbietet, ist die billigste Anlage und da ausführbar, wo die Wiesen ein Gefälle von mindestens 2:100 haben zb) durch Rückenbau. Bei diesem besteht die Wiesenoberfläche in mehreren Satteldächern, auf deren oberem Kamm eine Rieselrinne und in den unteren Schnittflächenkanten eine Entwässerungsrinne liegt. In Fig. 561 sind K R die Rieselrinnen, welche aus dem Gräbchen 6 gespeist werden und ihr Wasser über die Sattelflächen S S rieseln lassen, welches durch die Entwässerungsgräbchen E E in den nächsten Ableitungsgraben geführt wird. Man unterscheidet auch hierbei wieder den natürlichen und den künstlichen Rückenbau. Beim natürlichen Rückenbau werden die Bewässerungsrinnen durch Erde und Rasen in der Weise hergestellt, wie in Fig. 562 zunächst unter Langegeben. Im zweiten Jahreträgt man das durch Räumung der Rieselrinnen gewonnene Bodenmaterial zu beiden Seiten auf(unter Du. kann somit im dritten Jahre (III) schon Rücken formiren. Die Einfachheit und Wohlfeilheit empfehlen den natürlichen Rückenbau stets vor dem künstlichen und für den Fall, wo das für den Hangbau erforderliche Minimalgefälle von 2 Proz. nicht vorhanden ist. Die gewöhnliche Länge der Rücken beträgt durchschnittlich 20 Fig. 563. Bewä sserung durch künstlichen Rückenbau. fertig hergestellt und die Sattelflächen häufig noch mit kleinen Nebenrinnen durchzogen, wie Fig. 563 ersichtlich. Von allen diesen Methoden bleibt der Hangbau stets der billigste; nach diesem der natürliche Rückenbau. Der künstliche Rückenbau ist in Herstellung und Unterhaltung der theuerste u. wird verhältnismäßig wenigerangewendet. In neuerer Zeit wird auch ein neues System: D. die un. terirdische Bewässerung nach Petersen, in manchen Landestheilen benutzt. Nach demselben wird das Wasser in einem unterirdischen, dichten Röhrenstrange KR Fig. 564 in der Weise zugeleitet, daß es in Holzkästen 970“ .., deren Einrichtung unter Fig. 565 spezieller dargestellt ist, eintritt und von da in seitlich abzweigende oberirdische Gräbchen xXX“... Fig. 566, unter denen sich gleichlaufende unterirdische Drainröhrenstränge befinden. Die B.geschieht auf folgende Weise;: Man schließt das in jedem der Kästen befindliche Ventil V, indem man einen bei wan einem Draht hängenden Hebel hinabläßt. Das Wasser strömt durch R herzu, füllt den Kasten O an und fließt durch die Spalten bei e in die oberirdischen Rieselrinnen X X“ durch das Drainrohr bei S dagegen in die in mit K X gleichlaufenden unterirdischen Drainröhren, durch deren Stoßfugen das Wasser austritt und den Boden anfeuchtet. Die Bewässerung geschieht also durch oberirdische!“ gleich. Sobald der Trakt zwischen xXX und“X“ gehörig bewässert ist, wird das Ventil Wim Kasten (bei 0) geöffnet, das in 0“ geschlossen, und nun beginnt dieselbe Wirkung wie zuvor, u. s. f. Diese Methode der B. ist bes. in Holstein (Schleswig) ausgeführt worden; desgl. auch durch die landwirthschaftliche Versuchsstation in Wiesbaden. Zur Besichtigung größerer Bewässerungsanlagen ist bes. das Großherzogthum Baden sowie das sogenannte Siegener Land zu empfehlen. Auch in der Lombardei ist in der neuesten Zeit sehr viel für die B. gethan worden. Das geeignetste Wasser ist das aus Flüssen u. Bächen, während das aus Moor- und Torfboden stammende Wasser sich nicht dazu eignet. Die Bemessung der B. richtet sich bes. nach der Bodenbeschaffenheit; schwerer Boden bedarf mehr Brals leichter, mächtige Kies-oder Sandschichten mehr als solche, unter denen eine Thon-oder Lettichschicht liegt; Torfmoor muß viel, aber schnell bewässert werden, nirgends aber darf man das Wasser lange stehen lassen. In der neuesten Zeit wird auch häufig das Wasser zu Berieselung tief liegender Wiesen aus der Drainirung höherliegender Felder benutzt und zu diesem Behuf zwischen beiden ein Sammelbassin angelegt; man schwängert wohl auch das Bewässerungswasser mit Düngermaterial (Guano, Kalk, Salz oder Aschenlauge), was dann aber nur im letzten Stadium der Berieselung geschehen darf. ꝰ. WHyr.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 1, S. 365Scan: Getty Research Institute (Internet Archive) · gemeinfrei

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