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Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Birsch, Adler und Moldenhauer veranstalteten Sammlung (Kopenh. 1788), die er durch eigenen rastlosen Fleiß erheblich vermehrte, brachte er den bis dahin rei Haen 905 17 zusammen (Hauptausg., 2 Bde., Halle u. Lond. 1796—1806). Griesbach unterschied drei Recensionen von Handschriften: die occidentalische, die alexandrinische, die konstantinopolitanische, und 9 5 den Wert derselben sorgfältig D.sart aberal ab, blieb aber bei der Elzevierschen Lesart überall stehen, wo nicht zwingende Gründe zu Abweichungen nötigten. Die Ausgaben von Matthäi (1782—88, 12 Bde.), auf Grund von mehr als 100 doch ziemlich jungen moskauer Handschriften, und von Scholz (1830; 2. Ausg. 1836, 2 Bde.) legten in der Hauptsache den lonsantinoder unmmem Text zu Grunde, welcher unter allen er jüngste und dem Elzeviers chen verwandteste war. t Lachmann wandte die strengen Grundsätze der neuern philol. Kritik mit wissenschaftlicher Konsequenz auf das Neue Testament an. Indem er unter Verzicht auf die Ausmittelung des ursprünglichen Textes nur den ältestbezeugten herzustellen suchte, — er unter Zurückstellung der occidentalischen und onstantinopolitanischen Recension lediglich auf den alexandrinischen Text zurück, den er nach einigen wenigen, aber durch ihr Alter ausgezeichneten Handriften konstituierte(Stereotypausgabe 1831; große usgabe von Lachmann und Buttmann, 2 Bde., Berl. 1842—50). Hatte Lachmann noch auf Grund eines sehr lückenhaften Materials gearbeitet, so ist es namentlich Tischendorfs Verdienst, den bisjetzt reichhaltigsten handschriftlichen Apparat zusammenebracht zu uhend In den kritischen Grundsätzen scloß ich Tischendorf besonders in der ersten Ausgabe (Lpz. 1841) in der Hauptsache an Lachmann an, hat sich aber in den folgenden Ausgaben, namentlich der de leipziger (1849), der sog. ed. septima (2 Bde., Lpz. 1859) und der (8.) Ausgabe letzter Hand (Lpz. 1869 — 72), dem Sanenseen Texte schrittweise genähert und die Lachmannschen Gen ipien durch eine Reihe anderweiter sotge esichtspunkte durchkreuzt. Gegenwärtig ist infolge dieser neuesten Bemühungen der neutestamentliche Tert in größeres Schwanken gekommen als je zuvor. Die neueste hervorragende kritische Ausgabe ist die mit einer gelehrten Introduktion, auserwählten Citaten und orthogr. Noten versehene von Westcott und Hort (2 Bde., Cambridge u. Lond. 1881). Unter den Handschriften sind die ältern (seit dem 4. Jahrh.) mit Majuskeln oder sog. Uncialschrift, die jüngern (vom 10. Jahrh. an) mit Minuskeln oder Cursipschrift geschrieben. Die wichtigsten sind der Codex Vaticanus aus dem 4. Jahrh., der, bis vor kurzem sorgfältig den Blicken der Gelehrten entzogen, erst neuerdings vollständig verglichen worden ist, der von Tischendorf entdeckte, wohl ebenfalls aus dem 4. Jahrh. stammende Codex Sinaiticus (von welchem nachstehend eine Textprobe folgt), [der in London aufbewahrte Codex Alexandrinus 6. Jahrh.) und der Codex Ephremi (ein sog. Codex rescriptus oder palimpsestus mit darüber geschriebenem Texte des syr. Kirchenvaters Lnchen d. welche sämtlich (mit größern oder kleinern Lücken) die ganze griech. Bibel Alten und Neuen Testaments enthalten. Hierzu kommen noch zahlreiche Handschriften, welche nur einzelne Schriften umfassen, so der Codex Cantabrigiensis oder Bezae (Evangelien und Apostelgeschichte), der Codex Claromontanus (Paulinische Briefe) u. a. m. Die ältesten Handschriften sind ohne Accente, Interpunktion und Wortabteilung. Um 462 erfand Euthalius, Diakonus zu Alexandria, die sog. stichometrische Einteilun indem er die Paulinischen Briefe, die Apostelgeschichte und kath. Briefe in Zeilen (rVot) einteilte, d. h. in Absätze, wie sie beim Vorlesen unterschieden werden sollten. Diese Einteilung wurde später auc auf die Evangelien und die Apokalypse, ja au auf verschiedene nichtkanonische Schristen übertragen. Die Kapiteleinteilung des Neuen Testaments ist, wie die des Alten Testaments, erst im der Verje durch Kardinal Hugo entstanden, die der Verse durch Stephanus in seiner Ausgabe von 1551. Ebenso sind die über⸗ und Unterschriften der neutestamentlichen Bücher spätern Ursprungs. ibelerklärung, s. Exegese.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 953Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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